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Lily King „Hotel Seattle“ – die Meisterin der Kurzgeschichte

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Von: Sven Trautwein

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Für ihre Romane erhielt Lily King zahlreiche Auszeichnungen. Für die „Vogue“ gilt sie als eine der großen Kurzgeschichte-Autorinnen. Mein Buchtipp.

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Ein Buch über die Liebe. In zehn Kurzgeschichten entfaltet die preisgekrönte Autorin Lily King verschiedene Ansichten über das Thema, das in ihren Texten nicht auf den ersten Blick romantisch daherkommt. Geprägt von Verlusterfahrungen durch Trennung zeigt die Autorin aber immer wieder einen Weg auf, dass ein Familienleben – wenn auch in anderer Konstellation – möglich ist.

Cover zur Kurzgeschichtensammlung „Hotel Seattle“ von Lily Kind
Kurzgeschichten von Lily King „Hotel Seattle“ © C.H. Beck

Eine Vierzehnjährige verknallt sich in einen verheirateten Mann und träumt von der großen Romantik, bis sie erfahren muss, dass Liebe und Lust zwei einander entgegengesetzte Dinge sein können. Ein junger Mann outet sich und verliert daraufhin seinen besten Freund, dessen Unsicherheit in Aggression umschlägt. Eine Frau kämpft damit, die Abweisung ihrer Teenager-Tochter zu ertragen und fühlt sich dabei so einsam wie nie, doch die Verbindung einer Mutter zu ihrem Kind kann so leicht nicht erschüttert werden. Lily Kings Erzählungen sind berührend, überraschend, hoffnungsvoll - und zum Glück auch ein wenig romantisch.

C.H. Beck

Ein wenig erinnern mich die Figuren mit ihren Lebenslügen an Daniela Dröschers „Lügen über meine Mutter“. Verschiedene Szenarien, unterschiedliche Altersstufen, aber doch stets die Suche nach dem eigenen Ich. Und in einigen Kurzgeschichten geht es um das Verhältnis zu den eigenen Eltern. Die vierzehnjährige Carol erlebt in „Kreatur“, wie sich ein viel älterer Mann für sie zu interessieren scheint. Für sie sollte alles ganz romantisch sein, wie in „Jane Eyre“, das sie so liebte.

Vor einigen Tagen war eine Frau mit Stoffmustern hereingekommen und hatte ihn gebeten, nach Büchern in genau diesen Farben zu suchen. Letzte Woche hatte ein Mann nach „Krieg und Frieden“ gefragt, und als Mitchell ihm erklärte, dass er momentan nichts von Tolstoi auf Lager habe, fragte der Mann, ob es das Buch denn noch von jemand anderem gäbe. Es war keine gute Zeit für Bücher.

„Fünf Dienstage im Winter“ in „Hotel Seattle“ / C.H. Beck

In „Fünf Dienstage im Winter“ ist Buchhändler Mitchell auf der Suche nach der Liebe. Nach den ersten Seiten kam er mir ein wenig verloren vor, wie William Thacker, gespielt von Hugh Grant, in „Notting Hill“. Das Geschäft mit gebrauchten Büchern lief nicht so recht, und mit der Liebe sollte es auch noch ein wenig dauern.

Einen Szenewechsel nach Deutschland, nach Harlesiel, vollführt Lily King in der Kurzgeschichte „Nordsee“. Hier müsste ich einmal im Original nachsehen, ob die Geschichte wirklich dort spielt. Wirkt sie doch von der Örtlichkeit ein wenig den anderen Geschichten entrückt, die ansonsten in Maine oder anderen Bundesstaaten der USA spielen. Auch in „Nordsee“ geht es erneut um ein nicht ganz problemloses Verhältnis zwischen der Tochter und der Mutter.

Lily King „Hotel Seattle“: Mein Fazit

Abwechslungsreich und ohne Blatt vor dem Mund schildert die Meisterin der Kurzgeschichte problematische Familienverhältnisse, die uns umgeben. Für alle Fans von intensiven Kurzgeschichten ein Muss. Alle, die lieber einen lang ausgearbeiteten Roman lesen, sollten hier trotzdem einmal einen Blick riskieren.

Lily King „Hotel Seattle“

Aus dem Englischen von Hanna Hesse

2022, C.H. Beck ISBN-13 978-3-406-79101-7

Preis: Hardcover 24 €, E-Book 17,99 €, 252 Seiten (abweichend vom Format) – Jetzt bestellen (werblicher Link)

Lily King

Lily King, geboren 1963, wuchs in Massachusetts auf und lebt heute mit ihrer Familie in Maine. Für ihre Romane erhielt sie zahlreiche Preise. Ihr Bestseller „Euphoria“ (werblicher Link) wurde mit dem Kirkus Prize ausgezeichnet und von „The New York Times“ unter die fünf besten literarischen Bücher des Jahres 2014 gewählt.

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