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Deutscher Buchpreis 2022: Sechs Romane auf der Shortlist

Erstellt:

Von: Sven Trautwein

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Am 17.10.2022 wird der Deutsche Buchpreis verliehen. Nach 20 Titeln auf der Longlist, können sich jetzt sechs Autoren Hoffnung auf die Auszeichnung machen.

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Spannend wird es. Nach 20 Titeln auf der Longlist zum Deutschen Buchpreis 2022, hat die Jury nun die Shortlist bekannt gegeben. Sechs Romane stehen auf dieser Liste, deren Autoren sich Hoffnung auf die große Auszeichnung machen dürfen. Die Verleihung findet am 17. Oktober 2022 zum Auftakt der Frankfurter Buchmesse im Kaisersaal des Frankfurter Römers statt. Wer von den sechs Autoren den Preis erhält, wird erst am Abend selbst bekannt gegeben. Nicht auf die Shortlist geschafft haben es u. a. Heinz Strunk „Ein Sommer in Niendorf“ und Marie Gamillscheg „Aufruhr der Meerestiere“.

Diese sechs Titel stehen auf der Shortlist

Fatma Aydemir: „Dschinns“

Cover zu Fatma Aydemirs Roman „Dschinns“
Cover zu Fatma Aydemirs Roman „Dschinns“ © Carl Hanser Verlag

Dreißig Jahre hat Hüseyin in Deutschland gearbeitet, nun erfüllt er sich endlich seinen Traum: eine Eigentumswohnung in Istanbul. Nur um am Tag des Einzugs an einem Herzinfarkt zu sterben. Zur Beerdigung reist ihm seine Familie aus Deutschland nach. Fatma Aydemirs großer Gesellschaftsroman erzählt von sechs grundverschiedenen Menschen, die zufällig miteinander verwandt sind. Alle haben sie ihr eigenes Gepäck dabei: Geheimnisse, Wünsche, Wunden. Was sie jedoch vereint: das Gefühl, dass sie in Hüseyins Wohnung jemand beobachtet. Voller Wucht und Schönheit fragt „Dschinns“ nach dem Gebilde Familie, den Blick tief hineingerichtet in die Geschichte der vergangenen Jahrzehnte und weit voraus.

Hanser Verlag

Fatma Aydemir: „Dschinns“

2022, Carl Hanser Verlag, ISBN-13 978-3-446-26914-9

Preis: Hardcover 24 €, E-Book 17,99 €, 366 Seiten (abweichend vom Format) – Jetzt bestellen (werblicher Link)

Kristine Bilkau: „Nebenan“

Cover zum Roman „Nebenan“ von Kristine Bilkau
Cover zu Kristine Bilkau: „Nebenan“ © Luchterhand

Ein kleiner Ort am Nord-Ostsee-Kanal, zwischen Natur, Kreisstadt und Industrie, kurz nach dem Jahreswechsel. Mitten aus dem Alltag heraus verschwindet eine Familie spurlos. Das verlassene Haus wird zum gedanklichen Zentrum der Nachbarn: Julia, Ende dreißig, die sich vergeblich ein Kind wünscht, die mit ihrem Freund erst vor Kurzem aus der Großstadt hergezogen ist und einen kleinen Keramikladen mit Online-Shop betreibt. Astrid, Anfang sechzig, die seit Jahrzehnten eine Praxis in der nahen Kreisstadt führt und sich um die alt gewordene Tante sorgt. Und dann ist da das mysteriöse Kind, das im Garten der verschwundenen Familie auftaucht.

Luchterhand Literaturverlag

Kristine Bilkau: „Nebenan“

2022, Luchterhand, ISBN-13 978-3-630-87519-4

Preis: Hardcover 22 €, E-Book 14,99 €, 288 Seiten (abweichend vom Format) – Jetzt bestellen (werblicher Link)

Daniela Dröscher: „Lügen über meine Mutter“

Cover zum Roman „Lügen über meine Mutter“ von Daniela Dröscher
Roman „Lügen über meine Mutter“ von Daniela Dröscher © Kiepenheuer & Witsch

„Lügen über meine Mutter“ ist zweierlei zugleich: die Erzählung einer Kindheit im Hunsrück der 1980er, die immer stärker beherrscht wird von der fixen Idee des Vaters, das Übergewicht seiner Frau wäre verantwortlich für alles, was ihm versagt bleibt: die Beförderung, der soziale Aufstieg, die Anerkennung in der Dorfgemeinschaft. Und es ist eine Befragung des Geschehens aus der heutigen Perspektive: Was ist damals wirklich passiert? Was wurde verheimlicht, worüber wurde gelogen? Und was sagt uns das alles über den größeren Zusammenhang: die Gesellschaft, die ständig auf uns einwirkt, ob wir wollen oder nicht?

Kiepenheuer & Witsch

Mit „Lügen über meine Mutter“ legt Daniela Dröscher einen eindringlichen Roman vor, der die Welt der 1980er wieder aufleben lässt. Wo im ländlichen Rheinland-Pfalz das gepflegte Einfamilienhaus mit Auto und mindestens ein Urlaub im Jahr dazugehörten. Und die Ehefrau dem männlichen Wunschbild zu gleichen hatte: schlank, um eine „gute Begleitung“ abzugeben. Hier geht es zur ausführlichen Besprechung.

Daniela Dröscher „Lügen über meine Mutter“

2022 Kiepenheuer & Witsch, ISBN-13 978-3-462-00199-0

Preis: Hardcover 24 €, E-Book 19,99 €, 448 Seiten (abweichen vom Format) – Jetzt bestellen (werblicher Link)

Jan Faktor: „Trottel“

Cover zum Roman „Trottel“ von Jan Faktor
Jan Faktors Roman „Trottel“ © Kiepenheuer & Witsch

Ihren Anfang nimmt die Geschichte des Trottels dabei in Prag, nach dem sowjetischen Einmarsch. Auf den Rat einer Tante hin studiert der Jungtrottel Informatik, hält aber nicht lange durch. Dafür macht er erste groteske Erfahrungen mit der Liebe, langweilt sich in einem Büro für Lügenstatistiken und fährt schließlich Armeebrötchen aus. Nach einer denkwürdigen Begegnung mit der »Teutonenhorde«, zu der auch seine spätere Frau gehört, »emigriert« er nach Ostberlin, taucht ein in die schräge, politische Undergroundszene vom Prenzlauer Berg, gründet eine Familie, stattet seine besetzte Wohnung gegen alle Regeln der Kunst mit einer Badewanne aus, wundert sich über die »ideologisch morphinisierte« DDR, die Wende und entdeckt schließlich seine Leidenschaft für Rammstein.

Kiepenheuer & Witsch

Jan Faktor: „Trottel“

2022, Kiepenheuer & Witsch, ISBN-13 978-3-462-00085-6

Preis: Hardcover 24 €, E-Book 19,99 € , 396 Seiten – Jetzt bestellen (werblicher Link)

Kim de l’Horizon: „Blutbuch“

Das Cover des Romans „Blutbuch“ von Kim de l’Horizon nominiert für den Deutschen Buchpreis 2022
Cover „Blutbuch“ Kim de l’Horizon © Dumonat Verlag

Die Erzählfigur in ‚Blutbuch‘ identifiziert sich weder als Mann noch als Frau. Aufgewachsen in einem schäbigen Schweizer Vorort, lebt sie mittlerweile in Zürich, ist den engen Strukturen der Herkunft entkommen und fühlt sich im nonbinären Körper und in der eigenen Sexualität wohl. Doch dann erkrankt die Großmutter an Demenz, und das Ich beginnt, sich mit der Vergangenheit auseinanderzusetzen: Warum sind da nur bruchstückhafte Erinnerungen an die eigene Kindheit? Wieso vermag sich die Großmutter kaum von ihrer früh verstorbenen Schwester abzugrenzen? Und was geschah mit der Großtante, die als junge Frau verschwand? Die Erzählfigur stemmt sich gegen die Schweigekultur der Mütter und forscht nach der nicht tradierten weiblichen Blutslinie.Dieser Roman ist ein stilistisch und formal einzigartiger Befreiungsakt von den Dingen, die wir ungefragt weitertragen: Geschlechter, Traumata, Klassenzugehörigkeiten. Kim de l‘Horizon macht sich auf die Suche nach anderen Arten von Wissen und Überlieferung, Erzählen und Ichwerdung, unterspült dabei die linearen Formen der Familienerzählung und nähert sich einer flüssigen und strömenden Art des Schreibens, die nicht festlegt, sondern öffnet.

DuMont

Der Roman „Blutbuch“ ist stimmgewaltig geschrieben und greift direkt jegliche Emotionen an. Hier zur Besprechung bei uns.

Kim de l’Horizon: „Blutbuch“

2022, DuMont, ISBN-13 978-3-832-18208-3

Preis: Hardcover 24 €, E-Book 19,99 €, 336 Seiten (abweichend vom Format) – Jetzt bestellen (werblicher Link)

Eckhart Nickel: „Spitzweg“ 

Cover zu Eckhart Nickel: „Spitzweg“ 
Cover zu Eckhart Nickel: „Spitzweg“  © Piper

Ein Kunstdiebstahl aus Liebe „Ich habe mir nie viel aus Kunst gemacht.“ Als zufriedener Kunstbanause offenbart sich der Erzähler zu Beginn und berichtet davon, wie Carl, bewunderter Freund, ihn mit seiner Spitzweg-Begeisterung vom Gegenteil überzeugt. In der Mitte des Geschehens: eine Dreiecksbeziehung, ein hochbegabtes Mädchen und der verräterische Diebstahl eines Gemäldes. Durch raffinierte Rachepläne wird die Schülerfreundschaft auf ihre schwerste Probe gestellt.

Piper

Eckhart Nickel: „Spitzweg“ 

2022, Piper, ISBN-13 978-3-492-07143-7

Preis: Hardcover 22 €, E-Book 16,99 € , 256 Seiten (abweichend vom Format) – Jetzt bestellen (werblicher Link)

Dotiert ist der Deutsche Buchpreis mit 25.000 Euro – so viel geht an den oder die Erstplatzierte/n. Die übrigen Autoren der Shortlist jeweils 2500 Euro. 2021 ging der Preis an Antje Rávik Strubel für ihren Roman „Blaue Frau“ (werblicher Link). 

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