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Buchtipp: „Der Geruch von Wut“ von Gabriele Clima – Klare Sprache gegen Extremismus

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Sven Trautwein

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Die Jugendromane von Gabriele Clima sind hochaktuell, brisant und lesenswert. Mit „Der Geruch von Wut“ erscheint ein weiteres packendes Buch. Mein Buchtipp.

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Mehr als 50 Jugendromane hat Gabriele Clima bisher veröffentlicht. Somit kann er sich gut in die Reihe der „Vielschreiber“ à la Stephen King und Ken Follett einreihen. Was tut ein Jugendlicher, der seinen Vater bei einem Verkehrsunfall verliert und nach und nach in die Rechtsradikalität abzurutschen droht? Diesen Fragen geht der Mailänder Gabriele Clima in seinem neuen Jugendbuch auf eindringliche Weise nach.

Gabriele Clima „Der Geruch von Wut“: Über das Buch

Cover zum Jugendbuch „Der Geruch von Wut“ von Gabriele Clima
Gabriele Clima „Der Geruch von Wut“ © Hanser

Alex ist wütend. Seit dem Autounfall, bei dem sein Vater ums Leben gekommen ist, ist nichts mehr wie früher. Schuld an allem ist der Fahrer des anderen Wagens, das steht für Alex fest. Er setzt es sich zum Ziel, den Mann zu finden und zu bestrafen. Unterstützung erhofft er sich von den „Black Boys“. Dass die rechtsradikale Ansichten vertreten, nimmt er in Kauf. Im Gegenzug muss er sich an den gewalttätigen Aktionen der Gruppe beteiligen. Zusehends verliert Alex die Kontrolle über die Situation und erkennt: Den wahren Rückhalt findet er zu Hause, wo seine Mutter und Tante immer für ihn da sind - ganz gleich, was passiert.

Hanser

Alex ist ein italienischer Teenager. Als er seinen Vater bei einem Autounfall verliert, steht für ihn fest: Er muss den Mann finden, den er hauptverantwortlich für den Tod des Vaters hält. Er macht sich auf die Suche nach dem dunkelhäutigen Mann, dessen Namen er kennt. Doch ganz so einfach gestaltet sich die Suche nicht. Viele, die er befragt, haben den Unfall etwas anders in Erinnerung und wissen nicht, wo sich der Mann aufhält.

Hilfe verspricht sich der 16-jährige Ich-Erzähler von einer Gruppierung, die sich „Black Boys“ nennt. Die Gruppe aus anderen Jugendlichen hat sich gegen Migranten positioniert und schreckt auch vor Gewalt nicht zurück. Alex gerät zwischen die Fronten. Zum einen möchte er den Unfallverursacher finden, zum anderen ist er aber reflektiert genug, um nicht die Ansichten der Gruppe 1:1 zu übernehmen. Doch ein Angriff auf Migranten während einer Demo gerät außer Kontrolle. Als Alex schützend eingreifen will, gerät er selbst ins Visier der Gruppe, von der er sich Hilfe erwartete.

„Der Geruch von Wut“: Rechtsradikalismus als Thema

Immer wieder holt ihn der Unfall in seinen Träumen ein. In Flashbacks erlebt er den Zusammenprall mit dem anderen Fahrzeug. Die Erinnerungen an den Moment, als das Auto seines Vaters mit ihm und seiner Mutter in einen Fluss stürzt, kommen immer wieder zu ihm zurück. Sein verstorbener Vater taucht in der Gedankenwelt des Jungen auf. Eindringlich zeigt Gabriele Clima, wie Jugendliche mit schweren Schicksalsschlägen umgehen. Dies hat der mailändische Autor auch schon in seinen früheren Werken immer wieder aufgegriffen und dafür viele renommierte Preise gewonnen.

Sprache kann ein Werkzeug sein. Es kann, wie hier im Roman, die Figuren plastisch wirken lassen, sodass ich mich in ihn und seine empathische Mutter gut hineinfühlen konnte. Zum anderen zeigt Sprache auch, wie sie Menschen beeinflussen kann, als Alex für den Anführer der rechtsradikalen „Black Boys“ eine Rede formuliert und diese am Ende zurückziehen möchte. Doch der Fortgang der spannenden Handlung rückt den Teenager in das Fadenkreuz der Gruppierung, die auch vor körperlicher Gewalt nicht haltmacht.

Jugendbuch „Der Geruch von Wut“: Mein Fazit

Es ist ein packender Einblick in die Gedankenwelt eines Teenagers, zwischen Wut, Trauer und Rache. Mir hat die reflektierende Art der Hauptfigur sehr gut gefallen. Die Schilderungen von Gabriele Clima wägen ab und regen zum Nachdenken und Weiterdiskutieren an. Dem Autor gelingt damit, ein klares Statement gegen jede Form von Extremismus zu setzen. Somit eine klare Leseempfehlung. Nicht nur Teenager. Mehr zum Thema Hass im Internet auch im Buchtipp „Dieser Beitrag wurde entfernt“.

Gabriele Clima „Der Geruch von Wut“

Aus dem Italienischen von Barbara Neeb und Katharina Schmidt

Ab 14 Jahren

2022, Hanser ISBN-13 978-3-446-27422-8

Preis: Paperback 17 €, E-Book 12,99 €, 192 Seiten (Abweichend vom Format) – Jetzt bestellen (werblicher Link)

Gabriele Clima

Gabriele Clima, 1967 in Mailand geboren, hat über 50 Bücher für Kinder und Jugendliche geschrieben. Sein Jugendbuch „Der Sonne nach“ (werblicher Link), wurde 2017 mit dem Andersen Prize für das beste Jugendbuch ausgezeichnet und kam in die Auswahlliste des IBBY – als bestes Buch über einen behinderten Jungen.

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