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Wenn das Handy zur Parkuhr wird

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Im Jahr 1954 wurden in Deutschland die Parkuhren eingeführt. Eine Stunde parken kostete einen Groschen, für zwei Stunden müssen 20 Pfennig eingeworfen werden. Doch seit der Parkuhren-Wald auf den Bürgersteigen abgeholzt und durch solarbetriebene Parschein-Automaten ersetzt wurde, sind die Städte aus Sicht vieler Autofahrer längst bei Mondpreisen gelandet.
Im Jahr 1954 wurden in Deutschland die Parkuhren eingeführt. Eine Stunde parken kostete einen Groschen, für zwei Stunden müssen 20 Pfennig eingeworfen werden. Doch seit der Parkuhren-Wald auf den Bürgersteigen abgeholzt und durch solarbetriebene Parschein-Automaten ersetzt wurde, sind die Städte aus Sicht vieler Autofahrer längst bei Mondpreisen gelandet. © dpa

Fast jede größere hessische Stadt hat Probleme mit dem ruhenden Verkehr. Statt ihn aus den Innenstädten zu verbannen wirbt der ADAC Hessen-Thüringen für intelligente, servicefreundliche Lösungen. Das Beispiel Wiesbaden.

Frankfurt/Wiesbaden - Noch ist der Vorgang selten: Wer in den engen Gassen der Wiesbadener Innenstadt nach einer Parkuhr sucht, tut dies meist vergeblich. Statt dessen kann beobachtet werden, wie die Fahrer einparkender Fahrzeuge vor dem Aussteigen zum eigenen Handy greifen. Vor dem Wegfahren wiederholt sich dieser Vorgang. Der Hintergrund: Auf der Basis einer noch bis Ende diesen Jahres gültigen Ausnahmeverordnung der Straßenverkehrsordnung, hat die Stadt die Möglichkeit eröffnet, die Parkgebühren über das Handy zu bezahlen. Nach einer einmaligen Registrierung für das System, wählt der Parker eine auf den Parkschildern ersichtliche Nummer. Das System erkennt den registrierten Nutzer und da nicht abgenommen wird, fallen auch keine Handygebühren an. Beim Wegfahren meldet sich der Fahrer mit dem Handy wieder ab.

In Österreich ist das System bereits ein "alter Hut", meint der Sprecher des ADAC Hessen-Thüringen, Cornelius Blanke. Das sei wenig verwunderlich, denn es biete nur Vorteile. Es werde kein Kleingeld, kein spezielles Gerät oder Karte notwendig, und der manchmal feuchte, kalte oder nachts auch gefährlicheWeg zum Parkscheinautomaten erübrige sich. Auch der Stress, die Parkzeit vielleicht zu überziehen, entfalle. Blanke: "Die tatsächliche Parkdauer wird minutengenau erfasst und am Monatsende abgerechnet."

Nach Angaben des ADAC Hessen-Thüringen habe sich das System in Wiesbaden seit seinem Start im Oktober 2005 bewährt. Bis heute wurden rund 4500 registrierte Nutzer gezählt. Konsequent hat die Stadt das System auch von der Innenstadt auf das gesamte Stadtgebiet ausgedehnt. Auch der Stadt erwachsen, so Blanke, nicht unerhebliche Vorteile. Gegenüber Parkuhren reduziere sich der Wartungsaufwand deutlich. Auch die Überwachung sei für das Ordnungsamt mittels eines multifunktionalen Handcomputers relativ einfach. Die von Blanke weiter aufgeführten Vorteile einer Integration in etwa das Ordnungswidrigkeitssystem oder die Gewinnung detaillierter Infos über die Parkflächennutzung haben aber bereits auch Kritiker mobilisiert. Sie argwöhnen, dass hier eine neue Möglichkeit des gläsernen Menschen eröffnet werde, wenn der Datenschutz nicht genau beachtet wird. Zudem könne auf Parkscheinautomaten auch künftig nicht völlig verzichtet werden, um Ortsfremde oder "Handymuffel" nicht vom Parken auszuschließen.

Zahlen über Handyrechnung

Für den ADAC überwiegen aber trotz der Kritik eindeutig die Vorteile und er drängt auf Fortentwicklung. Blanke: "Handyparken sollte überall möglich sein und nicht auf eine Stadt begrenzt bleiben." Und auch die Abrechnung sollte künftig einfach mit der Handyrechnung gekoppelt werden. Tatsächlich läuft der Versuch aber in weniger als einem Dutzend deutscher Städte. Neben Wiesbaden sind vor allem die Ansätze in Berlin und Saarbrücken von Gewicht.

Doch schon wird in Wiesbadens Nachbarstadt Mainz von der dortigen FDP-Fraktion gefordert, das Wiesbadener Modell zu übernehmen. Und auch in Darmstadt wurde einer Spezialfirma gestattet, einen Modellversuch für neue Dienstleistungen über das Handy zu starten. Neben dem Parken wird in Darmstadt dabei auch über den Einsatz des Bezahlsystems bei der Nutzung der öffentlichen Verkehrsmittel nachgedacht.

Die für den ADAC wichtigsten Schritte sind zunächst eine Ausdehnung auf den gesamten Parkraum der Stadt und auf die Parkhäuser. Da allerdings rührt sich Widerstand. Nicht nur, weil eine fehlerfreie Technik über Barcode-Leser noch nicht zur Verfügung steht. Von der minutengenaue Abrechnung erwarten die Betreiber auch Einnahmeverluste.

Noch unklar ist, was nach dem Ablauf der Ausnahmeregelung geschieht. Ein Bund-Länder-Fachausschuss ist derzeit damit beschäftigt, das "Handy-Parken" in die Straßenverkehrsordnung einzubringen. Das Ergebnis ist offen. Frank W. Methlow

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