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Warum sind Autos noch immer Männersache?

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Obwohl immer mehr Frauen gut verdienen und alleine leben, stagniert der Anteil von Frauen bei den Neukunden.
Obwohl immer mehr Frauen gut verdienen und alleine leben, stagniert der Anteil von Frauen bei den Neukunden. © Ampnet

In den meisten Werbespots sitzt der Mann am Steuer, daneben eine attraktive Beifahrerin. Selten hält mal eine Frau das Lenkrad. Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer sieht darin einen Fehler und fragt: Warum sind Autos noch immer Männersache?

Von René Kohlenberg

In den ersten sieben Monaten wurden in Deutschland nur 37,3 Prozent aller Pkw-Neuwagen auf private Autokäufer zugelassen. Das ist ein historischer Tiefstwert. Im Jahre 1991 waren es noch 66 Prozent. Seither geht es mit den Neuwagen-Zulassungen der Privatkunden bergab. Ausnahme war das Abwrackprämienjahr 2009.

Während zu Beginn der 90-iger Jahre durchschnittlich 3,5 Millionen Pkw pro Jahr in Deutschland verkauft wurden ist die Zahl mittlerweile auf 3 Millionen abgesackt ist.

Die Hersteller brauchen die Frauen

Ein wichtiger Grund warum die Autobauer den Trend nicht stoppen können ist, dass sie bei der wichtigsten Gruppe in unserer Bevölkerung „den Frauen“ nicht vom Fleck kommen. Nach der letzten Bevölkerungszählung vom April 2011 leben 41,1 Millionen Frauen in Deutschland. Das sind 51,2 Prozent der Gesamtbevölkerung oder knapp zwei Millionen Frauen mehr als Männer. Kurioserweise ist das Bild bei Käufern von Neuwagen umgekehrt.

Nur 33,4 Prozent aller Neuwagen-Käufer – das entspricht 225.341 Pkw-Zulassungen in den ersten sieben Monaten des Jahres – sind Frauen. Auf die Bevölkerungsminderheit Männer gingen im gleichen Zeitraum 66,6% oder 449.599 aller privaten Neuwagenzulassungen.

Frauenanteil liegt bei nur 33 Prozent

Obgleich die Stellung der Frauen sich in unserer Gesellschaft in den letzten 15 Jahren deutlich verändert hat, mehr Frauen berufstätig sind und auch in Single-Haushalten leben, stagniert der Frauenanteil bei 33 Prozent. Die wichtigste Bevölkerungsgruppe ist damit unter den Neuwagenkäufer deutlich unterrepräsentiert. Die Autowelt bleibt auch im Jahre 2014 eine Männerwelt, in der PS und männliches Design der Autos angesagt sind.

Die überwiegend männlichen Verkäufer sind auf technische Produktfakten trainiert und die Autohändler liegen noch immer in Industriegebieten, „die nun wirklich nicht als Shopping-Center für Frauen herhalten können. Der gesamte Marketing-Mix liegt schief, wenn es um die größte Zielgruppe geht“, so Prof. Dr. Ferdinand Dudenhöffer, Direktor des CAR-Center Automotive Research an der Universität Duisburg-Essen.

Immherin, mittlerweile haben einige Auto-Hersteller erkannt,dass sie andere Absatzwege finden müssen und bringen ihre Produkte näher an den Kunden.

Eine Umfrage des Marktforschungsinstituts Innofact belegt zudem, dass über die Hälfte (58 Prozent) der Deutschen Angst hat, vom Verkäufer über den Tisch gezogen zu werden. Doch während sich die Mehrheit der Männer (61 Prozent) bei der Fahrzeugwahl von niemandem reinreden lässt, trifft das nur auf rund ein Drittel der Autokäuferinnen (35 Prozent) zu.

Junge Frauen kaufen keine Autos

Ein zweites Problem macht sich unter den weiblichen Neuwagenkäufern breit. „Junge Frauen werden immer seltener unter den Neuwagenkäufern wahrgenommen. Mit anderen Worten, die Autobauer schaffen es immer weniger, die jungen Käuferinnen anzusprechen. Die Neuwagenkäufer-Kundengruppe 'vergreist'“, so Dudenhöffer.

So waren in den ersten sieben Monaten des Jahres nur noch 32,8 Prozent der Neuwagen-Käuferinnen unter 45-Jahren. Mehr als zwei Drittel der Neuwagenkäuferinnen sind 45 Jahre und älter. Die Schere zwischen alten und jungen Neuwagenkäuferinnen geht weiter auseinander. Die Jungen werden seltener.

Mini macht etwas richtig

Mit einem Anteil von 52 Prozent weiblichen Käufern ist Mini die Marke, die am stärksten Frauen anspricht. Frauen scheinen kompaktere Autos zu mögen, die aber durchaus chic, dynamisch und Premiumpreise haben dürfen, wie das Paradebeispiel Mini zeigt. Wenig ansprechend für Frauen sind konservative, maskuline Marken wie Jaguar, Mercedes, Porsche oder Jeep. Überraschend auch der niedrige Frauenanteil bei Smart.

Während der Mini als Lifestyle Auto Frauen anspricht, tut sich der Smart mit seinem Lifestyle-Konzept mit einem sehr schwachen Frauenanteil deutlich schwerer. Dabei hat ausgerechnet Smart eine Chefin, was in der männergeprägten Autowelt – mit Ausnahme von GM – sonst nicht auftritt.

Möglicherweise sind ein Grund die eher konservativen Smart Vertriebsstätten, die oft in konservative Mercedes Autohäuser integriert sind. „Lifestyle, Kompaktheit und Modernität muss entsprechend differenziert sein, um bei Frauen 'anzukommen'“, fasst Dudenhöffer zusammen.

Mercedes und Jaguar sind Männersache

„Überraschend ist auch, daß Opel trotz der Modelle Adam, Corsa und einer Marketing-Vorstandsfrau im Vergleich zu Ford oder VW, einer Marke die Produkttechnik stärker in den Vordergrund stellt, leicht schlechter im Frauenanteil rankt. Auch gegenüber dem Vorjahr ist bei Opel der Frauenanteil zurückgegangen", erklärt der Autoexperte.

Die Kampagnen „Umparken im Kopf“ und Fußballtrainer Jürgen Klopp sprechen scheinbar Männer deutlich stärker an. In der Summe tun sich Premiumhersteller mit Frauen deutlich schwer. Audi, Smart, BMW, Land Rover, Volvo, Porsche, Mercedes, Jaguar haben alle Frauenanteile, die unter dem Gesamtdurchschnitt liegen. Ausnahme bleibt der Mini.

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