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„Appetit auf E-Autos ist gigantisch“: Ex-Chef von Volvo zum Verbrenner-Aus

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Von: Julian Baumann

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Hakan Samuelsson, Präsident und Vorstandsvorsitzender der Volvo Car Corporation, sitzt bei der North American International Auto Show (NAIAS) im Cobo Center Detroit (Michigan) in einem Volvo S90.
Der scheidende Volvo-Chef Hakan Samuelsson hält das Verbrenner-Aus des Unternehmens für die „richtige Entscheidung“. © Uli Deck/dpa

Der schwedische Autobauer Volvo hat noch vor Mercedes-Benz ein Verbrenner-Aus beschlossen. Der Ex-Chef bezeichnet den Schritt rückblickend als zu zögerlich.

Stuttgart/Göteborg - Ein endgültiges Verbrenner-Aus wird in der deutschen Autoindustrie schon seit langem diskutiert. Mercedes-Benz hat ein Ende der Produktion bereits festgelegt. Ab 2030 will Mercedes nur noch batteriebetriebene Modelle bauen (BW24* berichtete). Der schwedische Autobauer Volvo mit Sitz in Göteborg hat dasselbe Jahr für den Umstieg festgelegt, die Entscheidung traf das Unternehmen aber sogar noch vor dem Traditionskonzern aus Stuttgart. Der scheidende Volvo-Chef Hakan Samuelsson erwartet von dem Aus der benzin- und dieselbetriebenen Fahrzeuge einen weiteren Schub für die E-Mobilität.

Volvo priorisierte Verbrenner-Aus früh - Ex-Chef: „Haben die richtigen Entscheidungen getroffen“

Auch in Deutschland sind die E-Autos inzwischen deutlich auf dem Vormarsch. Das liegt zum einen an den staatlichen Förderungen beim Kauf eines E-Autos*, zum anderen wird auch der Druck aus der Politik immer größer. Die Grünen forderten sogar ein noch früheres Verbrenner-Aus als die EU. Vor Gericht erfuhren die Grünen aber eine Schlappe, Mercedes, BMW und VW dürfen noch bis 2035 Verbrenner verkaufen*. Obwohl Volvo bereits sehr früh die Entscheidung getroffen hatte, empfindet Hakan Samuelsson den Schritt rückblickend sogar noch zu zögerlich, wie er dem Handelsblatt sagte.

Obwohl Mercedes-Benz vor den beiden anderen großen deutschen Autokonzernen BMW und VW ein Verbrenner-Aus beschlossen hat, waren die Schwaben bei der Transformation zur E-Mobilität zunächst eher zögerlich. Die eigentliche E-Auto-Ära von Mercedes leitete der Konzern mit der Premiere des Flaggschiffs EQS ein*. Volvo hat konsequenter als andere europäische Hersteller die Investitionen in den Verbrenner-Motor zurückgeschraubt. „Wir haben die richtigen Entscheidungen getroffen“, sagte Ex-Volvo-Chef Hakan Samuelsson dem Handelsblatt. „Rückblickend muss ich sagen, wir hätten noch früher, noch aggressiver vorgehen müssen.“

Zu Beginn der E-Auto-Produktion gab es einige Zweifel, ob die batteriebetriebenen Modelle wirklich einem Auto mit Verbrenner-Motor ebenbürtig sein könnten. Vor allem die anfangs sehr limitierte elektrische Reichweite der E-Autos wurde bemängelt. Die Autobauer selbst haben eine so hohe Nachfrage nach den Stromern nicht erwartet. Der Taycan-Boom überraschte sogar den Porsche-Boss*. Ähnliche Erfahrungen schildert auch Ex-Volvo-Chef Samuelsson. „Die Nachfrage ist schneller gestiegen, als wir erwartet hatten“, erklärte er. „Der Appetit auf E-Autos ist inzwischen gigantisch.“

Ex-Volvo-Chef sieht E-Autos auf dem Vormarsch: „Verbrenner sind eine Technologie von gestern“

Der große Vorteil batteriebetriebener Autos ist der deutlich verringerte CO2-Ausstoß. Während die Autohersteller durch den Umstieg die Klimaziele der EU umsetzen wollen, greifen zahlreiche Verbraucher aufgrund des Umweltgedankens zum E-Auto. „Viele Menschen wollen auch unterstreichen, dass sie fortschrittlich und umweltbewusst sind, sie bringen das mit dem Kauf eines E-Autos zum Ausdruck“, sagte Hakan Samuelsson dem Handelsblatt. Laut ihm erwäge jeder, der aktuell ein neues Auto kaufen möchte, den Kauf eines E-Autos. „Verbrenner sind eine Technologie von gestern“, so der Ex-Volvo-Chef.

Während Volvo und Mercedes-Benz das Verbrenner-Ende ab 2030 bereits besiegelt haben, sind BWM und der VW-Konzern noch zögerlicher. VW-Tochter Porsche forscht dagegen an einer Möglichkeit, auch beliebte Verbrenner-Modelle wie den ikonischen Porsche 911 umweltfreundlich anzutreiben. Porsche will mit E-Fuels den Verbrenner retten*. Hakan Samuelsson hat seinen Posten als Volvo-Chef seinem Nachfolger Jim Rowan übergeben. Er wird aber weiterhin Aufsichtsratsvorsitzender bei der Volvo-Tochter Polestar bleiben. *BW24 ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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