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Schlusslicht bilden aktuell die Fahrzeuge von Ford Europa. Sie fahren im Schnitt 967 Euro Verlust pro Fahrzeug ein.

Gewinneinbruch in Europa

Was verdient der Hersteller an einem Auto?

In den USA oder Asien wächst der Automarkt, Europa schrumpft er. Die Gewinne deutscher Autobauer sind daher im ersten Quartal 2013 eingebrochen. Hart trifft es die Hersteller, die pro Fahrzeug geringe Gewinne oder gar Verluste einfahren. Wir zeigen, wie viel Gewinn Autohersteller pro Auto machen.

Ein verpatzter Jahresstart hat den Autobauer Daimler zur zweiten Gewinnwarnung binnen weniger Monate gezwungen. Wie der Dax-Konzern mitteilt, rechnet er für 2013 nicht mehr damit, das operative Ergebnis von 8,1 Milliarden Euro aus dem Vorjahr erreichen zu können.

Im ersten Quartal schrumpfte das Ergebnis vor Zinsen und Steuern im Vergleich zum Vorjahr um mehr als die Hälfte auf 917 Millionen Euro. In der wichtigen Autosparte brach das operative Ergebnis sogar um rund zwei Drittel ein. Der Konzernumsatz sank um 3 Prozent auf 26,1 Milliarden Euro. Unter dem Strich standen nur noch 564 Millionen Euro Gewinn – nach 1,4 Milliarden Euro im Vorjahr.

Alle Hoffnungen liegen auf E- und S-Klasse

Große Hoffnung setzt Daimler auf sein Flaggschiff S-Klasse, dessen neue Generation im Mai Premiere feiert.Eine überarbeitete Version der E-Klasse rollt bereits von den Bändern. Im Zuge des Modellwechsels ist der Absatz bei den beiden Limousinen zum Jahresstart aber zunächst rückläufig gewesen.

Im Vergleich der deutschen Premium-Autobauer fährt Daimler aktuell hinterher. Laut einer aktuellen Studie des CAR-Center der Universität Duisburg-Essen bleiben inklusive Smart-Verkauf bei den Stuttgartern nur 3023 Euro Gewinn pro Fahrzeug hängen. Bei Porsche sind es satte 17.056 Euro. Aber auch Audi und BMW liegen noch vor dem Konkurrenten aus Stuttgart.

Doch es gibt Hersteller, bei denen ist die Lage noch viel bedrohlicher: Ford fährt in Europa aktuell 967 Euro Verlust pro Fahrzeug ein und die Opel-Mutter General Motors liegt mit 834 Euro Verlust kurz dahinter. Professor Ferdinand Dudenhöffer, Leiter des CAR-Instituts, sieht das Problem in den Absatzmärkten. Hersteller, die ihre Autos weltweit vertrieben, könnten in der Regel auch mehr pro Auto verdienen. Im Gegensatz dazu stünden Unternehmen, deren Hauptabsatzmarkt sich auf Europa mit seiner rückläufigen Nachfrage beschränke.

Ford ist stark in Amerika und sehr schwach in Europa

Bestes Beispiel ist Ford: Im ersten Quartal musste der US-Konzern auf dem europäischen Markt einen Vorsteuerverlust von 462 Millionen Dollar (355 Mio Euro) verkraften. Das war dreimal so viel wie im Vorjahreszeitraum. Dagegen florieren die Verkäufe in der Heimat USA. Der Konzern rechnet im Gesamtjahr in Europa weiterhin mit einem Vorsteuerverlust von um die 2 Milliarden Dollar. Im vergangenen Jahr hatte Ford 1,8 Milliarden Dollar verloren.

Selbst Branchenprimus Volkswagen überrascht mit einer negativen Quartalsbilanz. Gewinn und Umsatz sackten im Auftaktquartal 2013 zum Teil deutlich unter die Vergleichswerte von 2012. Dennoch hält VW an seinen bisherigen Jahresprognosen fest und will 2013 mehr Fahrzeuge ausliefern als im Jahr zuvor. Doch der Dax-Riese warnte mit Blick auf Europa: „Dem intensiven Wettbewerb und den daraus resultierenden Belastungen können wir uns jedoch nicht vollständig entziehen.“ VW-Vorstandschef Martin Winterkorn machte aber Hoffnungen „dass wir im weiteren Jahresverlauf an Fahrt aufnehmen können“.

Der VW-Konzern profitiert derzeit von der starken Position auf seinem wichtigsten Absatzmarkt China - dort gab es im Auftaktquartal gut 21 Prozent Verkaufsplus. Damit gleichen die Wolfsburger die Belastungen in Europa aus.

Unsere Bildergalerie zeigt, wie viel Gewinn Autohersteller pro Auto einfahren.

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