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Vater Staat blecht kräftig für die Spritfresser

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© Globus

Viele Neuwagen sind als Dienst- oder Firmenauto bei der Steuer privilegiert - obwohl sie oft große Mengen Kohlendioxid ausstoßen.

Berlin - Die Zahlen sprechen eine klare Sprache. Jeder zweite Neuwagen, der im Vorjahr für Deutschlands Straßen zugelassen wurde, war ein Dienst- oder Firmenwagen. In absoluten Zahlen: gut 1,7 Millionen der neu zugelassenen Autos finanziert der Staat über steuerliche Abschreibungsmöglichkeiten mit. Und nahezu alle diese gewerblich oder dienstlich genutzten Fahrzeuge gehören in die Kategorie der PS-starken Spritfresser. Nur eine Hand voll der Dienst- und Firmenwagen in Deutschland liegt unter dem Grenzwert von 140 Gramm C02 pro Kilometer, zu dem sich die europäische Autoindustrie mit Blick auf 2008 einst verpflichtet hat. Während die EU-Umweltminister gerade über die Obergrenze von 130 g beraten, pustet das Gros der kompakten Dienstwagen 160 bis 220 Gramm CO2 aus. Und der Staat fördert das. 49 Prozent des Anschaffungspreises für Dienst-Pkw, hat die Deutsche Umwelthilfe errechnet, kann das Unternehmen binnen fünf Jahren von der Steuer absetzen. Zu einem Audi A 8 mit einem Spritverbrauch von 21 Litern steuert der Staat so bis zu 55 000 Euro bei. Darüber hinaus kann das Unternehmen alle Betriebskosten absetzen- inklusive der hohen Spritkosten und der Kfz-Steuer. Eine Umstellung der Kfz-Steuer nach Schadstoffausstoß würden die Firmen also kaum merken. Mögliche Mehrkosten dadurch bekämen sie derzeit ohnehin zu einem Gutteil von Vater Staat erstattet.

Umweltschützer, Grüne aber auch SPD-Umweltpolitiker fordern daher jetzt eine Änderung dieser Subventionspraxis für Spritfresser - so wie es Großbritannien vorgemacht hat. Dort sind Dienstwagen mit einem CO2-Ausstoß über 160 Gramm nicht mehr von der Steuer absetzbar.

Keine Subvention für Klimasünder?

Eine solche Regelung würde die Hersteller deutscher Nobelkarossen hart treffen. Von der 5er und 7er Reihe des BMW etwa, die ein Drittel des Gesamtabsatzes des bayerischen Autobauers ausmacht, werden 70 bis 80 Prozent als Dienst- oder Firmenwagen verkauft. Die Debatte über eine Abschaffung des Steuerprivilegs, so ein BMW-Sprecher, "sorgt natürlich für Verunsicherung bei Firmen-Kunden und könnte zu Kaufzurückhaltung führen. Schon allein die Diskussion darüber ist wenig hilfreich."

Doch auch so mancher Mitarbeiter mit Kompaktwagen könnte ein langes Gesicht ziehen. Denn die deutsche Dienstwagenkultur hat dazu geführt,dass der noble Firmenwagen zur verkappten Gehaltserhöhung wurde. Mitarbeiter bekommen den Wagen von der Firma, können ihn auch privat nutzten. Sie müssen ihn bei der Steuererklärung nur als geldwerten Vorteil verbuchen.

Ein Autobauer wie Audi wirbt ganz offen für den Deal, Teile des Gehalts oder die nächste Gehaltserhöhung in ein Dienstauto umzuwandeln - das senkt die Sozialabgaben für Arbeitgeber und Arbeitnehmer und drückt den Steuersatz. "Der Dienstwagen ist eine attraktive und zeitgemäße Alternative zur klassischen Gehaltserhöhung, bei der das Netto meist nicht hält, was das Brutto verspricht." Audi gibt Tipps, wie man darüber mit dem Chef verhandelt "Freuen Sie sich über ein sinkendes Bruttogehalt." Die Freude könnte künftig eine klimafreundliche Grenze haben. Vera Gaserow

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