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Legendäres Geländegerät

Unimog: Ist das auch was für Privatleute?

Der „Mog“ gehört zum Fuhrpark unzähliger Kommunen und beinahe jeder Autobahnmeisterei. Aber taugt er auch als Liebhaberstück wie ein beliebiger Oldtimer?

Wer bei der Bundeswehr gedient hat, kennt ihn vielleicht bereits als Passagier. Und spätestens, wenn im Raum Frankfurt mal wieder weiße Flocken fallen, ist seine kantige Bauweise, noch verstärkt durch das knallige Kommunal-Orange, selbst im dicksten Berufsverkehr unübersehbar. Universal Motorgerät, besser bekannt als Unimog. Das steht seit 1949 für eine buchstäbliche automobile Erfolgsgeschichte. Für ein Fahrzeug, das von Arktis bis Antarktis auf jedem Kontinent und unter den widrigsten Bedingungen noch durchs Gelände kommt. Aber taugt so ein Fahrzeug überhaupt auch für Privatbesitzer ohne Expeditionsabsichten? Womöglich noch in der City?

1. Mogs sind Kult

Gleich mit dem ersten Kapitel möchten wir die Frage der Überschrift beantworten. Und zwar mit einem vorbehaltlosen Ja! Ein Unimog rangiert in der gleichen Liga, in der man jeden einzelnen PKW-Oldtimer findet. Jeden Sportwagen, den man nur bei Schönwetter ausfährt und natürlich auch jeden alten Traktor, der nach einem harten Ackerleben ein gehegtes Garagendasein genießen kann und stolz für Treffen hervorgeholt wird. Und gerade letzteres passt als Vergleich am besten. Denn der Unimog ist seit seinen ersten Tagen und über alle Baureihen hinweg immer ein Wanderer zwischen den Welten von LKW und Traktor.

Unimogs sind Kultfahrzeuge. Neben ihrem reinen Nutzwert, der enorm hoch ist, sind sie unverwüstlich, haben eine überschaubare Technik, welche den Selberschrauber bevorteilt. Auch die alten Varianten (um die wir uns sowieso hauptsächlich drehen) sind noch absolut für Ausfahrten geeignet – und noch so manches mehr. Deshalb gilt: Als Liebhaberstückchen sind Unimogs eine gute Wahl, sofern man keine Angst vor „großen Tieren“ hat und (auch finanziell) gewillt ist, dem Mog die gleiche Pflege zuteilwerden zu lassen, die man etwa einer alten BMW Isetta geben würde.

2. Mogs sind schwer

Der Unimog kann mittlerweile eine lange Geschichte mit sehr vielen Baureihen aufweisen. Doch hierin steckt auch eines der wenigen echten Probleme für den Liebhaber: Wer nach 1999 seinen Führerschein gemacht hat, darf die wenigsten Mogs „einfach so“ fahren. Das liegt daran, dass unser normaler Führerschein der Klasse B nur gestattet, Fahrzeuge mit bis zu 3500kg zulässigem Gesamtgewicht zu fahren. Die überschreiten die meisten Mogs jedoch spielend. Dann hat man zwei Optionen:

  1. Man lässt den Unimog auf der Zulassungsstelle ablasten. Dabei wird seine zulässige Gesamtmasse heruntergeschrieben, sodass sie unter 3500kg liegt. Das geht allerdings nur, solange dieses Gewicht mindestens 125% über dem Leergewicht liegt. Gerade bei größeren Unimogs unmöglich.
  2. Man macht einen Führerschein der Klasse C1. Der ermächtigt zum Führen von LKW bis 7500kg Gesamtgewicht, das deckt jeden Unimog ab, kostet bei uns in der Region allerdings bis zu 500 Euro.

Dabei gilt zwar, dass die zweite Lösung die vollständigere ist. Aber wer sowieso auf die kleinen Ur-Mogs oder die leichten Baureihen wie etwa den 421 setzen will, wird auch mit dem Ablasten zufrieden sein.

3. Mogs brauchen H

Dabei sei allerdings unterstrichen, dass man sich ausschließlich auf Unimogs fokussieren sollte, die bis 1989 gebaut wurden. Denn alles, was davor kam, kann heute ein H-Kennzeichen beantragen und bekommen. Da für die allermeisten Privatleute der Mog sowieso ein Liebhaberstück sein wird, wird es für sie ein leichtes sein, die dazu geforderten TÜV-Hürden bezüglich des Zustandes zu überwinden.

Vor allem aber bekommt man eine Fixsteuer von knapp 200 Euro im Jahr. Das ist bei den schadstoff- und hubraumstarken Motoren absolut notwendig, erst recht bei den Dieseln. Als Bonus für alle Frankfurter gibt es noch die Tatsache, dass man mit H-Kennzeichen in jede Umweltzone einfahren darf.

4. Mogs sind gut versorgt

Jeden Besitzer von alten automobilen Schätzen treibt natürlich immer eine Frage um: Wie sieht es mit den Teilen aus? Sowohl was reinen Verschleiß anbelangt wie echte Reparaturen?

Doch da gibt es eine gute Nachricht: Die Lage ist sehr gut. Das hat viele Gründe:

  • Es wurden vergleichsweise viele Unimogs der unterschiedlichsten Baureihen hergestellt.
  • Unimogs sind sehr robust, im Vergleich zu den Gesamtstückzahlen befinden sich vergleichsweise hohe Prozentsätze im Bestand
  • Auch alte Unimogs sind noch im Einsatz. Häufig bspw. bei ländlichen Feuerwehren
  • Der Mog hat eine aktive Liebhaberszene

Das alles sorgt dafür, dass es sich nicht nur für Mercedes selbst als Unimog-Mutter lohnt, die Ersatzteilversorgung aufrechtzuerhalten. Auch Anbieter für Autoteile haben nun LKW-Teile im Sortiment und sich unter anderem auch auf den Mog konzentriert – mit Teilen bis zurück zum Modell 404S, welches ab 1955 produziert wurde.

Daher gilt: Was an einem beliebigen Unimog kaputtgehen kann, ob aus Verschleiß oder durch Schaden, dafür gibt es in jedem Fall Ersatzteile – und weil gerade die alten Mogs so simpel aufgebaut sind, auch mit Teilen aus anderen Mercedes-Baureihen (vor allem beim Motor), gibt es auch keinen Grund, warum diese Versorgung schnell versiegen könnte.

5. Mogs sind unbequem

Man könnte einen beliebigen Unimog nehmen, in Berkersheim starten und in einer schnurgeraden Linie bis nach Gießen fahren. Was das Gelände anbelangt, wäre davon für den Mog nichts ein wirkliches Problem – mit Tiefwatschnorchel nicht einmal Gewässer.

Allerdings muss erwähnt sein, dass der Unimog, auch wenn er wie ein Geländewagen wirkt, weit von allem entfernt ist, was man an Komfort aus heutigen SUVs, ja selbst einer frühen Mercedes G-Klasse kennt. Unimogs sind „grobe“ Fahrzeuge. Selbst die größeren alten Baureihen wie der 406 sind in der Fahrerkabine enger als man es bei der Größe vermuten würde. Und man muss einfach bedenken, dass alles darauf ausgerichtet ist, Lasten durch jegliches Gelände zu transportieren. Für Komfort war da kein Platz – auch wenn die etwas neueren eckigen Baureihen wie der 435 innen etwas voluminöser sind.

Auch die Bedienung ist „robust“. Man muss alle Bedienelemente noch bewusst einlegen, statt sie mit leichtem Fingertipp zu bewegen. Wer schaltet, braucht dazu Kraft und ein sicheres Kupplungs-Timing, sonst knirscht es.

Sicherlich muss man als Neubesitzer, selbst wenn man gerade einen LKW-Führerschein gemacht hat, erst lernen, einen solchen Klotz zu bewegen. Dann aber beginnt für die meisten eines: Liebe, die nicht selten ein ganzes Leben hält. Denn so grob der Mog auch ist, seine Attribute haben einen unheimlichen Charme – und für so manche sogar das Äußere.

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