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Sind Elektrofahrzeuge wirklich besser für die Ökobilanz? Und warum gibt es so wenige E-Autos auf den Straßen?

Strom gegen Sprit

Wie umweltfreundlich sind Elektroautos wirklich?

Immer mehr Autohersteller bringen Elektrofahrzeuge auf den Markt. Doch kaum jemand kauft sie. Haben E-Autos überhaupt eine Zukunft? Und wie umweltfreundlich sind Elektroautos wirklich?

Die Zahlen sind ernüchternd. Lediglich 8522 E-Autos sind im Jahr 2014 (Daten des Kraftfahrtbundesamtes KBA) auf deutschen Straßen neu zugelassen worden. Die Zahl der Plug-In-Hybride, die die Bundesregierung zu den E-Autos zählt, ist laut KBA noch niedriger.

Dabei wurden insgesamt 3,04 Millionen Neuwagen zugelassen. Die Nachfrage nach Elektroautos ist also weiterhin gering, dabei ist das Angebot inzwischen da. Im vergangenen Jahr kamen laut Verband der Automobilindustrie (VDA) 17 neue Serienmodelle mit Elektroantrieb auf den Markt. 2015 sollen noch einmal zwölf weitere hinzukommen.

Wo lade ich mein Elektroauto?

Ein wesentliches Problem der Öko-Mobile: Elektroautos sind in der Regel deutlich teurer, als entsprechende Benziner oder Diesel-Modelle. Zudem „leiden“ die Stromer immer noch unter einer geringen Reichweite und der fehlenden Lade-Infrastruktur.

Da helfen auch die Entlastungen bei der Kfz-Steuer und der Dienstwagensteuer nicht. In diesem Jahr soll ein Gesetz Elektroautos mit Privilegien ausstatten. Der Kabinettsentwurf von September 2014 sieht Freie Fahrt auf Busspuren und reservierte Parkplätze vor. E-Autos sollen dafür mit Sonderkennzeichen ausgestattet werden.

Nur umweltfreundlicher bei Ökostrom

Hinter all diesen Förderansätzen steckt – neben dem wirtschaftlichen Interesse – vor allem der Umweltgedanke. Elektrofahrzeuge gelten als emissionsarm und daher umweltschonender. Eine Studie stellt jedoch klar: E-Autos tragen nur dann deutlich zur Verringerung der Luftverschmutzung bei, wenn der verwendete Strom aus Wind-, Wasser-, Solar- oder Erdgaskraftwerken stammt.

Wird der Strom hingegen von Kohlekraftwerken erzeugt, könnten die damit verbundenen Gesundheitskosten in den USA im Jahr 2020 im Vergleich zu Benzinmotoren um etwa 80 Prozent höher liegen. Das berichten Forscher in den „Proceedings“ der US-nationalen Akademie der Wissenschaften („PNAS“) über das Ergebnis von Computersimulationen.

Biokraftstoff ist nicht die Lösung

Julian Marshall, Jason Hill und Christopher Tessum von der University of Minnesota in Minneapolis und St. Paul im US-Bundesstaat Minnesota berücksichtigten nicht nur die direkten Abgase im Betrieb - die ja bei allen Elektrofahrzeugen bei null liegen. Vielmehr bezogen sie in ihre Lebenszyklus-Modelle auch die Produktion der Kraftstoffe, des Stroms und der Batterien ein.

Hinzu kamen Simulationen von Stoffkreisläufen, Wetter- und Klimaveränderungen sowie die Auswirkungen von erhöhten Feinstaub- und Ozonwerten auf die Gesundheit der Menschen.

In den Simulationen gingen Marshall und Kollegen davon aus, dass bis zum Jahr 2020 zehn Prozent der Fahrzeuge mit Benzinmotoren durch Fahrzeuge mit anderem Antrieb ersetzt werden. Die Ausgangswerte stammten aus dem Jahr 2005. Bei den Verbrennungsmotoren würden demnach die Kraftstoffe Diesel und verdichtetes Erdgas sowie ein Benzinhybrid-Antrieb weniger Feinstaub und Ozon erzeugen als Benzin.

Biokraftstoffe hingegen würden den Wissenschaftlern zufolge wegen der Emissionen in der Landwirtschaft zu erhöhten Feinstaub- und Ozonwerten führen. Dabei schnitten Biokraftstoffe aus Mais erheblich schlechter ab als Kraftstoffe aus Pflanzenresten.

Wind-, Wasser- und Solarkraft!

Wie Elektrofahrzeuge die Luftverschmutzung verändern, hängt demnach wesentlich von der Art der Stromerzeugung ab. Bei reinem Kohlestrom verursachten Elektroautos pro Meile etwa 350 Prozent des Feinstaubs und Ozons von Benzinern, schreiben die Forscher. Sie errechneten einen Plus von 3000 Toten pro Jahr infolge der verschmutzten Luft.

Bei Wind-, Wasser- und Solarkraft läge dieser Wert bei etwa 250, was hauptsächlich auf die Emissionen beim Bau der Kraftwerke und bei der Batterieproduktion zurückgehe. Bei Strom aus Erdgaskraftwerken liegt die Zahl demnach bei etwa 500.

Noch deutlicher werden die Vorteile von Wind-, Wasser- und Solarkraft, wenn der Einfluss auf den Klimawandel einbezogen wird. Dann sind die von Elektrofahrzeugen verursachten Gesundheitskosten auf eine Gallone (etwa 3,8 Liter) Benzin bezogen um fast einen Dollar geringer als die von Benzinern hervorgerufenen.

Das Fazit der Forscher: Elektrofahrzeuge, deren Strom mit geringen Emissionen erzeugt wird, sind unter Umweltgesichtspunkten den Fahrzeugen mit Benzinmotor vorzuziehen. (mit Material der dpa)

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