+
Der VW Tiguan ist seit Jahren der beliebteste SUV in Deutschland. Von Januar bis einschließlich Juni 2014 zählte das Kraftfahrt-Bundesamt 34.487 Neuzulassungen. Die vielen SUV treiben die durchschnittlichen PS-Werte in die Höhe.

140 PS

SUV treiben PS-Zahlen nach oben

Techniker machen Automotoren sparsamer und sauberer. Doch weil sie zugleich immer mehr leisten sollen, spüren das am Ende weder Umwelt noch Geldbeutel.

Die Autos auf Deutschlands Straßen sind mit immer kräftigeren Motoren ausgestattet. Das ist das Ergebnis einer Studie des CAR-Center Automotive Research an der Universität Duisburg-Essen mit Ferdinand Dudenhöffer an der Spitze. Betrug im Jahr 1995 beim Durchschnitts-Neuwagen die Motorleistung noch 95 PS, kommen die Experten nun auf 140 PS. Das entspricht einem Zuwachs von 47 Prozent.

Mit den steigenden PS-Zahlen wächst die Höchstgeschwindigkeit. So können 29 Prozent aller im Jahr 2013 zugelassenen Neuwagen (845.630 Fahrzeuge) schneller als 200 km/h rasen. Knapp ein Prozent erreicht in der Spitze mehr als 250 km/h. Ein Teil der zusätzlichen Motorstärke geht also ins Tempo der Fahrzeuge.

Mehr SUV auf unseren Straßen

Im Jahre 2006 waren 6,5 Prozent aller Neuwagen SUV-Fahrzeuge. Der Durchschnitts-Neuwagen hatte damals 126 PS. Bis Ende des Jahres 2014 stieg der SUV-Anteil auf rund 18 Prozent. „SUV sind stärker motorisiert - und mit steigenden SUV-Anteil steigen auch die PS-Zahlen der in Deutschland verkauften Neuwagen“, so der Autoexperte. Zwar kämen immer mehr kleine SUV wie der Opel Mokka auf den Markt, aber noch habe der SUV gut 26 PS mehr als das Durchschnitt-Fahrzeug.

Neben dem SUV-Trend würden auch günstige Treibstoffe zum Kauf von höhermotorisierten Pkw verleiten. Im Jahr 2014 ist der Benzin- und Dieselpreis deutlich gefallen und die PS-Zahl der Neuwagen gestiegen. Zwar verbrauchen PS-stärkere Motoren nach Normangaben weniger Treibstoff - allerdings eben nur dann, wenn man nach der unrealistischen Norm fährt. Ein Porsche-Fahrer, der mit seinem Porsche nach Norm-Testzyklus fährt, dürfte die Ausnahme sein, denn Geschwindigkeiten über 120 km/h sind im Normzyklus eben nicht mehr enthalten.

Kräftige Motoren bringen Autobauern Geld

Betrachtet man die Gewinne der Autobauer, gilt die Gleichung: Hohe PS-Zahlen bringen hohe Gewinne. Porsche macht mit 342 PS pro Fahrzeug den größten Profit pro Fahrzeug. Die drei Premiumhersteller Audi, BMW und Mercedes liegen deutlich über den PS-Zahlen des Gesamtmarkts. Das gilt auch für die Profitabilität der Unternehmen. Die Autokäufer sind offensichtlich bereit, gerne Geld für PS und größere und leistungsstärkere Autos auszugeben.

Den größten Sprung bei den PS-Zahlen gegenüber 1995 hat unter den deutschen Autobauern VW gemacht. Der Durchschnitts-VW hat in diesem Jahr eine Motorleistung von 128 PS. Das ist ein Plus von 62 Prozent gegenüber dem Jahr 1995.

Trotz höherer Motorleistung ist der Norm-Verbrauch der in Deutschland zugelassenen Neuwagen in den vergangenen Jahren kontinuierlich gesunken. Das ist ein klares Ergebnis der CO2-Regulierung der EU. Wurden im Jahr 2003 pro Pkw-Neuwagen noch 175,8 Gramm CO2 in die Luft geblasen, ist dieser Wert auf mittlerweile 133,0 Gramm gesunken.

Die in Deutschland neu im Jahre 2014 zugelassenen SUV erzeugen mit 151,2 Gramm pro Kilometer mehr CO2 als der Durchschnitt-Neuwagen mit 133 Gramm. Trotz moderner Motoren- und Fahrzeugtechnik drücken damit die steigenden SUV-Anteile den CO2-Ausstoß und den Treibstoffverbrauch nach oben.

EU-Vorgaben helfen

Das Fazit von Dudenhöffer: Die Autobauer hätten es zwar geschafft, höhere Motorstärke nicht unbedingt mit höheren Treibstoffverbrauch zu kombinieren. Das gelte allerdings nur für den Normverbrauch, wie er nach den derzeit gültigen Kriterien der EU-Kommission gemessen werde. Ausschlagend für die Spriteinsparungen seien nicht die Autokäufer, sondern die Vorgaben der EU-Kommission. Ohne Vorgaben der EU-Kommission wären die Treibstoffeinsparungen der vergangenen Jahre nicht erreicht worden.

„Das Rennen nach immer höheren Motorleistungen unserer Neuwagen scheint noch lange nicht zu Ende“, heißt es in der Studie weiter. Wichtiger Grund dafür seien immer neue Versionen von SUV mit immer sportlicheren Fahrleistungen. Im Jahr 1995 hätte wohl niemand gedacht, dass einmal 140 PS das Mittelmaß bei der Motorleistung bei Neuwagen sein könnte. Damals hatten Mercedes im Schnitt 138 PS, die Audi 128 PS und BMW 147 PS.

Da bis zum Jahre 2022 in der EU Treibstoffverbrauch und CO2-Werte festgeschrieben sind, könne man erwarten, das auch in den nächsten Jahren die PS-Zahlen unserer Neuwagen steigen. „Benzin und Diesel ist preisgünstig für Autofahrer. Da werden ein paar PS mehr gerne gekauft.“

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare