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Die Traumautos der Deutschen

Für viele ist das Auto eine Notwendigkeit, um den Alltag zu bewältigen, in die Arbeit zu fahren, einzukaufen und um von A nach B zu kommen.

Gleichzeitig betrachten rund 20 Prozent der deutschen Autofahrer – Frauen wie Männer – ihren Wagen als Statussymbol. Die Voraussetzung dafür ist, dass das Traumauto auch ins Budget passt. Kein Wunder also, dass Realität und Wunschdenken der Autobesitzer nicht selten auseinanderklaffen. Auf deutschen Straßen fahren zumeist solide, praktische, sichere und vernünftige Modelle, deren Lenker insgeheim allerdings oft von ganz anderen Fahrzeugen träumen.

Die Liebe der Deutschen zu ihren Autos

In kaum einem anderen Land scheint die Automobilindustrie so sehr mit der Identität der Menschen verknüpft zu sein wie in Deutschland. Die Liebe zu Autos und zum Fahren scheint hier im Blut zu liegen. Kein Wunder, schließlich wurde das Auto hier erfunden. Namen wie Carl Benz und Ferdinand Porsche sind untrennbar mit dem Erfolg der hiesigen Wirtschaft verbunden und der VW Käfer ging jahrzehntelang auf Siegeszug rund um den Globus, bevor er schließlich unangefochtenen Kultstatus erreichte. Autos deutscher Marken gelten weltweit als Inbegriff von Genauigkeit, Zuverlässigkeit und Effizienz. Viele verbinden mit dem Auto nach wie vor eine romantische Vorstellung von Freiheit und Unabhängigkeit.

Beim Autokauf siegt die Vernunft

Die Statistiken zu den KFZ-Neuzulassungen belegen: Deutsche Autofahrer bevorzugen deutsche Automarken. Im Jahr 2018 zum Beispiel waren von insgesamt 3,44 Millionen Neuzulassungen rund 2,1 Millionen von einem deutschen Hersteller, am zweithäufigsten wurden insgesamt Fahrzeuge aus japanischer Produktion gekauft. Volkswagen belegt hierzulande mit Abstand den Spitzenplatz, gefolgt von Mercedes und BMW. Das nach Neuzulassungen beliebteste und am meisten gekaufte Auto ist mit weit mehr als 200.000 der VW Golf: Er gilt als treuer Begleiter für diejenigen, die sich in erster Linie ein ordentliches Preis-Leistungsverhältnis, eine gute Ausstattung sowie eine klassische Optik wünschen und ungerne experimentieren. 

Unter den Top fünf Automodellen nach Neuzulassungen im vergangenen Jahr war VW gleich viermal vertreten – mit Golf, Tiguan, Polo und Passat. An fünfter Stelle stand schließlich die Mercedes S-Klasse. Der VW Tiguan ist seit seiner Markteinführung das beliebteste SUV-Modell auf deutschen Straßen und belegt vielleicht auch deshalb Platz zwei, weil er nicht ausschließlich eine solide und vernünftige Wahl ist. Er vermittelt dem Fahrer zugleich einen Hauch Abenteuer – eine Kombination aus Ingenieurskunst und Selbstbestimmtheit. Denn so mancher VW Golf-Fahrer wünscht sich überraschenderweise offenbar genau das, was sein eigenes Auto gerade nicht verkörpert.

Im wahren Leben VW Golf, in der Fantasie Ford Mustang

Die Online-Studie eines Gebrauchtwagen-Portals hat anhand von digitalen Verhaltensdaten, wie beispielsweise dem Liken von Seiten oder dem Suchverhalten bei Bing oder Google, zutage gefördert, dass deutsche Autofahrer zwar Golf, Tiguan und Polo fahren, aber offenbar von völlig anderen Modellen träumen. Die Liste der absoluten Traumautos wird laut der Auswertung der Daten vom Ford Mustang angeführt, der modernen Version der legendären amerikanischen Auto-Ikone, gefolgt vom Chevrolet Camaro auf Platz zwei sowie dem BMW E30 und dem BMW E90. Wer sich für welches Auto interessiert, ist allerdings von mehreren Faktoren, wie demografischen Profilen, abhängig und ändert sich außerdem im Laufe der Zeit. Als ob junge Autofahrer irgendwann von der Realität eingeholt würden, sinkt das zuvor starke Interesse an Sportwagen mit zunehmendem Alter und wird von Klein- und Kompaktwagenmodellen verdrängt. Bei Autofahrern ab 50 Jahren stehen schließlich SUVs und Transporter ganz hoch im Kurs – beides Modelle, die für die junge Zielgruppe noch gar keine Rolle spielen.

SUV-Modelle auf dem Vormarsch, Steigerung bei E-Autos und Hybriden

Jedes fünfte neuzugelassene Auto in Deutschland ist mittlerweile ein SUV – in diesem Segment scheint sich die Wunschvorstellung an einem bestimmten Punkt mit der Wirklichkeit zu decken. Bei den Top-SUV-Neuzulassungen spielen nicht nur die VW-Modelle Tiguan und T-Roc ganz oben mit, sondern auch Mercedes GLK und GLC, der Ford Kuga oder der Skoda Karoq. Zu den Topsellern von Porsche zählt das SUV-Modell Cayenne, das es mittlerweile unter anderem auch als E-Hybrid gibt und in dieser Version gleich zwei Trends miteinander vereint. Neben klassischen Autoliebhabern, die den Abgasskandal scheinbar verwunden haben und sich wieder häufiger für einen Diesel entscheiden, erfüllen sich umweltbewusste Käufer nämlich in zunehmendem Maß den Traum vom schadstoffärmeren Auto – in Form von Elektrofahrzeugen und Hybrid-Modellen. 

Der Elektropionier Tesla, für viele Technikfans Hersteller absoluter Traumautos, hat längst Konkurrenz von traditionellen Automobilherstellern bekommen. Modelle wie der BMW i8 oder der Jaguar I-Pace sind nur zwei von vielen, die dazu beigetragen haben, dass die Neuzulassungen in diesem Bereich in den letzten Jahren sprunghaft angestiegen sind. Gab es im Jahr 2006 nur rund 6.000 Hybridautos in Deutschland, waren es im Sommer 2019 bereits mehr als 340.000. Die Zahl der in Deutschland zugelassenen E-Autos belief sich Anfang 2019 bereits auf über 83.000 – rund 29.000 mehr als im Vorjahr.

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