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Elektroautos bleiben teuer: Akku-Preise bremsen den Boom

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Von: Marcus Efler

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Eigentlich sollen Elektroautos Jahr für Jahr günstiger werden – hoffen Käufer und Politiker. Doch der Chef eines wichtigen Akku-Zulieferers befürchtet eher eine gegenteilige Entwicklung.

Update vom 5. Juli 2022, 12:00 Uhr: Sollten die Preise für Elektroautos tatsächlich hoch bleiben, könnte das gerade sprunghaft gestiegene Interesse an ihnen schnell wieder verfliegen. Das jedenfalls prophezeit Arnaud Deboeuf According, Produktionsvorstand des Autokonzerns Stellantis (u.a. Opel, Peugeot, Fiat). „Wenn Elektroautos nicht billiger werden, wird der Markt kollabieren“, sagte der Top-Manager der Nachrichtenagentur „Bloomberg“: „Es ist eine große Herausforderung“.

Die Produktionskosten müssten um 40 Prozent gesenkt werden, um das negative Szenario zu vermeiden. Doch genau danach sieht es angesichts weiterhin hoher Preise für Akkus, dem nach wie vor teuersten Bauteil von Elektroautos, gerade nicht aus.

Elektroautos bleiben teuer: Bricht Boom bald zusammen?

Erstmeldung vom 7. Juni 2022, 15:36: Bruges (Frankreich) – Schöne neue Welt: Irgendwann sausen alle nur noch in sauberen, leisen Elektroautos umher. Und, das Beste daran, zahlen kaum noch etwas für ihre individuelle Mobilität. Denn Fahrzeuge und Strom werden immer billiger. So prophezeite Volkswagen-Chef Herbert Diess schon mal, dass 100 Kilometer im E-Mobil künftig nur noch einen Euro kosten könnten.

Elektroautos bleiben teuer: Hersteller kippt Hoffnung auf günstige Akkus

Doch das war vor Ukraine-Krieg und Inflation vor allem bei Energie. Mittlerweile rudert auch VW zurück: „Mobilität wird teurer“, befürchtet Vertriebs-Vorständin Hildegard Wortmann. Eine Hoffnung freilich blieb bislang: Dass nämlich Elektroautos mit fortschreitender Verbreitung und optimierter Technik in den nächsten Jahren immer preiswerter würden – bis sie schließlich nicht mehr teurer seien als vergleichbare Verbrenner. Trotz sinkender und dann ganz auslaufender Umweltprämie müsste ein Käufer in einen Stromer dann nicht mehr investieren als in ein konventionelles Auto, oder sogar weniger.

Ein Elektroauto hängt an einem Ladekabel (Symbolbild)
Elektromobilität bleibt vorerst teuer. (Symbolbild) © Manuel Geisser/Imago

Elektroautos bleiben teuer: Rohstoffe als Preistreiber

Dieser Optimismus beruht vor allem auf der Erwartung, dass die Preise für Akkus immer weiter sinken. Die machen derzeit fast die Hälfte der Produktionskosten für ein Elektroauto aus. Doch nun kippt ein hochrangiger Manager aus der Akku-Branche genau diese Hoffnung. Yann Vincent, Chef des wichtigen Batterie-Zulieferers Automotive Cells Company (ACC), sieht in absehbarer Zeit keine Kosten-Entspannung „wenn Preise für Rohstoffe wie Lithium oder Nickel auf dem aktuellen Niveau bleiben. Denn sie treiben die Kosten für Elektroautos in die Höhe“.

Die Lücke der Preise für Stromer, zu denen von Verbrenner „könnte sich vergrößern. Das wäre nicht gut“, sagte Vincent dem „Handelsblatt“. Tatsächlich wird Lithium auch nach Meinung anderer Experten knapper – und somit teurer. Derweil steige die Nachfrage nach Stromern kräftig, prognostiziert der Manager: Als Folge der CO2-Regulierung würden Ende des Jahrzehnts mehr als zwei Drittel der europäischen Neuwagen vollelektrisch fahren. 

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Elektroautos bleiben teuer: Es gibt zu wenig Rohstoff-Minen

Die Kosten für Akku-Rohstoffe, zu denen auch Nickel gehört (das Tesla allerdings zunehmend verbannt), könnten erst sinken, wenn es mehr Minen zur Förderung gebe. „Aber bis diese neuen Abbauprojekte für Nickel und Lithium final umgesetzt sind, vergeht viel Zeit“, zitiert das „Handelsblatt“ den Akku-Chef: „Das sollte 2025 oder 2026 der Fall sein.“ Bis dann wirklich die Preise für Akkus und schließlich Elektroautos fallen, würden also noch viele Jahre vergehen.

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