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Der SX4 wird als Crossover angepriesen, er ist aber eher ein Geländewagen. Wer möchte, kann ihn mit einem Allradantrieb kaufen.

Daten, Preise, Bilder

Wie der Suzuki SX4 im Test fährt

Für viele Autohersteller mag der bestimmende Trend lauten: Klein ist fein. Suzuki hat sich anders entschieden: „Think bigger“ war das Motto der Japaner, als sie sich für den neuen SX4 an die Arbeit gemacht haben.

Die erste Generation des Suzuki SX4 war noch kurz und knapp wie ein Kleinwagen. Jetzt steigt der Geländegänger mit Rücksicht auf die Familienkundschaft in die Kompaktklasse auf: Mit 15 Zentimetern mehr Länge und 10 Zentimetern mehr Radstand fährt er ab September nicht mehr gegen Opel Mokka oder Peugeot 2008, sondern gegen VW Tiguan oder Mitsubishi ASX.

Für den neuen SX4 muss man etwas tiefer in die Tasche greifen. Gab es ihn zuletzt für 16.890 Euro, kostet er künftig mindestens 19.490 Euro. Wem das zu viel oder das neue Auto zu groß ist, der muss den Wachstumstrend nicht mitmachen. Die Japaner behalten das alte Modell als SX4 Classic weiter im Programm. Abschied muss man dagegen vom italienischen Zwilling des SX4 nehmen. Das aktuelle Modell lief auch als Fiat Sedici vom Band, der Nachfolger wird zum Solisten ohne Geschwister.

Größeres Format bringt mehr Platz

Das neue Format macht sich auf Anhieb bemerkbar: Vorne sitzt man sehr bequem. Hinten reicht der Platz dank des größeren Radstands jetzt auch für zwei Erwachsene. Außerdem wächst der Kofferraum um 160 auf 430 Liter und ist nun einer der größten in dieser Klasse. Die Ingenieure haben sich noch ein paar nette Details einfallen lassen: Die Lehne der Rückbank kann man in der Neigung verstellen und unter dem Kofferraumboden gibt es ein weiteres Staufach.

Beim Einrichten scheint die Japaner irgendwie die Fantasie verlassen zu haben: Das Ambiente ist trist und grau. Es will so gar nicht zum modernen Karosseriedesign und den frischen Farben auf dem Blech passen. Die Instrumente und die Anzeigen für Bordcomputer und Co. wirken altbacken, und der Trend zum Infotainment hat sich bis in die ungarische Fabrik in Esztergom offenbar noch nicht herum gesprochen.

Ein Navigationssystem und eine Rückfahrkamera will Suzuki bis zum Verkaufsstart noch einbauen, aber die mittlerweile üblichen Apps für die Internet-Suche oder die Sozialen Netzwerke fehlen genauso wie die meisten Assistenzsysteme. Denn mehr als einen Tempomat hat der SX4 nicht zu bieten. Und das, während die Konkurrenz längst den Toten Winkel überwacht, automatisch einparkt oder den Abstand zum Vordermann hält.

Mit Allrad ein echter Geländegänger

Dafür ist der Suzuki ein waschechter Geländewagen, selbst wenn das Marketing beharrlich von einem Crossover spricht. Für 1700 Euro Aufpreis gibt es einen Allradantrieb mit vier unterschiedlichen Fahrprogrammen. Je nach Wahl über den Drehschalter auf dem Mitteltunnel rollt der SX4 spritsparend als Fronttriebler und schaltet die Hinterachse nur bei Bedarf zu. Er gibt sich gerüstet für Schlamm und Schnee, rollt etwas sportlicher durch die Kurven oder fixiert für ängstliche Gemüter die Kraftverteilung.

Als treibende Kraft empfiehlt sich dafür der 1,6 Liter große Diesel, den Suzuki beim ehemaligen Partner Fiat einkauft. Der Vierzylinder leistet 120 PS und geht mit bis zu 320 Newtonmeter Drehmoment zu Werke. Zwar quittiert der Common-Rail-Motor jeden Gasstoß mit einem kernigen Knurren, dafür geht es dann auch behände vorwärts. In der Praxis jedenfalls wirkt der SX4 viel spritziger, als es das Datenblatt annehmen lässt. Darin sind ein Beschleunigungswert von 13 Sekunden bis Tempo 100 und 175 km/h Spitzentempo aufgeführt.

Das Überholen gelingt zur Not auch auf einer kurzen Geraden, auf der Autobahn schwimmt man locker mit und mit einem schweren Gasfuß machen sogar bergige Landstraßen ein bisschen Spaß. Nur auf den Verbrauch darf man dann natürlich nicht schauen: In der Theorie mit 4,4 Litern zufrieden (CO2-Ausstoß: 114 g/km), gönnt sich der SX4 dann schon mal 2 Liter Express-Zuschlag.

Alternativ zum Diesel gibt es für 2200 Euro weniger auch einen Benziner mit fast identischen Eckdaten. Er hat ebenfalls 1,6 Liter Hubraum und 120 PS und ermöglicht maximal 180 km/h. Allerdings fehlt seinem Getriebe der sechste Gang und der Normverbrauch liegt schon bei 5,4 bis 5,9 Litern (CO2-Ausstoß: 125 bis 135 g/km).

Test-Fazit:

Sein Format passt perfekt und für Familien ist der SX4 jetzt gut gerüstet. Doch kaum eine Fahrzeugklasse wächst so stark wie die der kompakten SUV. Deshalb weht dort ein besonders kräftiger Gegenwind durch die Konkurrenz. War der alte SX4 in seiner kleinen Nische fast alleine auf weiter Flur, geht es ihm jetzt wie einem Aufsteiger beim Fußball: Er hat erstmal einen schweren Stand. (dmn, dpa)

Datenblatt zum Suzuiki SX4:

Motor und Antrieb: Vierzylinder-Commom-Rail-Diesel
Hubraum: 1598 ccm
Max. Leistung: 88 kW/120 PS bei 3750 U/min
Max. Drehmoment: 320 Nm bei 1750 U/min
Antrieb: Allradantrieb
Getriebe: Sechsgang-Schaltgetriebe
Maße und Gewichte
Länge: 4300 mm
Breite: 1765 mm
Höhe: 1580 mm
Radstand: 2600 mm
Leergewicht: 1305 kg
Zuladung: 565 kg
Kofferraumvolumen: 430-1269 Liter
Fahrdaten
Höchstgeschwindigkeit: 175 km/h
Beschleunigung 0-100 km/h: 13,0 s
Durchschnittsverbrauch: 4,4 Liter/100 km
Reichweite: k.A.
CO2-Emission: 114 g/km
Kraftstoff: Diesel
Schadstoffklasse: EU5
Energieeffizienzklasse: k. A.
Kosten
Basispreis der Modellreihe: 19 490 Euro
Grundpreis des SX4 1,6 Diesel 4x4: 25 190 Euro
Typklassen: k. A.
Kfz-Steuer: 160 Euro/Jahr
Wichtige Serienausstattung
Sicherheit: ESP, sieben Airbags, Allradantrieb
Komfort: Klimaanlage, Zentralverriegelung, schlüsselloses Startsystem
Spritspartechnik: Start-Stopp-Automatik

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