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So sinnvoll ist ein Fahrsicherheits-Training

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Auf schlechte Sicht und rutschige Straßen im Herbst können sich Autofahrer mit einem Fahrsicherheitstraining vorbereiten.
Auf schlechte Sicht und rutschige Straßen im Herbst können sich Autofahrer mit einem Fahrsicherheitstraining vorbereiten. © dpa-tmn

Ausprobieren, was man sonst nicht darf: In einem Fahrsicherheitstraining können sich Autofahrer unter der Käseglocke an die Gefahr herantasten. Gerade zum Beginn der nasskalten Jahreszeit raten Experten zur Teilnahme.

Von Stefan Weißenborn

Bei Grenzerfahrungen lernt man zwar die eigenen Grenzen kennen. Doch sie zu überschreiten, kann unter Umständen lebensgefährlich sein. Beim Autofahren bedeutet das: Das Limit am Steuer, den sogenannten Grenzbereich, sollte man unter künstlichen Bedingungen ergründen. Vor allem im Herbst, wenn die nasskalte Jahreszeit beginnt und erste Straßenglätte droht, raten Verkehrsexperten zu einem Fahrsicherheitstraining.

„Und Angst ist ein schlechter Beifahrer“

„Aufgrund der schlechteren Fahrbahnbeschaffenheit haben viele Autofahrer Angst. Und Angst ist ein schlechter Beifahrer“, sagt Jürgen Bente vom Deutschen Verkehrssicherheitsrat (DVR). „Nebel und Dunkelheit, Nässe und Glätte erfordern eine andere Verhaltensweise und Umstellung der Fahrweise“, sagt Robert Bauer, Fahrsicherheitstrainer beim Auto Club Europa (ACE). Nasses Laub, Raureif, sogenannte Nebelglätte, Glatteis auf Brücken oder in Waldgebieten führten schnell an die Grenzen der Fahrzeugbeherrschung.

Manche Anbieter haben sich auf die besonderen Bedingungen in der kalten Jahreszeit eingestellt. Der ADAC hat spezielle Herbst- und Wintertrainings im Angebot, auch die Verkehrswachten. So bietet das „auto motor und sport Fahrsicherheitszentrum Sachsenring“ unter anderem in Zusammenarbeit mit dem ADAC solche Kurse für Pkw-Fahrer an. Um die Bedingungen möglichst real zu gestalten, findet die Hälfte des Trainings statt, wenn die Sonne untergegangen ist.

Laut Bente ist das keine schlechte Idee: „Variierende Sichtbarkeit kann man am besten in der Dunkelheit darstellen.“ So erfahren Teilnehmer zum Beispiel, dass das Abblendlicht oft nicht weit genug leuchtet. „Wenn ich 80 km/h fahre, lege ich in der Sekunde 24 Meter zurück.“ Leuchtet das Abblendlicht aber nur 80 Meter weit, rast man in nur gut drei Sekunden Zeit über den ausgeleuchteten Bereich hinweg. Zieht man eine Sekunde Reaktionszeit ab, dürfte es bei plötzlichem Wildwechsel trotz heftigem Bremsmanöver nicht mehr reichen. „Oft dürfte man nur 60 km/h fahren.“

Fahrer auf plötzliche Gefahrensituationen vorbereiten

Grundsätzlich müsse es aber kein spezielles Herbst-Training sein, sagen die Experten. Denn bei den Einheiten gehe es darum, den Fahrer auf plötzliche Gefahrensituationen vorzubereiten, die man im Alltag am Steuer selten erlebt - also auch nicht einstudieren kann. So gehe es etwa darum, „das Verhalten und die Grenzen Ihres Fahrzeugs in verschiedenen Situationen gefahrlos auszutesten“, heißt es in der Beschreibung eines Trainings. Spezielle Herbstangebote hätten oft Event-Charakter, wenn sie von Auto- oder Reifenherstellern veranstaltet würden, erklärt Bente. „Oft gehen sie mit Produktvorstellungen, Grillen oder Motorschlittenfahrten einher und gleichen eher einem Kurzurlaub.“

Die grundlegenden Tricks und Kniffe vermittelten die Profis auch den Teilnehmern von normalen Trainings. Etwa wie sich ein schleuderndes Auto auf rutschiger Fahrbahn abfangen lässt oder wie man einem Hindernis ausweicht. „Viele Plätze haben „Rüttelflächen“ und Möglichkeiten, das Fahren und Bremsen auf unterschiedlichen Fahrbahnoberflächen auszuprobieren„, sagt Hannelore Herlan von der Deutschen Verkehrswacht (DVW).

Am Sicherheitstraining mit eigenem Auto teilnehmen

Einen ganzen Tag müssen Teilnehmer in der Regel für ein klassisches Fahrsicherheitstraining einplanen. Die Kosten liegen in der Regel bei 80 bis 100 Euro, wobei Herbsttrainings oft teurer sind. Bauer empfiehlt, am Sicherheitstraining mit dem Fahrzeug teilzunehmen, mit dem man am häufigsten unterwegs ist: „Wichtig ist, mit seinem Auto richtig vertraut zu sein, seine vorhandenen Assistenzsysteme und deren Funktion und Wirkung kennenzulernen.“ Und Herlan ergänzt: „Es hilft ihm, mit dem eigenen Auto besser zu verwachsen.“ In der Einheit von Mensch und Maschine das gefahrlos Machbare auszuloten, darum geht es. „Das Sicherheitstraining lebt davon, dass man Grenzen erfährt, nur wer sie erfahren hat, kann sie definieren“, sagt Jürgen Bente.

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