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Das selbstfahrende Auto "Jack", ein Audi des Modells A7, auf der Consumer Electronics Show.

Keine Zukunftsmusik mehr

Selbstfahrende Autos kommen schrittweise

Auf dem Weg zur Arbeit noch ein Nickerchen? Die Firmenchefs auf der Detroiter Fahrzeugmesse sind sich einig, dass Autos schrittweise in immer mehr Situationen selbstständig fahren. Aber auch in Zukunft wird der „Fahrer“ weiterhin mitdenken müssen.

Am Steuer E-Mails lesen, fernsehen oder sogar schlafen: Die Vision vom Autofahren mit Auto-Pilot elektrisiert die Branche. Auf der Automesse in Detroit sind sich die Unternehmenschefs einig, dass der Siegeszug selbstfahrender Autos nur noch eine Frage der Zeit sein dürfte.

„Man startet manuell und erreicht dann eine Strecke – etwa auf der Autobahn oder im Stau –, auf der es so langweilig ist, dass man auf Autopilot drückt“, erklärt Volvo-Chef Håkan Samuelsson. „Bei komplexen Dingen kehrt man dann wieder auf manuell zurück - etwa bei Situationen mit vielen Fußgängern.“

Erste autonome Fahrzeuge bereits in fünf Jahren?

Volvo arbeitet derzeit in Göteborg an dem nach eigenen Angaben weltweit ersten großen Test für autonomes Fahren. Dabei sollen 100 Autos von 2017 an ohne aktive Fahrer in Alltagssituationen selbstständig unterwegs sein. Samuelsson ist von einer Zukunft mit Autopilot-Funktion überzeugt: Bereits in fünf Jahren könne die Technologie zur Serie werden. Auch deutsche Autobauer treiben das Thema voran. Audi und Mercedes etwa ließen in den USA vor wenigen Tagen Roboterautos zur Elektronik-Messe CES nach Las Vegas fahren.

Bis der in Las Vegas und Detroit präsentierte Mercedes-Prototyp als Roboterauto mit Lounge im Interieur tatsächlich auf die Straßen kommt, dürfte es aber noch dauern. Ford-Deutschland-Chef Bernhard Mattes geht davon aus, dass die ersten autonomen Fahrzeuge in einem Zeitraum von fünf Jahren zu sehen sein werden – „etwa im Stop-and-Go-Verkehr, um dem Fahrer die Möglichkeit zu geben, etwas anderes zu tun und die Zeit sinnvoll zu nutzen“.

„Da entsteht im Moment ein Riesen-Hype“

Porsche-Chef Matthias Müller sieht die Entwicklung etwas skeptischer: „Da entsteht im Moment ein Riesen-Hype, und da wird eine Erwartungshaltung erzeugt draußen, der niemand wird gerecht werden können.“ Müller erwartet, dass sich das assistierte Fahren in den nächsten Jahren schrittweise weiterentwickeln wird. Erst vielleicht in zehn Jahren werde man einmal auf der Autobahn pilotiert fahren können. „Aber die Dinge, die da jetzt propagiert werden - da fehlt mir wirklich der Glaube, dass das morgen der Fall sein wird.“

Beim Zulieferer Continental hat man für den Weg zum Autopiloten drei Stufen ausgemacht. Vorstand Helmut Matschi hält es schon 2016 für realistisch, dass immer mehr Autofahrer beispielsweise im Stau Technologien für ein schrittweises Hinterherfahren nutzen. Von 2020 an müssen Autofahrer demnach auf monotonen Strecken wie der Autobahn nicht mehr permanent Herr der Lage sein - und könnten etwa für kürzere Zeit im Internet surfen, E-Mails sichten oder per Videotelefonat den Kindern daheim Hallo sagen.

Vollautomatisierung ab 2025 realistisch

Die Vollautomatisierung des Autobahnverkehrs sei von 2025 an realistisch, sagte Matschi in Detroit. Die Autopiloten-Autos könnten dann nach Conti-Einschätzung bis Tempo 130 Situationen wie Überholen, Brems- oder Ausweichmanöver meistern. Jederzeit in Sekundenschnelle eingreifen zu können, wäre dann nicht mehr nötig.

Beim Elektroauto-Pionier Tesla kommt das automatisierte Fahren in kleinen Etappen, sagte Vertriebschef Jerome Guillen. Bei seinem Model S werden bereits Funktionen wie Spurhalte-Assistenten oder ein System zur Tempoüberwachung über ein Software-Update freigeschaltet. (dpa/dmn)

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