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Wer hat Schuld beim Unfall mit offener Autotür?

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Wer die Wagentür öffnen will, darf im Zweifel die Tür nur langsam und spaltweise öffnen. Die Autotür darf nur geöffnet werden, wenn sich mit Gewissheit kein Verkehr nähert.
Wer die Wagentür öffnen will, darf im Zweifel die Tür nur langsam und spaltweise öffnen. Die Autotür darf nur geöffnet werden, wenn sich mit Gewissheit kein Verkehr nähert. © dpa

Beim Öffnen der Wagentür sollten Autoinsassen immer vorsichtig sein: Oft tragen sie die volle Schuld an einem Unfall, wenn jemand gegen die Tür kracht. Allerdings gibt es auch einige Ausnahmen von dieser Regel. Wer wann für den Schaden haften muss.

Fährt ein Autofahrer gegen die offene Fahrertür eines parkenden Autos, muss er in manchen Fällen die Hälfte des Unfallschadens tragen. Über einen solchen Fall hat das Oberlandesgericht Frankfurt entschieden. Damit änderten die Richter ein Urteil der Vorinstanz ab, das der fahrenden Verkehrsteilnehmerin nur ein Drittel der Haftung angelastet hatte (Az.: 16 U 103/13).

So kam es zu dem Unfall: Ein Mann war gerade dabei, sein Auto zu beladen und hatte dafür die Wagentür zur Straße hin zum Teil geöffnet. Es war dunkel und eine herankommende Autofahrerin sah ihn nicht rechtzeitig. Sie streifte die Tür, das Fahrzeug wurde dabei schwer beschädigt und der Mann, der an der Tür stand, trug Verletzungen davon. 

Der Geschädigte verklagte daraufhin die Unfallgegnerin auf Schadenersatz und Schmerzensgeld. Er war der Meinung, dass sie einen zu geringen Seitenabstand eingehalten hatte. Sie hätte die offene Tür bemerken müssen – auch wenn es bereits dunkel gewesen war. Die Fahrerin hingegen meinte, dass sie auf der Fahrbahn nicht mit Ladetätigkeiten an parkenden Fahrzeugen habe rechnen müssen. Es wäre nicht zum Unfall gekommen, wenn der Kläger seinen Wagen von rechts beladen hätte.

Das Oberlandesgericht Frankfurt hielt schließlich eine hälftige Schadensteilung für angemessen und änderte somit das Urteil des Landgerichts ab. Nach Ansicht der Richter mache es einen Unterschied, ob jemand gegen eine bereits offenstehende oder gegen eine sich erst öffnende Fahrzeugtür fährt.

Die Fahrerin hätte die geöffnete Tür erkennen und entsprechend ausweichen müssen. Der zu geringe Seitenabstand sei laut Gericht damit erwiesen. Der Geschädigte hingegen hätte beim Ein- und Aussteigen vorsichtiger sein und den fließenden Verkehr beachten müssen. Für die Richter wogen beide Verstöße gegen die Sorgfaltspflicht gleich schwer. (ampnet/gs)

Darf ich über einem Gullideckel parken? Kann ich trotz Vorfahrt schuld an einem Unfall sein? Ist Überholen mit der Lichthupe Nötigung? Die größten Irrtümer der Autofahrer samt Auflösung finden Sie in diesem Artikel:

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