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Der große Pick-Up VW Amarok läutet den Rückruf der insgesamt 2,4 Millionen manipulierten Diesel-Fahrzeuge ein.
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Der große Pick-Up VW Amarok läutet den Rückruf der insgesamt 2,4 Millionen manipulierten Diesel-Fahrzeuge ein.

Abgasskandal

Rückruf startet – das ist jetzt wichtig für VW-Kunden

Für Volkswagen rücken die Tage der Wahrheit immer näher. Ende Januar soll die große VW-Rückruf-Aktion starten. Viele Faktoren kann Volkswagen jedoch nicht beeinflussen, etwa die Terminvorlieben der Kunden. Was VW-Fahrer jetzt wissen müssen.

Ende Januar sollen die ersten Dieselwagen mit manipulierter Software hierzulande zur Werkstatt rollen, auf dass die Mechaniker per Programm-Update den Auslöser für den größten Skandal in der VW-Firmengeschichte ausmerzen. Es ist eine logistische Mammutaufgabe.

Welche Modelle kommen zuerst in die Werkstatt?

Weltwelt sind rund elf Millionen Diesel aus dem Konzern betroffen, auch bei Audi, Seat, Skoda und den leichten VW-Nutzfahrzeugen. In Deutschland geht es um 2,4 Millionen Wagen.

Volkswagen will ab Ende der kommenden Woche zuerst die Pick-Up-Trucks vom Typ Amarok mit dem 2,0-Liter-Dieselmotor in Abgasnorm Euro-5 in der Werkstatt umrüsten. 

„Wir erwarten noch den Eingang der Freigabe des Kraftfahrt-Bundesamt zum Start der Aktion für den Amarok“, teilte ein VW-Sprecher am Montag auf Anfrage mit. Erst dann könne die Aktion anlaufen. 

Können VW-Kunden die Werkstatt frei wählen? 

Laut Volkswagen gibt es bundesweit 2173 Volkswagen-Partner, deren Werkstätten für den Rückruf autorisiert sind. Damit ergeben sich mit den 2,4 Millionen zurückgerufenen Dieseln rechnerisch 1100 Fahrzeuge pro Werkstatt. 

Welche dieser Werkstätten Autobesitzer nehmen, bleibt ihnen überlassen. Andere Werkstätten sind jedoch nicht erlaubt.

Sind die Werkstatt-Termine frei wählbar?

Ja. Feste Zeitfenster für die Fahrt zum VW-Service gebe es nicht. Die Halter hätten die Wahl bei der Absprache für einen Termin mit der Werkstatt. Das ist auch so üblich bei Rückrufen, die nicht sicherheitsrelevant sind. Die manipulierten Wagen sind noch immer fahrbereit und bergen kein technisches Risiko.

Wie lange dauern die Arbeiten am Auto?

Branchen-Insider gehen von durchschnittlich mindestens 90 Minuten Arbeitszeit pro betroffenem Wagen aus, worin neben der eigentlichen Nachbesserung auch die Zeit für Formulare und Dokumentation steckt. VW nennt 30 Minuten reine Arbeitszeit. 

Für die Kunden dürfte eine Stunde realistisch sein - rein zum Autohaus, dort den Papierkram machen, auf die Einfahrt in die Werkstatt warten, dann die halbe Stunde dort, dann wieder raus. Vielleicht gibt es auch Wartezeiten.

Mit der 90-Minuten-Rechnung ergeben sich gut 200 Arbeitstage für eine Kfz-Arbeitskraft - wenn diese sich ausschließlich mit dem Rückruf beschäftigt. Je nach Personalschlüssel und Werkstattkapazitäten bräuchte also jeder VW-Servicepartner etliche Wochen für die Aktion. Und das neben dem Tagesgeschäft wie HU-Abnahme oder Reifenwechseln.

Müssen Audi-, Seat und Skoda-Kunden etwas beachten?

Neben den knapp 2200 VW-Partnern gibt es noch eine kleinere, nicht näher bekannte Zahl von autorisierten Servicebetrieben. Diese decken die ebenfalls vom Rückruf betroffenen VW-Schwestermarken Audi, Seat, Skoda und VW-Nutzfahrzeuge ab, nicht aber gleichzeitig auch die Kernmarke VW-Pkw.

Müssen VW-Kunden selbst aktiv werden?

Nein. In den nächsten Tagen, in Kalenderwoche vier, sollen zunächst alle Halter eines VW-Pick-Up-Trucks Amarok mit dem 2,0-Liter-Dieselmotor in Abgasnorm Euro-5 Post erhalten. Sie könnten dann voraussichtlich ab Ende Januar in die Werkstätten. 

Wann müssen Passat und Golf in die Werkstatt?

Die betroffenen Autos sollen in mehreren Wellen über das gesamte laufende Jahr zurückgerufen werden. Dafür erteilt das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) nach und nach Freigaben.

Nach den Amaroks folgen die ersten Varianten der Passat-Diesel mit 2,0 Liter Hubraum und Euro-5 - aber erst in einigem Abstand. Die ersten Passat-Halter sollen demnach frühestens im Februar Post bekommen. Wann die übrigen Passats drankommen, ist noch unklar. Auch zum Verkaufsschlager Golf, dem meistverkauften Pkw hierzulande, sind noch keine Details klar. VW will aber möglichst zeitnah informieren.

Die vielen Wellen bei Anschreiben und Rückrufen hängen an den vielen Varianten, die sich mit den verschiedenen Motorgrößen, Modellreihen, Baujahren und Getriebearten ergeben. Frühestens ab April sind die betroffenen Motorversionen mit 1,2 Liter Hubraum an der Reihe. Im Herbst folgen die 1,6-Liter-Maschinen. Bei ihnen ist auch der Einbau eines Röchrchens mit Gitternetz nötig, es reicht nicht nur das Update der Software. Dennoch soll auch hier die reine Arbeitszeit noch unter einer Stunde liegen.

Gibt es eine Entschädigung für deutsche VW-Kunden?

Die gute Nachricht: VW verspricht: „Wir bieten allen betroffenen Kunden eine angemessene und kostenfreie Ersatzmobilität an.“ Die schlechte: Eine Entschädigung für VW-Kunden in Europa soll es anders als in den USA nicht geben. In den USA bekommen VW-Kunden je 1000 Dollar bestehend aus Bargeld und Gutscheinen für VW-Händler. 

Werden Autos künftig strenger geprüft?

Das Bundesverkehrsministerium nimmt als Konsequenz aus dem Abgas-Skandal bei Volkswagen gleich mehrere Neuregelungen in den Blick. Technische Prüfdienste, die für einen Autohersteller tätig sind, sollten sich künftig in einer Rotation abwechseln, teilte ein Sprecher am Montag in Berlin mit.

Die VW-Untersuchungskommission des Ministeriums habe zudem vorgeschlagen, staatliche Prüfstände für Emissions-Nachmessungen aufzubauen. Damit könnten nach Ansicht von Experten wirtschaftliche Abhängigkeiten zwischen Prüfinstituten und Herstellern vermieden werden.

Außerdem sollen Hersteller dem Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) künftig ihre Motorsoftware offenlegen. Dadurch wäre es leichter, etwaige Abschaltvorrichtungen, mit denen ein Fahrzeug „merkt“, ob gerade ein Abgastest läuft, zu erkennen. 

Bundesverbraucherminister Heiko Maas vorgeschlagen, die künftige Rolle des KBA zu überdenken. (mit Material der dpa/rk)

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