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Extrem schnell und extrem teuer: der Lamborghini Veneno.

Genfer Autosalon

Riskantes PS-Rennen

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Die Exponate auf dem Genfer Autosalon zeichnen sich vor allem durch eins aus: viele PS. Gleichzeitig will die Branche grüner werden. Das passt nicht zusammen.

In Genf fährt eine Armada von Kraftmeiern vor, die ihresgleichen sucht. 500 PS müssen es schon sein. Mercedes kommt bei seinem C63 mit 507 Pferdestärken knapp über die Marke. VW-Tochter Audi hat einen A6-Kombi auf 580 PS hochgezüchtet. Autowissenschaftler Ferdinand Dudenhöffer warnt davor, dass Genf zum Ausgangspunkt „eines neuen PS-Rennens“ der deutschen Autobauer wird. Die Branche laufe Gefahr, in eine neue Glaubwürdigkeitsfalle zu rennen. Es gehört längst zum guten Ton der Manager, viel von Öko und Umwelt zu reden. Wie zu dessen Beglaubigung hat VW-Chef Martin Winterkorn den XL1 anrollen lassen – ein Ein-Liter-Auto.

Doch der Konzern hält sich auch eine Supersport-Abteilung, und die präsentiert den Lamborghini Veneno. Von dem Wagen werden nur drei Exemplare gebaut, das Stück für 3,57 Millionen Euro. Damit es zügig vorangeht, ist der Pkw mit einem 750-PS-Motor ausgestattet.

Den Vogel aber schießt Ferrari ab. Der Wagen heißt schlicht La Ferrari, verfügt wie viele Superschnelle über Elektro- und Ottomotor. Von dem Wagen werden immerhin 499 Exemplare vor allem für reiche Sammler gefertigt. Damit es von 0 auf 100 Stundenkilometer weniger als drei Sekunden dauert, erzeugt der Antrieb eine Leistung von 963 PS.

Gewinner sind gehobene Kategorien

La Ferrari wird sicher nicht den Konzern, von dem er gebaut wird, retten. Aber Fiat zeigt damit etwas, das auch für Normal-Autokäufer wichtig ist: technisches Know-how. Immer in der Hoffnung, dass ein Imagetransfer auf andere Modelle stattfindet. So soll die gebeutelte Schwestermarke Alfa Romeo mit dem Sportwagen 4C neuen Schub bekommen, dabei soll auch der US-Markt eine entscheidende Rolle spielen.

Fiat-Chef Sergio Marchionne hat seine Lektion aus den jüngsten Entwicklungen des Automarktes gelernt. Die großen Gewinner sind die Autobauer, die in der gehobenen Kategorie unterwegs sind. Vor allem in Nordamerika und in China verkaufen sich Premiumfahrzeuge von Audi, BMW und Mercedes vorzüglich. Einbußen in Europa fallen erheblich moderater aus als bei Massenmarken wie Fiat, Peugeot oder Opel. Apropos, Opel hat das Premiumthema auf ganz eigene Weise interpretiert und sich die BMW-Marke Mini zum Vorbild genommen. Mit dem Rocks hoffen die Rüsselsheimer, ein Kleinwagen-SUV auf die Straße zu bringen, für das die Kunden bereit sind, einen Lifestyle-Aufschlag zu zahlen.

Ob das gelingt, ist fraglich. Denn die Erwartungen für den europäischen Markt verfinstern sich zunehmend. Philippe Varin, Chef der Peugeot-Mutter PSA, warnte in Genf: „Wir sollten uns nicht auf eine Erholung in Europa verlassen.“ Seinen Konzern hat es besonders heftig erwischt. Auf dem Genfer Autosalon zeigen die Franzosen den Onyx. Das ist eins dieser Autos, die typisch sind für die Kfz-Messe in der Schweiz. Es erinnert an einen Kampfjet, dem die Flügel gestutzt wurden. Für Schub sorgt ein Kombiantrieb aus Verbrennungs- und Elektromotor, ein Konzept das einst für Öko-Autos reserviert war. Der Onyx könnte Chancen bei reichen Amerikanern oder wohlhabenden Chinesen haben. Doch der Wagen ist nur eine weitere von so vielen Konzept-Studien der Franzosen, die nicht in Serie gehen.

Der Onyx steht aber auch als Beispiel für die Ambition der Autobauer. Alle wollen jetzt was ganz Besonderes bieten. Wenn vom Ausgestellten auf dem Autosalon eine Schlussfolgerung abgeleitet werden kann, dann diese: So viel Premium wie möglich – das gilt als Rettungskonzept für die Branche, die in Europa unter der heftigsten Absatzkrise seit 20 Jahren leidet.

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