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Werkstattkosten senken

Reparatur mit Gebrauchtteilen

Schon ein kleines Missgeschick beim Einparken kann ein großes Loch in die Haushaltskasse reißen. Das Beseitigen der Beule im Stoßfänger ist oft teuer.

München (dpa/tmn) - Schon ein kleines Missgeschick beim Einparken kann ein großes Loch in die Haushaltskasse reißen. Denn oft veranschlagt die Werkstatt für das Beseitigen der Beule im Stoßfänger eine stolze Summe.

Für das Originalersatzteil, Montage, Lackierung und Arbeitslohn kommen schnell einige Hundert Euro zusammen. Deutlich billiger ist die Reparatur mit Gebrauchtteilen. Es handelt sich dabei um Ersatzteile, die beim Entsorgen ausgemusterter Wagen ausgeschlachtet werden. Das können Kunststoffstoßfänger sein, Türen, Scheinwerfer oder Aggregate wie die Lichtmaschine. Gehandelt werde alles, was an einem Auto dransitzt, sagt Hagen Hamm vom Verbund der Autoverwerter in Deutschland in Glückstadt in Schleswig-Holstein.

Beim Zentralverband Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK) in Bonn heißt man diese Variante gut. "Damit können die Reparaturkosten erheblich reduziert werden", sagt Sprecherin Claudia Schiffer. Je nach Zustand oder Anbieter können Gebrauchtteile um mehr als die Hälfte günstiger als die entsprechenden Originalersatzteile sein.

Auch der ADAC in München hält diese Variante deshalb für eine gute Möglichkeit - besonders, wenn der Wagen schon älter ist. "Es macht keinen Sinn, an einen über zehn Jahre alten Wagen noch einen neuen Kotflügel zu montieren", sagt ADAC-Sprecher Maximilian Maurer.

Doch ADAC und ZDK machen eine wichtige Einschränkung: Müssen sicherheitsrelevante Komponenten wie die Bremsen ersetzt werden, sei von Gebrauchtem dringend abzuraten. Davon abgesehen hat jedoch selbst das Allianz Zentrum für Technik (AZT) in München keine Einwände gegen gebrauchte Teile. Nach Einschätzung der Reparaturforscher ist der Einsatz von Schraubteilen jederzeit möglich. Einschweißteile seien bedingt akzeptabel, sicherheitsrelevante Gebrauchtteile abzulehnen.

Wünschen Kunden die Reparatur mit Gebrauchtteilen, sollten sie in der Werkstatt darauf hinweisen. "Prinzipiell ist es so, dass der Kunde das Teil eingebaut bekommt, das er haben möchte", sagt Schiffer. Laut AZT ist aber zu beachten, dass sich bei Reparaturen an der Karosserie innerhalb der Gesamtkosten der Anteil für das Lackieren erhöht: Gebrauchtteile hätten fast immer Beschädigungen an der Oberfläche. Zudem seien die benötigten Teile nicht immer problemlos zu bekommen.

In dieser Hinsicht hat sich aber zuletzt einiges getan: Mussten Interessenten früher meist sämtliche Schrottplätze in der Umgebung abklappern, lässt sich die Suche heute vom PC aus bewerkstelligen. Unter www.autoverwerter-deutschland.de bietet der Verbund der Autoverwerter eine Plattform zur Recherche für Gebrauchtteile an.

Über die Webseite lässt sich laut Hagen Hamm abrufen, welche gebrauchten Teile die 150 angeschlossenen Autoverwerter in Deutschland sowie die ebenfalls angebundenen Firmen in Dänemark zu welchem Preis auf Lager haben. Ist ein Teil geeignet, kann der Interessent per E-Mail mit dem Betrieb Kontakt aufnehmen, der es in der Regel per Post liefert.

Auch bei Unfallschäden können sich Gebrauchtteile anbieten. Laut Katrin Rüter vom Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) in Berlin übernehmen die Versicherer höchstens 130 Prozent des Wiederbeschaffungswertes eines beschädigten Fahrzeugs. Übersteigt die Reparatur diese Summe, müsste der Geschädigte den Rest aus eigener Tasche beisteuern. Er kann sich aber auch nach Gutachten auszahlen lassen und eine Werkstatt suchen, die den Wagen mit Gebrauchtteilen repariert. Dann hat er vielleicht sogar noch einen Restbetrag übrig.

Recherche-Plattform für Gebrauchtteile: www.autoverwerter-deutschland.de

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