1. Startseite
  2. Ratgeber
  3. Auto

Prüfer träumen vom Europa-TÜV

Erstellt: Aktualisiert:

Kommentare

Die technischen Experten vom TÜV überprüfen weit mehr als nur Autos. Künftig wollen die hiesigen Organisationen europaweit aktiv sein.
Die technischen Experten vom TÜV überprüfen weit mehr als nur Autos. Künftig wollen die hiesigen Organisationen europaweit aktiv sein. © FR

TÜV Süd und TÜV Nord wollen mehr als eine Fusion. Erklärtes Ziel ist mindestens eine bundesweit einheitliche Prüfgesellschaft. Die Bayern träumen aber sogar weiter - von einem Europa-TÜV.

München - Anfang nächsten Jahres soll es so weit sein: TÜV Nord und TÜV Süd wollen dann fusionieren. Doch das ist nur der erste Schritt. Danach soll eine Einbeziehung des TÜV Rheinland und der Prüforganisation in Österreich folgen. Ziel sei nicht nur ein bundesweit einheitlicher, sondern auch ein "Europa-TÜV", sagte der Vorstandschef des TÜV Süd, Peter Hupfer, zur Bilanzvorlage in München. Wenn erst einmal alle deutschsprachigen Prüfgesellschaften unter einem Dach seien, "müssen wir auf Europa losgehen", meinte der altersbedingt 2008 ausscheidende Hupfer.

Wenn hier zu Lande nächstes Jahr die letzten staatlichen TÜV-Monopole verloren gehen, erreiche der Wettbewerb endgültig eine europäische Dimension. Die Münchner als größte heimische Prüfgesellschaft und der Hannoveraner TÜV Nord stellten sich dem mit ihrer Fusion. Hürden auf dem Weg dorthin sieht Hupfer nicht. Auch das Kartellamt habe im Vorfeld bereits Zustimmung signalisiert. "Es wird keine Entlassungen geben", versicherte Hupfer zudem den insgesamt 18 000 Beschäftigten der beiden TÜV-Firmen. Es gebe keine regionalen Überlappungen, sondern eine ideale Ergänzung zu einer bundesweit nahezu flächendeckenden und künftig wettbewerbsbedingt auch notwendigen Präsenz.

Synergieeffekte seien deshalb allerdings ebenfalls gering. Ziel des Zusammenschlusses sei vielmehr gemeinsames Wachstum speziell im Ausland. Klappt die TÜV-Ehe, gäbe es in Deutschland nach Jahren der Konsolidierung mit dem TÜV Rheinland und dem TÜV Saarland nur noch zwei weitere Prüfgesellschaften unter dem Kürzel mit den drei Buchstaben. Da ein fusionierter TÜV Süd und Nord europaweit mit 1,8 Milliarden Euro Umsatz zum zweitgrößten technischen Prüfer aufsteigen würden, sehen Branchenkenner einen Zwang für TÜV Rheinland und Saarland, ebenfalls zu einer größeren Einheit zu finden. Als einzige Alternative zum bundesweiten Einheits-TÜV gilt eine Übernahme durch die Dekra.

Die Bayern treiben an

Insider verweisen aber auf das Problem, die bundesweite Marke Dekra mit der in diesem Fall auf Rheinland-Pfalz, Teile Nordrhein- Westfalens und Berlin/Brandenburg beschränkten Marke TÜV zu vereinen. Außerdem gebe es in dieser Konstellation Überschneidungen und Stellenabbau. Treibende Kraft hinter der Verschmelzung der einst auf Landesgrenzen beschränkten TÜV-Organisationen sind die Bayern.

Der TÜV Süd ist mit einem im Vorjahr um 13 Prozent auf 1,17 Milliarden Euro erhöhten Umsatz und knapp 11 000 Beschäftigten nicht nur die größte der vier deutschen TÜV-Firmen. Mit einem Gewinn von 126 Millionen Euro, 14 Prozent plus vor Steuern, sei man auch die profitabelste, so Hupfer. Der TÜV Nord erreicht bei Umsatz, Personal und Rendite jeweils die Hälfte der Bayern.

Angesichts dieser Relationen wird klar, welche Züge die bevorstehende Fusion trägt. "Wir holen den TÜV Nord in unseren Garten", sagte Hupfer. Er zeigte sich zuversichtlich, beim neuen Partner ähnliche Sprünge bei der Profitabilität zu erreichen, wie in den vergangenen Jahren in München. Da soll künftig auch die gemeinsame Zentrale des neuen Riesen sein. Als dessen Vorstandschef ist der Vorstandsvorsitzende der Hannoveraner, Guido Rettig, im Gespräch.

Weder die Fusion noch die weiteren Schritte nach Europa würden einen Börsengang der Nachfolgegesellschaft des TÜV Süd nötig machen, sagte Hupfer. Sein TÜV werde zwar wie ein börsennotiertes Unternehmen geführt. "Eine Notwendigkeit zum Gang an die Börse sehen wir im Moment aber noch nicht." Thomas Magenheim

Auch interessant

Kommentare