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Premiere für den Golf-Rivalen

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Erstmals startet Ford auf zwei Kontinenten parallel die Produktion eines Autos: Der Focus III geht nicht nur im Saarland in Produktion, sondern auch im US-Werk Wayne.
Erstmals startet Ford auf zwei Kontinenten parallel die Produktion eines Autos: Der Focus III geht nicht nur im Saarland in Produktion, sondern auch im US-Werk Wayne. © Hersteller

Die dritte Generation des Golf-Rivalen läuft vom Band: Im Werk Saarlouis wurde offiziell die Produktion der dritten Generation des Ford Focus gestartet. Als „Weltauto“ soll er nicht nur Europa erobern.

Von Friedemann Siering

Der offizielle Start der Produktion des Golf-Konkurrenten Ford Focus III im Werk Saarlouis ist ein Pflichttermin für den saarländischen Ministerpräsident Peter Müller (CDU), schließlich ist die Autofabrik mit 6500 Beschäftigten sowie 2000 Mitarbeitern in Zuliefererparks größter Arbeitgeber des kleinen Bundeslandes. Die Premiere in Saarlouis war indes mehr als ein Pflichttermin für einen Mann, der inzwischen zu einer der Schlüsselfiguren im US-Konzern aufgestiegen ist: Gunnar Herrmann (50). Der Leverkusener ist als „Line Director“ für das wichtige C-Segment , also die gesamte Kompaktklasse zuständig im US-Konzern.

Herrmann hat sein Chefbüro im europäischen Entwicklungszentrum von Ford in Merkenich; von dort aus wird das Projekt Focus III global gesteuert. Unter Herrmanns Führung haben 1500 Ingenieure den neuen Focus konstruiert und die passende Fertigungsarchitektur entworfen. Wie schon der Kleinwagen Fiesta, der auf drei Kontinenten produziert wird, ist laut Ford auch der neue Focus ein „Weltauto“.

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Bisher hatte der Konzern drei unterschiedliche Plattformen im C-Segment, jetzt ist es nur noch eine. Auf dieser Bodengruppe werden rund zehn verschiedene Modelle basieren, vom Focus über den Familienwagen C-Max und den hoch gelegten Kuga bis zu weiteren, bislang noch unter Verschluss gehaltenen Ausführungen. In Europa, Amerika und Asien soll es bis 2012 insgesamt neun Fertigungsstätten für das Kompakt-Segment der Focus-Familie geben.

Glitzernde Leisten für China

Die Modelle werden sich (je nach Marktanforderung) zwar in einigen Details unterscheiden, aber aus Kostengründen weitgehend baugleich sein. Außerdem muss Ford auf landeseigene Präferenzen Rücksicht nehmen: So wird in Europa der Focus eher als Schrägheck geordert, in den USA eher als Stufenheck. Chinesen stehen auf Chrom, wissen die Ford-Leute. Daher wird die Frontpartie dort mit ein paar glitzernden Leisten zusätzlich verziert.

Erstmals startet Ford auf zwei Kontinenten parallel die Produktion eines Autos: Der Focus III ging gestern nicht nur im Saarland in Produktion, sondern auch im US-Werk Wayne, nicht weit von der US-Zentrale in Dearborn. Der Konzern, der in den vergangenen zwei Jahren ins Wanken kam und sich nun Schritt für Schritt von seinen hohen Schulden befreit, setzt auf den Newcomer. „Der Focus ist unser Flaggschiff“, hat Unternehmenschef Alan Mulally verkündet. Entsprechend hoch sind die Erwartungen. Bis zu 2,5 Millionen Exemplare will Ford in der Kompaktklasse jährlich verkaufen.

Mit einem Bausatz unterschiedliche Autos zu bauen - damit hat Herrmann Erfahrungen gesammelt in Zusammenarbeit mit der inzwischen verkauften Konzerntochter Volvo und dem japanischen Mazda-Konzern. Für den Focus II, den Volvo S 40 und den Mazda 3 wurde eine gemeinsame Plattformstrategie entwickelt. „Es war der gleiche Bausatz, aber wir haben ganz verschiedene Autos generiert“, erzählt Herrmann. „Wir haben gemerkt: Die Plattform-Strategie funktioniert.“ Das mit Mazda und Volvo praktizierte Kooperationsmodell wurde zur globalen Strategie aufgeblasen.

Spritpreise müssten steigen

Herrmann ist ein freundlicher Rheinländer, der Gelassenheit ausstrahlt und gerne lacht. „Mein Job ist mein Hobby“, sagt der Line Director. Gleich nach dem Abitur machte er eine Lehre bei Ford als Blechschlosser, absolvierte dann die renommierte Wagenbauschule in Hamburg und ging Mitte der 80er Jahre als Ingenieur zurück zu Ford. Sein erstes Projekt dort war der Escort Van, für den er den Ladeaufbau konstruierte. Nach einem zweiten Hochschulabschluss an einer englischen Uni ging er für anderthalb Jahre in die USA und kehrte 1994 wieder zurück, um den Focus der ersten Generation und schließlich auch der zweiten mitzuentwickeln. Seit 2002 ist er der Chefentwickler des C-Segments.

Gunnar Herrmann pendelt monatlich zwischen den USA und Europa und sitzt in Merkenich regelmäßig in Audiokonferenzen, um sich mit den Kollegen in Asien und Amerika abzustimmen - manchmal schon um vier Uhr morgens (mitteleuropäische Zeit). Längst ist er mit der weiteren Evolution des Focus III befasst, dessen Markterfolg indes auch von Faktoren abhängig ist, auf die Herrmann keinen Einfluss hat. Eigentlich müsste er sich einen Anstieg der Spritpreise in den USA wünschen. Denn dann wächst im Land der großzügig motorisierten Autos die Bereitschaft, auf kleinere Autos wie den Focus III umzusteigen.

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