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Plötzlich im Gegenverkehr – was Autofahrer tun können

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Viele Autofahrer kennen sie aus Österreich: Auch an einigen Auffahrten in Bayern werden diese knallgelben Warnschilder seit einiger Zeit getestet.
Viele Autofahrer kennen sie aus Österreich: Auch an einigen Auffahrten in Bayern werden diese knallgelben Warnschilder seit einiger Zeit getestet. © dpa

Am Wochenende hat ein 36-jähriger Fahrer die falsche Autobahn-Auffahrt genommen und wurde beim Zusammenstoß mit einem Laster schwer verletzt. Auch der Lkw-Fahrer wurde verletzt. Lesen Sie hier, was Sie tun können, wenn Sie in den Gegenverkehr geraten.

Von René Kohlenberg

Ein Geisterfahrer ist auf der Autobahn 4 in Sachsen mit seinem Wagen gegen einen entgegenkommenden Laster geprallt und schwer verletzt worden. Bei dem Unfall östlich von Dresden wurde am Samstag nach Angaben der Polizei auch der 39 Jahre alte Lkw-Fahrer verletzt. Die Autobahn musste in beide Richtungen stundenlang gesperrt werden. Erst in der Nacht zum Sonntag sei die Straße wieder freigegeben worden, sagte ein Polizeisprecher. Der Schaden wird auf rund 130 000 Euro geschätzt.

Der mit Gummiteilen beladene Laster kippte nach dem Zusammenstoß um und fing Feuer. Er brannte komplett aus. Der 36 Jahre alte Geisterfahrer durchbrach mit seinem Wagen das Brückengeländer und musste von der Feuerwehr aus dem Fahrzeug befreit werden. Rund 70 Helfer waren im Einsatz. Der Mann war falsch auf die Anschlussstelle Kodersdorf gefahren und etwa 1000 Meter weit gekommen.

Leider ist dies kein Einzelfall, immer wieder geraten Autofahrer in den Gegenverkehr. Trotz diverser Ansätze bei der Verkehrsführung und erster konkreter Warnschilder (siehe weiter unten) werden Menschen immer wieder zu Geisterfahrern. Nach Angaben des ADAC werden pro Jahr etwa 3000 Falschfahrer gemeldet, 2200 allein auf den Autobahnen.

Was Sie tun können, wenn Sie in den Gegenverkehr geraten

Die realistische Einschätzung der eigenen Fahrtüchtigkeit kann helfen, unbeabsichtigte Falschfahrten zu vermeiden. Das gilt vor allem für Menschen, die aus beruflichen oder privaten Gründen extrem aufgewühlt sind und nicht abschalten können.

„Wer regelmäßig Sorgen oder berufliche Aufgaben während der Fahrt wälzt, kann sich mit folgender Vorstellung helfen: Vor dem Einsteigen ins Auto werden die ablenkenden Gedanken in einer Kiste verstaut und erst am Ziel wieder ausgepackt. So bleibt der Kopf für eine sichere Fahrt frei“, so die Susanne Eichelbaum, Psychologin des Tüv Rheinland.

Falls man bemerkt, dass man selbst als Falschfahrer unterwegs ist, sollte man Abblendlicht und Warnblinkanlage einschalten, soweit wie möglich an den nächsten Fahrbahnrand fahren und anhalten. Anschließend sollte man möglichst das Fahrzeug auf der dem Verkehr abgewandten Seite verlassen, hinter einer Leitplanke Schutz suchen und per Telefon die Polizei unter 110 verständigen.

Wichtig: Autofahrer sollten auf keinen Fall quer über die Fahrbahnen auf den Standstreifen wechseln oder auf der Autobahn wenden.

Wie Sie sich bei Geisterfahrern richtig verhalten

Die Deutsche Verkehrswacht (DVW)rät Autofahrern, den Verkehrsfunk zu hören, um vor Geisterfahrern gewarnt zu werden. Liegt eine Meldung über einen Falschfahrer im eigenen Streckenabschnitt vor, empfiehlt die DVW Autofahrern, die Straße bei der nächsten Gelegenheit zu verlassen und abzuwarten, bis der Verkehrsfunk Entwarnung gibt.

Solange man auf einer Strecke unterwegs ist, auf der ein Geisterfahrer gemeldet wurde, sollten Autofahrer in gemäßigtem Tempo auf der rechten Fahrspur fahren und auf keinen Fall überholen. So bleibt die linke Spur frei, damit der Geisterfahrer dorthin ausweichen kann. Ein langsames Tempo erleichtert es dem Fahrer, dem Falschfahrer gegebenenfalls auszuweichen, wenn er in Sichtweite kommt.

Tipp: Schalten Sie das Abblendlicht immer ein. Sie werden so auch am Tage wesentlich besser gesehen!

Geisterfahrten aufgrund von Regen und Nebel

Silke Eichelbaum: „Vielen Menschen fällt es schwer, sich im Dunkeln zu orientieren, vor allem bei Regen oder Nebel.“ Kämen Faktoren wie Stress oder private Sorgen dazu, steige die Gefahr, Fehler zu machen.

Wer weiß, dass er bei schlechten Sichtverhältnissen und nachts unsicher unterwegs ist, sollte genau überlegen, welche Fahrten tatsächlich notwendig sind. Regelmäßige Sehtests sind zudem für Autofahrer sehr sinnvoll, um mit zunehmendem Alter mögliche Schwächen rechtzeitig zu erkennen.

Weitere Ursachen für Geisterfahrten sind laut Hans-Ulrich Sander, Kfz-Experte und Sachverständiger des Tüv Rheinland, eine unübersichtliche Fahrbahnführung in Baustellen und schlechte Beschilderungen an Auf- und Abfahrten. Vorbeugend wirken könnten daher große, eindeutige, gut sichtbare Schilder an Gefahrenpunkten wie Auf- und Abfahrten sowie an Raststätten.

Leichtsinnige und Selbstmörder im Gegenverkehr

Ein kleiner Anteil der Geisterfahrer fährt jedoch bewusst in der falschen Richtung auf die Autobahn auf. Für diese vorsätzlichen Taten gibt es zwei Ursachen: Mutproben oder Selbstmordabsichten. „Eine selbstmordgefährdete Person zu erkennen ist sehr schwer“, weiß die Psychologin.

Sie rät Angehörigen, Freunden und Arbeitskollegen aufmerksam zu sein. Eichelbaum: „Äußert ein Freund oder eine Kollegin in einem Gespräch Selbstmordabsichten, ist es wichtig, aktiv Hilfe zu holen.“ Ansprechpartner seien der Hausarzt, Beratungsstellen, eine Mitarbeiterberatung oder ein Mitarbeitertelefon.

Was unternimmt die Politik gegen die Gefahr?

Im Rahmen eines Modellprojektes sollen demnächst auf einer Autobahn im Raum München elektronische Geisterfahrer-Warnsysteme in Betrieb gehen. „Wir haben drei neue Pilotanlagen installiert: Drei Ausfahrten auf der A9 bei Garching-Süd, Garching-Nord und Eching werden mit elektronischen Warnelementen ausgerüstet“, sagte Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) dem Magazin „Focus“.

Im Rahmen des Projekts sollen letztlich nicht nur Falschfahrer selbst, sondern auch alle anderen Autofahrer in dem Bereich der Fernstraße über Radio, Navigationsgerät oder Internet vor dem Geisterfahrer gewarnt werden. Bislang werden nur an einigen Auffahrten in Bayern knallgelbe Warnschilder mit dem Hinweis „Stop Falsch“ nach dem Vorbild Österreichs getestet. (mit Material der dpa und Ampnet)

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