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Des Papstes Auto - Die Geschichte des Papamobils

Wenn der Papst auf Tuchfühlung mit den Gläubigen geht, rollt er langsam durch die Massen. Vom umgerüsteten Panzerglas-Mercedes ...

Stuttgart. Wenn der Papst auf Tuchfühlung mit den Gläubigen geht, rollt er langsam durch die Massen. Vom umgerüsteten Panzerglas-Mercedes aus segnet er die Menschen. Die Geschichte des Papamobils begann allerdings mit einem polnischen Gelände-Lkw.

Eigentlich gibt es nur Gerüchte: Dass sich Papst Benedikt XVI. bei seinem anstehenden Deutschlandbesuch (22. bis 25. September) in einem Hybrid-Mobil den Gläubigen zeigen wird. Dass es rein elektrisch fahren könne - und in Situationen, in denen eine Flucht nötig werden könnte, auf einen leistungskräftigen Verbrennungsmotor zurückgreifen könne. Und dass dieses Papamobil einmal mehr von Mercedes gestellt werde. Doch offizielle Informationen gibt es nicht über die Mobilität des Heiligen Vaters in naher Zukunft. Christian Anosowitsch aus der Presseabteilung von Mercedes mauert: «Wir sagen gar nichts.»

Generell reden die Hersteller - wenn überhaupt - mit äußerster Vorsicht über Fahrzeuge, die zur Repräsentation und eben auch zum Schutz von Prominenz gebaut werden. Zu riskant wäre es, wenn Details zur Sonderschutzausstattung in falsche Hände gerieten. Im Fall des Papamobils ist nur eines unumstritten: Fast überall, wo Benedikt XVI. ein Bad in der Menge nimmt, fährt er in einem Papamobil aus Stuttgart. Zuletzt war er beim Weltjugendtag in Madrid mit einem umgerüsteten Mercedes ML mit dem typischen gläsernen Sonderaufbau unterwegs - ein Wagen, den der Papst schon seit Jahren nutzt.

«Mercedes ist der Haus- und Hoflieferant des Vatikan», sagt der Autor Thomas Pospiech, der zum Thema Papstmobil für ein Buch über Automobile recherchiert hat. Zurück geht die Stuttgart-Vatikanstaat-Verbindung bis ins Jahr 1930. Damals schenkte Mercedes Papst Pius XI. eine aufwendig umgebaute, aber gänzlich ungepanzerte Pullman-Limousine des Typs Nürburg 460. Von einem «Wunderwerk der Technik» soll der Heilige Vater nach einer Probefahrt in den Gärten des Vatikan gesprochen haben. Denn bis dahin waren der Papst und seine Vorgänger nur selten mit Autos gereist.

Automobile Geschenke an das Oberhaupt der katholischen Kirche waren allerdings schon ab 1909 gang und gäbe. Im Fuhrpark des Vatikan hatten sich bis in die 1920er Jahre Luxus-Gefährte von Fiat, Bianchi, Graham-Paige, Itala oder Citroën angesammelt, war bei Mercedes zu erfahren. «Mittlerweile ist der Papst unter den Top 5 der weltweiten Autosammler und konkurriert mit Autonarren wie dem Sultan von Brunei», sagt Autor Pospiech. Im Museo delle Carrozze seien einige zu sehen, weitere Anfertigungen und viele Preziosen seien in der päpstlichen Tiefgarage verrammelt - für die Öffentlichkeit tabu. Insgesamt gebe es mehr als 60 Papamobile.

Papa - so bezeichnen die Italiener den Papst. Der Begriff Papamobil kam erst zu Beginn der 80er Jahre mit der ausgeprägten Reiselust von Johannes Paul II. auf. Mehr als alle seine Vorgänger zusammen soll er gereist sein. Für die vielen öffentlichen Auftritte musste ein Vorzeigeauto her, in dem der Papst für möglichst viele Menschen sichtbar war. Das erste Papamobil wurde 1979 gebaut, gleich nach Beginn des Pontifikats von Johannes Paul II. Nicht in Stuttgart, sondern in seinem Heimatland Polen. «Die Firma Star in Starachowice baute es auf Basis eines dreiachsigen Gelände-Lkw mit Allradantrieb», berichtet Pospiech. Ausgestattet war es mit einem offenen Gerüst, der Heilige Vater stand unter einem Baldachin.

Der berühmte transparente Kastenaufbau stammt von Mercedes. Installiert wurde er an einem Mercedes 230 G, den Johannes Paul II. im Herbst 1980 anlässlich seines Deutschlandbesuchs bekam. Anders als vielfach angenommen, bestand die Kuppel nicht aus Glas, sondern aus Kunststoff. Und sie konnte bei schönem Wetter abgenommen werden. Nach dem Attentat 1981 blieb die Konstruktion stets auf dem Wagen. «Damals war er in einem offenen Papamobil unterwegs», so Pospiech.

Gegen beschlagene Scheiben bei Regenwetter oder Hitze gab es eine leistungsstarke Klimaautomatik. Scheinwerfer konnten den Heiligen Vater anstrahlen. Elektrische Trittbretter erleichterten ihm das Ein- und Aussteigen. Eine besonders komfortable Federung sollte auch Fahrten durchs Gelände zum Sänftenritt machen.

2002 schenkte Mercedes dem Papst den ML 430, mit dem er zuletzt in Madrid durch die Menge der Gläubigen rollte. Nötig für langsame Dauerfahrten ist wie bei den vorherigen Autos ein spezielles Getriebe. Die Säulen der aufgesetzten Kastenkabine auf dem ML 430 sind dicker und die Konstruktion besteht aus Panzerglas. Wie das Vorgängermodell ist der Wagen mit einem Perlmutt-Lack lackiert und innen mit weißem Leder und goldfarbenen Zierteilen ausgestattet. Der V8-Motor hat mit 200 kW/272 PS doppelt so viel Dampf.

Nicht unwahrscheinlich, dass Benedikt XVI. bei seinem kommenden Deutschlandbesuch wieder in diesem Wagen fahren wird. Denn Mercedes, so räumt Sprecher Anosowitsch dann doch noch ein, plant erst für 2012 ein neues Papamobil auf Basis der neuen M-Klasse. Nicht unwahrscheinlich ebenfalls, dass dieser Wagen dann dem Zeitgeist entspricht und den Papst elektrisch befördern wird.

Thomas Pospiech: Auto - Das große Sammelsurium, Riva, 400 Seiten, 19,95 Euro, ISBN-13: 9783868830507. (dpa/tmn)

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