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Auch wenn es nicht so aussieht, viele der Modelle sind noch sehr gut erhalten.

Auktion

Oldtimer aus Scheune sollen Millionen bringen

Völlig unerwartet tauchten im vergangenen Jahr rund 100 Klassiker der Automobilgeschichte auf. Auch Alain Delons Ferrari war darunter. Jetzt werden die Oldtimer aus der Scheune versteigert und sollen mehrere Millionen Euro bringen.

Eigentlich sollte der Franzose Roger Baillon nach seinem Militärdienst den Hof seiner Eltern im Westen Frankreichs übernehmen. Doch der junge Mann hatte ganz andere Pläne. Den Militärdienst brach er frühzeitig ab und wurde Luftfahrtmechatroniker bei Air France. Als Kind seiner Zeit bewunderte er moderne Technik und vor allem die im frühen 20. Jahrhundert aufblühende Automobilindustrie: Baillon begann Motorwagen zu sammeln.

Heute verdanken Oldtimer-Liebhaber dem 1995 gestorbenen Baillon eine zuvor völlig unbekannte Autosammlung, die es so wohl kein zweites Mal geben wird. Insgesamt 59 Modelle aus der Kollektion Baillon sollen am 6. Februar für Millionen Euro den Besitzer wechseln. Die Erben wollen sich nach 50 Jahren Stillstand damit von einem Großteil der Sammlung trennen, nachdem auch Roger Baillons Sohn Jacques 2014 gestorben war.

Luxusmarken der 20er und 30er Jahre

Gänzlich unerwartet waren insgesamt 100 Klassiker der Autogeschichte wieder aufgetaucht - völlig verstaubt und von Unkraut und Sträuchern bewachsen. Die Experten des Pariser Auktionshauses Artcurial konnten ihren Augen kaum trauen. „Was diese Entdeckung so einzigartig macht, ist die hohe Zahl an gut erhaltenen Originalmodellen“, sagen sie.

Roger Baillons Vorliebe galt vor allem den französischen Luxusmarken aus den 1920er und 1930er Jahren: Delage, Delahaye, Talbot Lago und Voisin. Aber auch Modelle von Rolls-Royce, Bugatti, Maserati und Ferrari konnte er für seine Sammlung gewinnen. Ein besonderes Highlight: der Ferrari 250GT SWB California Spider, Baujahr 1961.

Dieses Cabriolet wurde überhaupt nur 37 Mal gebaut, was seinen Sammlerwert in die Höhe schießen lässt. Jede Fertigung wurde akribisch dokumentiert; dieses Modell jedoch galt unter Historikern als verschollen. Zu alledem soll der Wagen dem französischen Filmstar Alain Delon gehört haben und sich in einem außergewöhnlich guten Zustand befinden. Sein geschätzter Verkaufspreis liegt damit zwischen 9,5 und 12 Millionen Euro.

Der Traum eines Automuseums

Als einer der wenigen seiner Zeit erkannte Sammler Baillon den historischen Wert der Fahrzeuge. Er war fest entschlossen, viele Modelle vor der Verschrottung zu bewahren. Und das zu einer Zeit, zu der das Sammeln ein eher ungewöhnliches Hobby war. Der Vordenker träumte von einem eigenen Automuseum, das es so allerdings nie geben sollte. Seine Nachfahren können sich heute über ein Millionenerbe freuen.

Schon immer war Roger Baillon leidenschaftlicher Bastler. Fahrzeuge arbeitete er geschickt auf und machte sich deren Technik zunutze. Mit aufpolierten Lastwagen stieg er erfolgreich in die internationale Transportbranche ein und machte sich schließlich als Karosseriebauer auf der Pariser Automobilmesse „Salon de l'Auto“ einen Namen.

Für immer einzigartig

Dank dieser Leidenschaft bietet die Kollektion Baillon heute eine beeindruckende Reise durch die Entwicklungsgeschichte des Autos. Von den frühen Anfängen der Produktion bis zu den 1970er Jahren. Aus dem Jahr 1914 etwa ist ein Delahaye-Coupé mit Chauffeur-Kabine zu ersteigern. Etwa 40 Jahre später war man sportlicher unterwegs. Ein weiterer Höhepunkt der Auktion ist der Maserati Gran Sport Frua von 1956. Er wird auf eine Million Euro geschätzt.

Der Artcurial-Experte Pierre Novikoff erwartet jedenfalls eine einzigartige Auktion: „Eine solche Sammlung wird weltweit nirgends mehr ans Tageslicht kommen.“ (mit Material der dpa)

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