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Kleiner Roadster mit kleinem Motor: Der Honda S660 hat einen Dreizylinder mit 0,66 Liter Hubraum unter der Haube.

Auto-Messe

Was die Motorshow in Tokio zu bieten hat

Kleine Vans und dicke Limousinen: Japans Straßen bieten wenig Abwechslung. Wer jedoch einen Blick auf die Neuheiten der Tokyo Motor Show wirft, wird sich wundern, denn hier zeichnen die Hersteller ein bunteres Bild der Zukunft.

Kleine Preise, hohe Qualität und saubere Antriebe – damit sind die japanischen Automobilhersteller groß geworden. Doch Lust und Leidenschaft kommen einem beim Blick auf die Bestseller von Toyota und Co. nicht sofort in den Sinn. Das könnte sich bald ändern. Diesen Eindruck bekommt man bei einem Rundgang über die Motorshow in Tokio. Denn dort präsentieren sich die japanischen Autobauer zwei Jahre nach der Erdbeben- und Reaktorkatastrophe in Fukushima stark und selbstbewusst wie lange nicht mehr und drängen in zahlreiche Nischen.

Die Japaner trumpfen in Tokio vor allem mit Coupés, Cabrios, Gelände- und Sportwagen auf. So zeigt die noble Toyota-Tochter Lexus ihr Portfolio um das elegante Mittelklasse-Coupé RC, das nach Angaben von Markenchef Mark Templin 2014 weltweit in den Handel kommt.

Toyota, Honda und Nissan

Die Konzernmutter Toyota hat zwar neben dem GT-86 als seriennaher Roadster-Studie eher bodenständige Neuheiten für den Heimatmarkt auf dem Stand. Doch eine Tochterfirma aus der Region um Fukushima präsentiert nebenan den Yaris als Cabrio, das flankiert wird von einer Crossover-Variante des Yaris und einer Sportversion.

Honda stellt dem SUV CR-V den kleineren Bruder Vezel zur Seite und will damit gegen Konkurrenten wie den Opel Mokka antreten. Der Vezel ist vom Jazz abgeleitet und soll ab 2015 erhältlich sein. Neu ist auch der Honda S660 – ein nur 3,40 Meter langer Roadster, der mit seinem 0,66 Liter großen Dreizylindermotor in die Kategorie der Kei-Cars fällt und ebenfalls 2015 starten soll – allerdings nicht in Europa. Das gilt auch für den Mini-Roadster Daihatsu Kopen, der neuerdings mit

„K“ geschrieben wird.

Nissan hat für den überarbeiteten Sportwagen GT-R und die nachgeschärfte Version GT-R Nismo mit 600 PS starkem V6-Motor sehr wohl auch die deutsche Kundschaft im Blick. Und auch die neue Generation des Subaru Levorg wird es hierzulande zu kaufen geben – wie gewohnt unter dem Namen Legacy.

Antriebe in Tokio: Hybrid ist Standard

Leistungsstarke Turbo-Modelle und schnittige Coupés sind auf der Motorshow in aller Munde, Öko-Technik ist dagegen fast kein Thema mehr: Über den Hybridantrieb spricht man nicht – den hat man einfach. Auch Elektroautos sind bei den meisten japanischen Marken längst Standard. Einzige Ausnahme ist Mazda. Der Hersteller aus Hiroshima hat um alternative Antriebe bislang einen Bogen gemacht und holt jetzt in Tokio das Verpasste nach: Auf der Messe gibt es den Mazda3 als seriennahe und auch für den europäischen Markt denkbare Studie mit Erdgas-Motor sowie als erstes Hybridmodell der Marke.

Andere Hersteller sind da deutlich weiter. Der Mitsubishi-Stand zum Beispiel steht voller Plug-in-Hybridmodelle. Toyota und Honda liefern sich gar ein Wettrennen bei der Brennstoffzelle. Beide Marken wollen den Wasserstoffantrieb ab 2015 anbieten und zeigen diese Woche entsprechende Studien. Zum direkten Showdown kommt es nicht: Während Toyota das stromlinienförmige FCV Concept in Tokio enthüllt hat, zieht Honda das Tuch von seinem Brennstoffzellen-Auto auf der zeitgleich stattfindenden Motorshow in Los Angeles.

Viele Doppelpremieren mit Los Angeles

Asien oder Amerika? Diese Frage haben sich auch die europäischen Autobauer gestellt – und mit einer salomonischen Lösung beantwortet: Sie haben sich den Zeitunterschied zunutze gemacht und ihre Neuheiten auf beiden Kontinenten gleichzeitig enthüllt: Das Kompakt-SUV Porsche Macan, der neue Mini, das F-Type Coupé von Jaguar und die Sportlimousine Mercedes S 65 AMG sind auf beiden Messen zu sehen.

Nur der VW Twin-Up, der als Plug-in-Hybrid mit Zweizylinder-Diesel und 1,1 Liter Normverbrauch laut Hersteller zum sparsamsten Viersitzer der Welt wird, gibt allein in Tokio seinen Einstand. Obwohl der kleine Spritsparer noch als Studie gilt, wirkt er neben den visionären und verspielten Konzeptautos der Japaner beinahe wie aus dem Museum. Ein Lenkrad, vier Räder, eine konventionelle Karosserie? Wenn man sich Fahrzeuge wie den elektrisch angetriebenen und mit Gewichtsverlagerung ohne Lenkrad gesteuerten Toyota FV2, den wie ein Jet für die Straße gestylten Nissan Bladeglider oder den etwa für Flughäfen gedachten Elektro-Hocker Unicab B von Honda anschaut, scheint das alles bald überflüssiger Ballast zu sein. (dpa, dmn)

Sehen Sie hier die Stars der Tokio Motorshow in Bildern.

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