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Das ist mal ein starkes Stück: Der Claas Axion 850 wurde vor rund einem Jahr angeschafft und hat satte 260 PS.

High-Tech-Trecker

Was moderne Traktoren alles können

Die laut scheppernden Schlepper von einst sind mittlerweile wahre Technik-Wunder. Die Fahrerkabine ist vollgestopft mit Monitoren, Joysticks, Knöpfen und gleicht einem Flugzeug-Cockpit. Sehen Sie hier, was ein moderner Traktor alles kann.

Von René Kohlenberg und Julia Todorinc

Vor den Toren Kölns liegt „Gut Neu-Hemmerich“. Der Hof in Frechen baut unter anderem Kartoffeln an und besitzt zwei Traktoren. Einen kleineren für Säh- und Düngearbeiten und den großen Claas Axion 850 für den Transport und die Bodenbearbeitung des Feldes. Dieser Riese ist drei Meter hoch, 5,70 Meter lang und rund 2,80 Meter breit.

Herr über diese 264 PS starke Maschine ist Diplom-Agraringenieur Martin Christ. „Im Sommer verbringt man teilweise den ganzen Tag von morgens früh bis in die Nacht auf dem Fahrzeug“, so der Landwirt. „Früher war das ganz schön anstrengend, aber die neuen Maschinen bieten da schon einen ganz anderen Komfort“.

Die Reifen des Traktors überragen unseren Redakteur (1,82 Meter) und sind mit lediglich 1,6 Bar aufgepumpt. Wenn es jedoch auf's Feld geht, wird der Luftdruck auf bis zu 0,6 Bar verringert. So vergrößert sich der Rollwiderstand und die Griffigkeit der Pneus deutlich – der Spritverbrauch allerdings auch.

Gleiches Tempo im Vor- und Rückwärtsgang

Trotz seiner acht Tonnen (Zum Vergleich: Ein VW Passat wiegt zwischen 1,5 Tonnen und 1,8 Tonnen) bringt es der Claas Axion 850 auf bis zu 50 km/h Spitze – und dank des Wechselgetriebes fährt er diese sowohl vor- als auch rückwärts. Auf dem Feld liegt die Geschwindigkeit bei rund 10 km/h. Die Maschine verfügt über ein Hexashift-Getriebe mit sechs Lastschaltstufen (Gängen), die jeweils noch mal vier Feinabstufungen haben.

Und so ein Traktor braucht natürlich ordentlich Sprit. 500 Liter fasst der Diesel-Tank. Hinzu kommen mehrere Liter AdBlue. Diese synthetisch hergestellte Lösung wird bei der Abgasnachbehandlung beigemischt und verringert den Schadstoffausstoß deutlich. Im Durchschnitt verlangt der Riese 16,7 Liter pro Stunde. Getankt wird auf dem Hof selbst, wo sich riesige Treibstofftanks befinden.

Die Fahrerkabine gleicht einem Cockpit

Doch nicht nur Getriebe und Motorleistung des Traktors sind beeindruckend, vor allem die Fahrerkabine hat es in sich. Sie gleicht eher einem Computer-Kontrollzentrum oder einem Flugzeug als einem Traktoren-Führerhaus. Das Lenkrad ist per Fußpedal nach vorne klappbar. Der Sitz ist voll hydraulisch und passt sich dem Gewicht des Fahrers an. Wer sich auf den Stuhl fallen lässt, hat das Gefühl aufgefangen zu werden.

Rechts vom Fahrer befinden sich zwei Displays und eine Konsole mit Joystick, an der Decke sind weitere Schalter, Lautsprecher und das Radio angebracht.

Der Traktor übernimmt die Kontrolle

Auf dem Cebis-Display (der kleinere der beiden Bildschirme) wird das Getriebe angezeigt und gesteuert. Dort wird auch die Drehzahl des Motors eingestellt und die einzelnen Gänge eingelegt. Über diesen Bordcomputer lassen sich zudem die angehängten Geräte verwalten. Der Fahrer kann zum Beispiel auch dem Computer mitteilen, wie breit ein angehängter Hänger ist.

Das rechts daneben hängende Display ist für die automatische Steuerung zuständig. Der Traktor kann auf Wunsch selbstständig fahren. Dafür muss der Fahrer eine Strecke abfahren, der Computer merkt sich diese und der Traktor fährt diese anschließend alleine ab. Mittels satellitengestützter Navigationssysteme (RTK) ist der Traktor dabei auf bis zu 2,5 Zentimeter genau.

Hindernisse erkennt der Computer jedoch nicht. Der Fahrer muss also stets wachsam sein und im Notfall eingreifen – in diesem Fall geht die Maschine sofort aus dem Autopilot-Modus raus.

Soviel Technik muss natürlich auch bedient werden können. „Beim Kauf von diesem Traktor gab es eine Schulung vom Hersteller, die wir direkt mit dazu gekauft haben", so Martin Christ. Zuvor sei es aber üblich, dass man einige Probefahrten mit dem Traktor unternehme. Wer solch ein Getüm fahren will, benötigt die Führerscheinklasse T.

Damit der Traktor zuverlässig seinen Dienst verrichtet, gibt es sowohl nach 600 Arbeitsstunden, als auch nach 1200 Arbeitsstunden eine Inspektion. Auch der Tüv schaut sich das Fahrzeug regelmäßig an. Der Preis solch hochmoderner Traktoren liegt bei rund 600 Euro bis 700 Euro pro PS.

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