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Stilikone: der Mini. 

Britische Auto-Legende

Ikone, Rennmaschine, Spaßmobil -das müssen Sie über den Mini wissen

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  • Ulrich Weih
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Vor 60 Jahren bauten die Briten den Mini - ein Auto, das für unglaublichen Fahrspaß sorgt und auch heute noch Tausende in seinen Bann zieht. 

Die Legende ist einfach zu schön - egal, ob es sich tatsächlich genau so zugetragen hat: Alec Issigonis soll seine ersten Skizzen für den Mini auf eine Serviette (Oder war es eine Tischdecke? Oder die Rückseite von einem Briefumschlag?) gezeichnet haben. Zack! Ein genialer Entwurf.

Ganz so einfach war es wohl nicht. Rund acht Jahre hat die British Motor Corporation (BMC) am Mini getüfftelt. Die Vorgaben an die Entwickler waren klar: Ein kostengünstiges Auto für vier Personen plus Gepäck schaffen, das gute Fahrleistungen mit geringem Spritverbrauch verbindet. Nichts leichter als das.

Die Suez-Krise von 1956 soll dem Projekt noch zusätzlichen Schub verliehen haben. Um die Abhängigkeit vom Erdöl zu mindern, sollte ein kleines Spar-Auto mit geringem Spritverbrauch entstehen, „ein kompakter Blechkasten mit einem Rad an jeder Ecke.“ Die Briten brauchten ein einfaches und bezahlbares Transportmittel, ähnlich wie es der VW Käfer in Deutschland oder die Ente von Citröen in Frankreich war.

Cleverer Summe aus guten Ideen 

Am 26. August 1959 ist es dann so weit: Die BMC präsentiert den Mini: Ein Knirps von rund drei Metern Länge, der auf kleinen 10-Zoll-Räder steht. Vorne ist ein Vierzylindermotor quer eingebaut. Dazu gibt es Frontantrieb, Einzelradaufhängung und zwei kleine Kulleraugen-Scheinwerfer. Fertig. Die einzelnen konstruktiven Lösungen hatte es zwar alle schon vorher gegeben, sie waren aber bis dahin noch nie in einem Auto kombiniert worden.

So einfach kann ein Auto konstruiert sein: Skizze des Mini. 

Eine geniale Entscheidung ist für den unverwechselbaren Charakter des Mini mitentscheidend: Der kleine Motor wird vorne quer eingebaut. Und Maschine, Getriebe und Differenzial sind in einem gemeinsamen Gehäuse mit einem einzigen Ölkreislauf untergebracht. So benötigt die komplette Antriebseinheit des Minis weniger Platz und die Maße des Autos bleiben kompakt. Der Ur-Mini war lediglich 3,05 Meter lang. Die überzeugende Raumökonomie wird später von vielen anderen Herstellern kopiert, VW etwa übernimmt das Konzept Jahre später beim Golf.

Der Radstand von gerade einmal 2,03 Meter sorgt für extreme Wendigkeit  – ideal für die Parkplatzsuche in Großstädten und für Fahrten auf engen britischen Landstraßen. Trotzdem kommen vier Personen einigermaßen gut unter. Der Mini ist innen größer als es von außen den Anschein hat.

Weil die British Motor Corporation (BMC) aus den beiden Unternehmen Morris und Austin hervorgegangen ist, läuft der Kleine in zwei unterschiedlichen Werken vom Band und nennt sich entweder Austin Se7en (Seven) oder Morris Mini-Minor. Die Unterschiede sind marginal: anderer Kühlergrill, Radkappen und Karosseriefarben. Erst 1969, also zehn Jahre später, einigt man sich auf ein gemeinsames Mini-Logo. 

Liebenswerte Blechkiste mit Rädern an den Ecken - der Mini.

John Cooper macht dem Mini Beine

Die Leistung des Motors ist für heutige Verhältnisse bescheiden, Anfang der 1960er-Jahre aber durchaus respektabel für einen Kleinwagen. Er ist eine Weiterentwicklung der BMC-A-Maschine, die sich bereits im Morris Minor und im Austin A 25 bewährt hatte. Der kleine Motor mit 848 ccm leistet 34 PS. Ganze 60 Nm Drehmoment lassen sich bei 2900 U/min aus ihm herausquetschen. Das reicht mit Ach und Krach für eine Spitzengeschwindigkeit von 115 Kilometern pro Stunde. In einem Land, in dem auf den wenigen Autobahnen maximal 70 mph (112 km/h) erlaubt sind aber nicht wirklich ein Problem. 

Das Konzept des leichten Kleinwagens weckte schon früh das Interessen von John Cooper. Der britische Rennwagenkonstrukteur, der mit seinen Eigenentwicklungen in den Jahren 1959 und 1960 die Formel-1-Weltmeisterschaft gewinnen konnte, war mit Mini-Entwickler Alec Issigonis befreundet. Cooper wusste schon früh vom Mini-Projekt und hatte die Möglichkeit, einen Prototypen zu fahren. Den fand er, trotz der geringen Leistung, aufgrund der selbstragenden Karosserie und des geringen Gewichts gepaart mit dem Frontantrieb als absolut geeignet für die Rennstrecke und den Rallye-Sport. Issigonis war allerdings gegen Tuningmaßnahmen, das er im Mini einen reinen Familienwagen sah. Ein Prototyp mit einem größeren Hubraum (jetzt 997 ccm) und  gesteigerter Leistung auf nunmehr 55 PS überzeugte dann allerdings auch den Entwickler des Zwergs. Das Fahrzeug kommt als "Mini Cooper" auf den Markt, die Legende war geboren. Später sollte noch der "Cooper S" folgen, mit auf 70 PS bei 1071 ccm Hubraum, gefolgt vom der nächsten Entwicklungsstufe mit 1275 ccm und 75 PS. 

In der heutigen Zeit klingt nicht gerade nach besonders viel Leistung. Aber der Mini wog nur zwischen 620 und 670 Kilogramm, was ein extrem günstiges Leistungsgewicht zur Folge hatte. Zur Erinnerung: Der Porsche 356 B des Modelljahres 1962 hatte auch nur 75 PS, die er aus 1,6 Litern Hubraum erzeugte. Das allerdings bei einem Gewicht von 900–935 kg. 

„Go-Kart-Feeling“ in den Kurven 

Die sehr kurzen Federwege und die direkte Lenkung sorgen beim Mini für ein tolles Einlenkverhalten in Kurven: Das sprichwörtliche „Go-Kart-Feeling“ ist einfach traumhaft auf kurvigen Strecken und sorgt noch heute für ein breites Grinsen bei denen, die solch einen Klassiker steuern dürfen.

Ausreichend Leistung bei geringem Gewicht kombiniert mit sehr guten Fahreigenschaften - kein Wunder, dass der Mini vom Rennsport entdeckt und geschätzt wird. Besonders auf Bergstrecken kann er seine Trümpfe ausspielen. Leichtfüßig rennt der Kleine Kurve um Kurve die Berge hoch.

Der Mini gewinnt viermal nacheinander die Rallye Monte Carlo. Niki Lauda fährt als 18-Jähriger seine ersten Siege auf einem Mini Cooper S ein.

Historische Konstruktion einfach akzeptieren  

Aber es gibt auch gravierende Nachteile: Beispielsweise ist bis 1968 der erste Gang nicht synchronisiert. Das kann bei ungeübten Fahrern für knirschende Geräusche sorgen. Die Schaltung ist insgesamt nicht besonders präzise. Aber da findet man sich schnell rein. Dazu brüllt der Motor ohrenbetäubend bei hohen Drehzahlen. Dass es keine Servolenkung, beim Standard-Mini keinen Bremskraftverstärker oder elektronischen Firlefanz gibt - eh klar. Der Federungskomfort ist eher bescheiden, bzw. so gut wie nicht vorhanden. Aber im Rennsport stört das nicht.

Der Mini hat sich in unzähligen Motorsport-Veranstaltungen bewährt.

Auch im Alltag müssen sich Mini-Fahrer mit leichten Einschränkungen arrangieren: Der Kofferraum ist winzig, Gepäck muss zur Not eben auf die Rückbank. Aber für lange Urlaubsfahrten ist der Mini ohnehin nicht gedacht, denn der extrem kurze Vorderbau erlaubt keine entspannte Sitzposition. Man schlüpft in den Wagen - wer opulente Sitze mit Armlehnen erwartet, ist hier komplett verkehrt. Zudem kommt bei den ersten Modellen ein Problem zum Vorschein, das bei ursprünglichen Testfahrten im Sommer nicht aufgefallen war. Durch den "offenen Grill" dringt Wasser in den Motorraum und setzt die Elektrik der Zündspule außer Kraft. Gerade im nicht regenarmen Großbritannien ein Ärgernis, was geübte Fahrer aber durch den Einsatz von schützenden Plastiktüten in den Griff bekamen.

Viele Alltagsautos werden vom Rost weggefressen 

Die verbaute Technik ist wirklich sehr einfach, die Trommelbremsen (nur die Cooper-Modelle hatten vorne kleine Scheibenbremsen) verzögern eher gemächlich. Der gemeinsame Ölkreislauf von Motor, Getriebe und Differenzial braucht alle 5000 Kilometer frisches Öl. Und die 10-Zoll-Räder sorgen für einen enormen Reifenverschleiß. Aber hey: Wir sprechen über ein Auto, das vor 60 Jahren konstruiert wurde. Also nicht meckern. 

Zuverlässiger und konsequenter Rostschutz ist leider in den 60er Jahren beim Mini noch nicht angesagt. Viele Hohlräume sind komplett unversiegelt und erweisen sich heute als fiese Rostnester. Auch an Türen, Hauben oder Kotflügeln frisst sehr gerne Rost. Dasselbe gilt für Radhäuser, Schweller, Kofferraumboden und Bodenblech - aber das ist nach einigen Jahrzehnten Gebrauch normal.  

Der Motor braucht wie gesagt regelmäßig frisches Öl, bei sportlicher Fahrweise mit hohen Drehzahlen leiden die Lager. Auch die Lager des Viergang-Getriebes verschleißen gern. Schon nach 80.000 Kilometern ist häufig ein Austausch notwendig. Knarzt es beim Runterschalten, könnten die Synchronringe fällig sein. Alles nicht tragisch, aber zu beachten. 

Ein „klassenloses“ Auto 

Dafür überzeugt der Mini durch gute Fahrleistungen, Handlichkeit und vergleichsweise moderatem Benzinverbrauch von 7 Litern auf 100 Kilometer. Richtig günstig in der Anschaffung war er jedoch schon früher nicht. Der Einstiegspreis lag bei 497 englischen Pfund. Und bei einem Dauertest lagen die Kosten pro Kilometer etwa doppelt so hoch wie bei einem Renault R4.

Dennoch ist der Mini gewissermaßen „klassenlos“. Er gilt nicht als billiges Auto für Leute, die sich nicht mehr leisten können. Im Gegenteil, er trifft das Lebensgefühl der 60er. Prominente wie die Beatles holen sich den Knirps. Natürlich auch Mr. Bean. Und selbst Enzo Ferrari bestellt sich einen.

Immer wieder gern gesehen: Mini bei einer Oldtimer-Rallye nahe Berlin. 

Über die Jahre werden ständig kleine Verbesserungen vorgenommen. So werden 1984 die 10-Zoll-Räder gegen 12-Zoll-Modelle ersetzt – für Fans schlichtweg inakzeptabel. Doch wirkliche Fortschritte gehen am Mini weitgehend vorbei. Das macht natürlich auch den Charme des Kleinwagens aus. Der Mini ist unverwechselbar und seine Charakteristik stets beibehalten.

Am Ende zählt nur der einfache, klassische Mini 

Vom Mini existieren eine Reihe von Karosserievarianten: Schon 1960 gibt es einen geschlossenen Kastenwagen, später einen rundum verglasten Kombi. 1961 folgt dann ein Pick-up - und schließlich sogar der Moke. Dieser Mini ist ursprünglich für die britische Armee gedacht, doch mangels Leistung, Zuladung und natürlich fehlender Bodenfreiheit wird dieser Plan schnell wieder aufgegeben. James Bond hat damit keine Probleme und fährt den Mini Moke in „Man lebt nur zweimal“.   

Daneben gibt es noch eine Limousinen-Variante mit längerem Stufenheck, die als Wolseley Hornet bzw. Riley Elf angeboten wird. 

Auch wenn jede Variante ihren eigenen Reiz hat: Am Ende schätzen viele Fans den klassischen Mini am meisten. Und wenn etwas den Pulsschlag der Liebhaber besonders beschleunigt, dann sind das die Cooper-Versionen mit modifiziertem Fahrwerk, etwas mehr Hubraum und ordentlich Motorleistung. Nirgendwo sonst ist das Fahrerlebnis atemberaubender als in einem „scharfen“ Mini. 

Mehr als 5 Millionen Minis gebaut 

Gebaut wird der Mini von Sommer 1959 bis Herbst 2000, am Ende laufen insgesamt 5.387.862 Minis vom Band. Die Marktlage ist ok, auch an Ersatzteile kommt man vergleichsweise gut heran. Besonders gesucht und daher ziemlich teuer sind - wie zu erwarten - die Cooper-Versionen. Aber Vorsicht: Wer sich mit dem Gedanken trägt, einen "echten" Cooper der 60er oder 70er Jahre zu kaufen, sollte sich sehr genau informieren. Durch die hohe Nachfrage auch aus dem asiatischen Raum sind unzählige Fälschungen im Umlauf. Standard-Minis, die Nachträglich zu den wesentlich begehrteren Cooper und Cooper-S Modellen umgebaut wurden. Für einen echten Cooper S bis Baujahr 1971 legt man je nach Ausführung schon mal 25.000 bis 35.000 Euro auf den Tisch. Ein Fahrzeug mit belegter Historie im Rennsport kann sogar noch teurer werden - wenn es sowas überhaupt auf dem Markt gibt. Altere Minis auf 12 Zoll bzw. 13 Zoll Rädern, die noch bis Ende 1990er Jahre von Rover hergestellt wurden, sind da deutlich günstiger. Allerdings nicht weniger aufwändig in Unterhalt und Pflege. Seine Schwächen hat der Mini über all die Jahre nicht ablegen können.

Die lange Bauzeit des Minis hat eine sehr gute Ersatzteillage zur Folge. Was hier nicht zu bekommen ist, gibt es fast immer in Großbritannien - dürfte aber nach vollzogenem Brexit teurer sein als in den letzten Jahren. 

Ach ja: Der ab 2001 gebaute sogenannte „Mini“ ist pure Marketing-Strategie von BMW und hat überhaupt nichts mit einem echten Mini zu tun. Bitte niemals in einem Atemzug mit einem echten Mini erwähnen. Die Puristen kennen da keinen Spaß. 

Adressen

Club: www.miniregister.de

Literatur: Austin / Rover Mini. Reparaturanleitung. Band 1196. Bucheli Verlag 

Von ganz klein auf richtig groß: Der VW Bulli   

Wer etwas mehr Platz braucht als im Mini zur Verfügung steht, sucht vielleicht eher so etwas wie einen VW Bus. Ein Bulli versprüht Charme - und er hat in seiner Klasse Maßstäbe gesetzt. Viele träumen von einem VW Bus, aber er ist verdammt teuer. Wir stellen einige Alternativen vor.  

Ok, VW Bullis sind heiß begehrt - selbst alte Schrottkisten werden zu horrenden Preisen angeboten. Ein paar grundlegend wichtige Dinge über die verschiedenen Baureihen erfahren Sie hier

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