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Zeitdruck macht Autofahrer aggressiv – das ist einer der Hauptgründe, warum Fahrer zu Rüpeln und Rasern werden.

Wut am Steuer

Was macht Autofahrer so schnell aggressiv?

Es reicht schon ein zu spätes Setzen des Blinkers, oder ein zu dichtes Auffahren – und schon explodiert so mancher Autofahrer. Doch warum werden selbst ruhige Verkehrsteilnehmer zu Cholerikern? Und wie bekommt man die Wut in den Griff?

Von René Kohlenberg

Der Ton auf Deutschlands Straßen ist rau. Die Straßen sind voll, es wimmelt von Autos, Motorrädern, Rollern und Fahrrädern. Die Infrastruktur ist der Belastung schon lange nicht mehr gewachsen. Kilometerlange Staus gehören zum Alltag. Doch auch die Menschen scheinen überfordert. Manchmal reicht schon ein etwas zu langsam fahrender Ortsunkundiger – und aus einem eigentlich ruhigen und verständnisvollen Fahrer wird ein echter Choleriker.

„Es hängt stark von der Infrastruktur ab. Je voller die Straßen, desto größer ist der Nährboden für Aggressionen“, erklärt Karin Müller, Expertin für Gesundheitsmanagement des TÜV Rheinland. Zu viele Autos, zu wenige gut ausgebaute Straßen, der Verkehr stockt. „Eine klassische Situation für aggressives Verhalten ist eine Baustelle, oder mehrere Baustellen, die den Fahrer aufhalten“, so Müller weiter.

Zeitdruck führt zu erhöhter Aggression

Doch nicht nur der teils schlechte Zustand unserer Infrastruktur wirkt sich auf das Verhalten der Autofahrer aus: „Die Umstände müssen im Zusammenhang mit dem Zustand des Fahrers gesehen werden. Bin ich chronisch gestresst, ausgeschlafen oder eher angeschlagen.“

Auch die Persönlichkeit spielt bei der Aggression eine Rolle, wichtiger aber noch ist der Zeitdruck der Verkehrsteilnehmer. „Natürlich sind manche cholerischer als andere, aber Aggression hängt auch davon ab, wie stark der Zwang ist beispielsweise einen Termin einzuhalten. Entscheidend ist, wie stark bewertet man das Verhalten anderer als Bedrohung für sich.“

Was Männer und Frauen unterscheidet

Neben dem ständig wachsenden Zeitdruck und der verstopften Straßen gibt es noch ein sehr wesentliches Merkmal, das Einfluss auf das Fahrverhalten hat – das Geschlecht. Gibt es wesentliche Unterschiede zwischen Mann und Frau am Steuer? „Ja, die gibt es. Die Quote der Frauen, die wegen aggressiver Tendenzen zu einer MPU müssen, geht in Deutschland gegen Null“, erklärt die TÜV-Expertin.

„Ich könnte mir jedoch vorstellen, dass mit der Rollenveränderung – immer mehr Frauen arbeiten, haben Termindruck und fahren nicht nur zum Einkaufen – die Aggressivität zunimmt.“

Was tun gegen Wut am Steuer?

Kaum einer kann allein für mehr Platz auf den Straßen sorgen, oder sein Geschlecht wechseln. Was also können Autofahrer gegen die Aggressivität am Steuer tun? Karin Müller rät: „Vorbeugen ist der Schlüssel. Man muss einen Wechsel finden zwischen Spannung und Entspannung.“

Das Problem: Nicht jeder schafft es ausreichend zu schlafen, oder rechtzeitig loszufahren. „In der konkreten Situation muss man sich klar machen, dass die anderen es auch nicht mit Absicht machen. Wenn mich jemand schneidet, hat er mich vielleicht nicht gesehen“, so die Expertin für Gesundheitsmanagement. „Autofahrer, die sich bedroht fühlen, sollten sich sagen, dass es nicht gegen sie persönlich gerichtet ist.“

Entspannter fahren mit Jazz

Übrigens, auch mit der Wahl der Musik können Autofahrer dazu beitragen, dass sie gelassener werden. „Es ist durch Studien bewiesen, dass rhythmische Musik das Erregungs-Niveau steigert, damit ist auch das Aggressions-Potenzial höher. Der Körper synchronisiert sich ein Stück weit mit der Musik.“

Tipp: Basslastige elektronische Musik eher meiden, stattdessen ein ruhiges Jazz- oder Klassik-Stück wählen.

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