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Der 7er BMW - (hier Baujahr 2005) - wird im Alter erschwinglich, aber auch nicht ganz billig. Er zählt zu den gefragteren Oberklassemodellen aus zweiter Hand.

Gebrauchtwagen

Luxusmodelle für kleine Geldbeutel

Viele Autofahrer träumen von einer dicken Limousine, oder einem schnittigen Sportwagen. Für einen Neuwagen fehlt jedoch oft das nötige Kleingeld. Als Gebrauchtwagen sind die Luxusmodelle jedoch auch was für kleine Geldbeutel

Eine neue Mercedes S-Klasse kostet mindestens 80.920 Euro, ein Audi A8 startet bei 76.700 Euro. Und einen 7er BMW gibt es nicht unter 74.200 Euro. Da muss man schon Firmenchef oder Sehr-viel-besser-Verdiener sein, um sich solch eine Luxuslimousine leisten zu können.

Oder etwas Geduld haben. Denn als Gebrauchte werden die Oberklassemodelle erschwinglich: Die S-Klasse aus dem Jahr 2000 ist im Schnitt für 6765 Euro zu bekommen, ein 14 Jahre alter 7er für 7250 Euro, der A8 dieses Jahrgangs für 5580 Euro - Michael Gebhardt vom Onlinemarktplatz Autoscout24 kann dafür zahlreiche Beispiele nennen.

Hoher Neupreis bedeutet hoher Wertverlust

Der Grund ist logisch: Die üblichen 50 Prozent Wertverlust in drei Jahren fallen bei einem sehr hohen Neupreis erheblich mehr ins Gewicht als bei einem niedrigen, erläutert Morvarid Talaei-Außenhof vom Marktbeobachter Schwacke.

Neben dem absoluten Wertverlust gehen bei Autos der Oberklasse tendenziell die prozentualen Werte in die Höhe. Das liegt nicht zuletzt an der technischen Aufrüstung: „Generell verliert Sonderausstattung schneller an Wert als das nackte Fahrzeug. Da der Ausstattungsgrad bei Luxusmodellen besonders hoch ist, wirkt sich dies zusätzlich negativ auf den Wertverlust aus“, erklärt Talaei-Außenhof.

Luxusmodelle oft günstiger als kleinere Autos

Auch der Zeitgeist macht den Dickschiffen zu schaffen, sagt Dieter Fess vom Restwertspezialisten Bähr & Fess: „Schluckspechte sind außer Mode gekommen.“ Oberklasse-Limousinen mit acht und mehr Zylindern stünden sich als Gebrauchte die Reifen platt, und selbst großvolumige und leistungsstarke Diesel verlören deutlich mehr an Wert als moderater motorisierte Varianten: „Da kann es schon mal sein, dass ein Modell mit V12 plötzlich billiger ist als der Sechszylinder.“

Dies gilt auf dem Gebrauchtwagenmarkt laut Fess nicht nur für die Motorisierungen, sondern auch für ganze Modellreihen: „Die BMW X5, Audi Q7 und Mercedes ML dieser Welt liegen bei den Restwerten mit bis zu vier Prozentpunkten schlechter als die kleineren Modelle X3, Q5 oder GLK.“ Schlecht für den Vorbesitzer, gut für Schnäppchenjäger.

S-Klasse ab 25.000 Euro

Wer von dieser Entwicklung profitieren möchte, dem geben die Experten ein paar Tipps: „Egal, in welchem Segment: Am besten fahre man mit Gebrauchten, die mindestens fünf Jahre alt sind, wenige Kilometer und möglichst viel Ausstattung haben, sagt Fess. „Denn in den ersten Jahren ist der Wertverlust am größten.“ Paradebeispiel dafür seien in der Luxusliga die Modelle der gerade ausgelaufenen Mercedes S-Klasse: „Exemplare mit deutlich unter 80.000 Kilometern und sehr guter Ausstattung sind bereits für 25.000 Euro zu haben.“

VW Phaeton für den kleinen Geldbeutel

Weil das aber viele wissen, gehen die Modelle von Mercedes oder auch BMW in der Regel schneller vom Hof als die der Mitbewerber, sagt Malte Krüger, Geschäftsführer der Gebrauchtwagenplattform Mobile.de. Er rät deshalb, mal einen Blick auf den VW Phaeton zu werfen: Der koste halb so viel wie ein durchschnittliches Oberklasseauto und warte vergleichsweise lange auf einen Käufer. „Auch das ist ein Grund, mit dem Händler noch einmal über den Preis zu diskutieren.“

Noch günstiger kann es laut Krüger werden, wenn man etwas weiter schaut: Es muss ja nicht immer deutsch sein. Der Mobile-Chef nennt beispielhaft die Modelle Cadillac CTS, Lexus LS und Maserati Quattroporte. „Hier ist das Angebot zwar meist überschaubar, aber exotische Fabrikate sind aufgrund der geringeren Nachfrage oft deutlich günstiger zu haben als die deutsche Konkurrenz.“

Auge auf die Elektronik werfen

Doch Vorsicht: Ob deutscher Platzhirsch oder Importmodell - auch die Luxusschnäppchen vom Gebrauchtwagenmarkt können gehörig ins Geld gehen, warnt Gebhardt von Autoscout24: „Oberklasse bleibt auch gebraucht Oberklasse“, sagt der Experte hinsichtlich hoher Fixkosten und Ersatzteilpreise. „Deshalb gelten auch beim Kauf von Luxusschnäppchen die üblichen Kriterien: Probefahrt vereinbaren, Karosserie auf Rost prüfen, Motor in Augenschein nehmen.“

Ein besonderes Augenmerk sollte dabei der Elektronik gelten, die in den Oberklasse-Modellen früher und umfangreicher eingesetzt wurde als bei kleineren Fahrzeugen: „Wenn die Mängel aufweist, kann der Halter diese in der Regel nicht selbst reparieren. Dann kann es richtig teuer werden“, mahnt Gebhardt.

Luxusmodelle sind ein gutes Geschäft

Wer aber das richtige Auto findet, der kann sich nicht nur günstig den Traum vom Luxusauto erfüllen, sondern sogar ein gutes Geschäft machen. „Der Wertverlust ist in den ersten Jahren deutlich größer und lässt mit dem Alter spürbar nach“, sagt Preisexperte Fess. „Wer eine gebrauchte S-Klasse oder einen 7er weitere sechs Jahre fährt, wird vom hohen Restwert überrascht sein.“

In seltenen Fällen kann der Restwert sogar über dem Kaufpreis liegen: „Der BMW Z8 zum Beispiel ist heute als Gebrauchter teurer als damals als Neuwagen“, sagt Fess und erwartet eine ähnliche Entwicklung für den gerade eingestellten Mercedes SLS.

„Doch die Sache hat einen Haken“, warnt er eilige Schnäppchenjäger: „Man muss erst einmal den Anschaffungspreis aufbringen und dann genügend Luft haben, den Wagen auch fünf bis zehn Jahre halten zu können. Sonst geht der Schuss womöglich nach hinten los.“ (dpa)

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