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Kein Gläschen in Ehren

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Wenige Tage vor der heißen Phase der Fassenacht hat das Bundeskabinett sich für ein totales Alkoholverbot in den ersten beiden Führerscheinjahren von Fahran- fängern ausgesprochen. Die 0-Promillegrenze ist ab 1. August 2007 geplant. Ähnliches fordern viele Verbände bereits seit Jahren.

Frankfurt - Die Bilanz an Aschermittwoch war in der Vergangenheit meist im doppelten Sinne traurig. Trotz heftiger öffentlicher Warnungen und angekündigter verschärfter Kontrollen verzeichnete die Polizei immer wieder eine Zunahme der Verkehrsunfälle als Folge von Alkoholmissbrauch. Dabei waren Fahranfänger überproportional beteiligt. Dies entspricht einer allgemeinen Tendenz auch außerhalb der Fassenacht. So stellte der ADAC im Januar fest: "Fahren unter Alkoholeinfluss ist eine der Hauptunfallursachen gerade bei Fahranfängern. Insbesondere bei Verkehrsunfällen mit Personenschäden sind alkoholisierte Fahranfänger - unabhängig vom Alter - deutlich überrepräsentiert. Treffen Alkoholkonsum, Unerfahrenheit im Straßenverkehr und erhöhte jugendliche Risikobereitschaft zusammen, potenzieren sich die Gefahren."

Während sich der ADAC gegen eine generelle 0-Promille-Grenze ausgesprochen hat, weil "dann bei den in Europa herrschenden Lebensgewohnheiten auch viele absolut fahrtüchtige Personen zu Verkehrssündern gestempelt würden", wird die angekündigte Neuregelung für Fahranfänger von dem in Deutschland größten Automobilclub ausdrücklich begrüßt. Der Bundesregierung stellt der ADAC mit Blick auf diese Neuregelung ein positives Zeugnis aus. Der Gesetzgeber mache deutlich, dass im Vordergrund der geplanten Neuregelung nicht eine Verschärfung möglicher Sanktionen für Fahranfänger steht, sondern die Signalwirkung der Unvereinbarkeit von Fahren und Trinken.

Gerade in der vom Problem stark betroffenen Gruppe der Jugendlichen werde die Regelung begrüßt, sagt der ADAC. Zur Begründung werde angeführt, dass mit einem klaren Alkoholverbot der ansonsten oft bestehende Rechtfertigungszwang bei Alkoholverzicht innerhalb der Gruppe entfallen kann.

Allerdings kritisiert der ADAC erneut, dass es alleine mit der formalen Neuregelung nicht getan sei. Die erhöhe im Zweifelsfall derzeit nur die Dunkelziffer bei Alkoholfahrten. Vielmehr gehe es darum, der bestehenden 0,5 Promille für jeden Autofahrer und dann auch der 0-Promille-Grenze für Fahranfänger "Beachtung zu verschaffen". Der ADAC: "Wesentlich wichtiger ist es, die Alkoholkontrollen effektiver zu machen, um Alkoholsünder dadurch aus dem Verkehr ziehen zu können." Wirksames Mittel hierfür sei die bereits eingeführte Atemalkoholanalyse, deren Beweissicherheit vom Bundesgerichtshof im Grundsatz bestätigt worden sei. Zur Begründung führt der ADAC eine beeindruckende statistische Zahl an: Von 600 Alkoholfahrten werde aktuell derzeit nur eine entdeckt.

Daran ändere allein die abschreckende Wirkung der Sanktionen gegen Fahranfänger unter Alkohol noch nichts: Es droht eine Geldbuße von 125 Euro nebst zwei Punkten in der Flensburger Kartei. Erreicht der Alkoholwert 0,5 Promille oder mehr, bedeutet das 250 Euro, vier Punkte und ein Monat Fahrverbot. Die Probezeit wird von zwei auf vier Jahre verlängert. Außerdem muss der Erwischte in jedem Fall zu einem besonderen Aufbauseminar, wofür zusätzliche Kosten von rund 300 Euro anfallen.

Derartige Nachschulungen haben inzwischen auch den Segen der Gerichte. Promillesünder, die zum ersten Mal - und in aller Regel nur dann - auffällig geworden sind, haben so die Chance, ihre Führerschein Sperrfrist zu verkürzen. Entsprechend habe auch der Gesetzgeber die Bedeutung der "Aufbauseminare zur Wiederherstellung der Kraftfahreignung" im Fahrerlaubnisrecht ausdrücklich anerkannt. Strafe alleine - ob für Fahranfänger oder für alle Autofahrer - nutze wenig, wenn nicht gleichzeitig versucht wird, an der Einstellung zum Problem "Autofahren und Alkohol" etwas zu ändern, sagt der ADAC. Folgerichtig gibt es bei dem Club eine kostenlose Broschüre zum Thema. "Alkohol im Straßenverkehr" erklärt Zusammenhänge und Wirkungen und liefert Tipps. Frank W. Methlow

www.adac.de

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