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Der Aston Martin V12 Vanquish aus „Stirb an einem anderen Tag“ ist vorne mit Maschinengewehren und einem Raketenwerfer ausgestattet.

Autos aus Film und TV

Helden auf vier Rädern

Die meisten Leinwandhelden seit John Wayne sind längst vom Pferd gestiegen. Autos spielen in vielen Filmen und Serien wichtige Nebenrollen. Manchmal werden sie sogar zu Hauptakteuren. Für Hersteller ist die Leinwandpräsenz lukrativ.

Wenn Hollywood am 26. Februar wieder die Oscars verleiht, stehen vor allem die Schauspieler im Rampenlicht. Doch für einen Kinohit braucht es mehr als Stars. Stuntszenen und Spezialeffekte tragen zur Spannung bei. Oder auch Verfolgungsjagden, die ohne fahrbaren Untersatz kaum denkbar wären. So hat sich über die Jahrzehnte von Hollywood aus eine Fahrzeugkategorie gebildet, die bei den Herstellern genauso beliebt ist wie beim Publikum: das Filmauto.

Um die rollenden Blechakteure hat sich mittlerweile fast schon eine Industrie gebildet, zumindest lassen sich damit vortrefflich Kunden akquirieren. Denn wie könnte man besser ein neues Modell bewerben, als einen Kinoheld damit über die Leinwand fahren zu lassen? „Das ist mittlerweile ein riesiges Geschäft geworden“, sagt Johannes Schultz, der lange Jahre bei BMW für dieses „Product Placement“ verantwortlich war, über konkrete Zahlen aber nicht sprechen möchte.

Die Figur des britischen Geheimagenten James Bond ist einer der wichtigsten PS-Protagonisten im Kino. Er hat mit die meisten Zuschauer und fährt 2012 schon im 50. Jahr über die Leinwand. Seit seinem dritten Film „Goldfinger“ ist er Aston-Martin-Fahrer und hat den eigentlich exotischen DB5 zu einem berühmten Auto gemacht.

Allerdings war er der Sportwagenmarke aus Gaydon wiederholt untreu: Je nach aktueller Vertragssituation der Produktionsgesellschaft fuhr er auch schon einen Toyota 2000 GT, saß oft am Steuer eines Lotus und ließ sich auch von BMW vor den Karren spannen. Am Ende allerdings kehrte er immer wieder zu Aston Martin zurück, wie im jüngsten Film „Ein Quantum Trost“, als er den neuen DBS steuerte.

Aber James Bond ist nicht der einzige Actionheld mit berühmtem Dienstwagen. So fährt der Privatdetektiv Thomas Magnum vor dem geistigen Auge wohl ewig in seinem Ferrari 308 GTS auf Hawaii, Steve McQueen jagte als Lieutenant Frank Bullitt im 1968er Ford Mustang durch San Francisco. Paul Walker und Vin Diesel schwören in der Kino-Reihe „The Fast and the Furious“ zumeist auf US-Musclecars und wild getunte Sportwagen aus Japan, Sonny Crockett und Rico Tubbs aus Miami Vice wären ohne ihren Ferrari Testarossa kaum denkbar.

Eine Sonderrolle unter den Filmautos nimmt der VW Käfer ein. Als „Herbie“ brachte er es ab 1968 nicht nur zur automobilen Nebenrolle, der Wagen mit der Nummer 53 hängte seine Fahrer gleich ganz ab: An die Hauptdarsteller Dean Jones und Michele Lee erinnert sich heute kaum noch jemand. Das Filmauto dagegen stand jüngst erst wieder auf der Bühne, als VW den neuen Beetle in Shanghai enthüllte. 

Bei aller Präsenz von James Bond oder „Herbie“, für BMW-Manager Schultz bot der deutsche TV-Kommissar Horst Tappert als Inspektor Derrick mit seinen Fahrzeugen des Münchener Herstellers die beste Werbefläche: „Die Serie lief 25 Jahre in 70 Sprachen und über 100 Ländern – das machte sie für Autohersteller unschlagbar.“

Bevor der Werbeeffekt eintritt, müssen die Hersteller jedoch oft tief in die Tasche greifen. Die Fahrzeuge müssen gestellt und aufwendig umgebaut werden. Wie speziell die Wünsche der Filmstudios manchmal sein können, weiß George Barris besonders gut. Der fast 90-Jährige hat es als „King of Kustumozers“ zur Hollywood-Legende gebracht und gilt seit über 50 Jahren als Wagenmeister der Traumfabrik. In seiner Werkstatt
in North Hollywood entstand eines der ersten Bat-Mobile, er baute einen Pontiac Trans Am zu „K.I.T.T.“ für die Serie „Knight Rider“ um.

„Damals hatten wir die guten Ideen und vor allem das Geschick, sie umzusetzen“, sagt Barris. „Denn was man auf der Leinwand sah, das konnten die Autos auch auf der Straße.“ Heute dagegen beobachtet er nach eigenen Worten eine Farce: „Wofür die Mechaniker zu faul oder zu ungeschickt sind, das machen sie einfach am Computer.“ (dpa, qui)

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