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Edler E-SUV aus Südkorea: Genesis GV60 im Test

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Von: Marcus Efler

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Hyundais Edelmarke Genesis soll Mercedes und Co. Kunden abjagen. Der GV60 ist ihr erstes Elektroauto – die Testfahrt offenbart überzeugende Qualitäten.

Offenbach – Derzeit sind es vor allem zwei große Autokonzerne, die beim Umstieg von Verbrenner auf Elektromobilität richtig Druck machen und dabei auch schon schöne Erfolge vorweisen können: Volkswagen und Hyundai aus Südkorea. Mit ihrem SUV Ioniq 5 haben die Asiaten einen richtig guten Stromer hingestellt, der im Kia EV6 bereits einen etwas coupéhafter gestylten Bruder bekommen hat.

Und nun ist Genesis an der Reihe. Die Edelmarke aus dem Hyundai-Reich tritt mit Premium-Modellen wie dem GV70 mittlerweile auch in Deutschland gegen Mercedes und Co. an. Bislang waren die vor allem als Verbrenner unterwegs, doch mit einer Art Warp-Sprung soll sich die Marke nun ins elektrische Zeitalter beamen: Schon ab 2025 sollen alle neue Modelle ausschließlich batterieelektrisch unterwegs sein, fünf Jahre später wird im gesamten Portfolio überhaupt kein Verbrennungsmotor mehr zu finden sein: Tesla à la Asia.

Genesis GV60 mit schmalen LED-Lichtstreifen
Mit vier schmalen LED-Lichtstreifen: Der Genesis GV60. © Dominic Fraser/Genesis

Genesis GV60 im Test: Das macht den edlen E-SUV aus Südkorea so besonders

Den Anfang der Stromer macht nun der GV60: ein mindestens 56.370 Euro (minus ungeklärter Förderung) teurer, etwas kleinerer Technik-Bruder von Ioniq 5 und EV6. Und zwar gleich richtig: Zwar ist das Design (trotz optionaler Cams anstelle der Seitenspiegel) eher gefällig und nicht so expressiv wie das des Hyundai, doch dafür wirkt das Interieur umso futuristischer. Das liegt vor allem an der einzigartigen „Sphere“, einer glitzernden Riesen-Murmel in der Mittelkonsole. Wird der Motor gestartet, dreht sie sich um 180 Grad und mutiert in den Wahlschalter für das Fahrprogramm. Schließlich, so erklären die Genesis-Leute, wisse man so glasklar, dass die Motoren fahrbereit seien, obwohl man sie nicht höre.

Genesis GV60 im Test: Das macht den edlen E-SUV aus Südkorea so besonders

Das Cockpit zeigt das bekannte breite Displays des Ioniq 5, das die Fahrer-Information und den mittleren Touchscreen miteinander verschmilzt. Dazu gibt einige klassische Tasten, die den schnellen Zugriff etwa auf die Klimaanlage erleichtern. Da der Radstand (wie beim Kia EV6) 2,90 Meter statt derer drei im Hyundai misst, bietet der Fond zwar dank Elektro-Plattform großzügige, aber nicht ganz so üppige Beinfreiheit wie sein technischer Genspender. Schließlich mag der Genesis mit seinem sehr hochwertigen Leder-Interieur eher Gleiter für Manager und Selbständige sein als Transporter für Familien mit Ketchup-kleckernden Kids.

Genesis GV60 mit Coupé-Heck
Der Genesis GV60 zeigt ein trendiges Coupé-Heck. © Dominic Fraser/Genesis

Genesis GV60 im Test: Beschleunigung wie ein Sportwagen

Und komfortabel sowie leise gleiten kann der Genesis GV60 richtig gut. Und noch etwas anderes: Mödermäßig aus dem Stand oder jeder anderen Geschwindigkeit abzischen – vor allem, wenn man die Boost-Taste drückt und die vollen 700 Newtonmeter Drehmoment aktiviert. Eine Systemleistung der beiden Elektro-Aggregate an Front- und Heckachse von 360 kW/490 PS, der Top-Version Sport Plus, und eine Beschleunigung von vier Sekunden auf Tempo 100 sind zwar schon beeindruckende Werte, aber verraten noch nichts über den Antritt, mit der dieser Wagen den Magen malträtieren kann. Es ist fast schon ein wenig ernüchternd, dass ein koreanisches SUV diese Disziplin so gut beherrscht wie ein italienischer Sportwagen.

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Interieur des Genesis GV60
Luxus trifft High-Tech: Das Interieur des Genesis GV60. © Genesis

Genesis GV60 im Test: Persönliche Assistenten ersetzen Händler

Der kann dafür natürlich noch schneller rasen als die (mehr als genügenden) 235 km/h des Genesis GV60. Und auch in Kurven hätte der zwar agil abgestimmte, aber immer noch komfortable Koreaner das Nachsehen. Aber das zu bemängeln, ginge völlig am Charakter dieses Stromers vorbei: Seine fahrdynamischen Reserven werden 99 Prozent seiner Fahrer nicht ansatzweise ausnutzen – auch das übrigens eine Gemeinsamkeit mit italienischen Sportwagen.

Genesis GV60 Sport Plus
Motor/Antrieb2 Elektro/Allrad
Leistung/Drehmoment360 kW (490 PS) / 700 Nm
Länge/Breite/Höhe4,52/1,89/1,58 m
Gewicht2145 kg
Ladevolumen432 l
Vmax/0–100 km/h235 km/h / 4 s
Verbrauch/Reichweite19,1 kWh/100 km / 466 km
Preis71.010 Euro
Basispreis GV60 Sport (234 kW, Allrad)56.370 Euro

Elektro-typisch werden die meisten sowieso eher gelassen unterwegs sein, schon allein, um die Reichweite zu streicheln. 466 Kilometer verspricht Genesis. Im Alltag landet man deutlich früher wieder an der Gleichstromsäule, wo der 77,4-kWh-Akku (wie der des Porsche Taycan) mit 800 Volt schnelllädt – nämlich in unter 20 Minuten auf 80 Prozent.

Sphere im Genesis GV60
Shiny: Die „Sphere“ im Genesis GV60. © Dominic Fraser/Genesis

Nur eines hat der Genesis GV80 nicht: ein Händlernetz. Den Erstkontakt übernimmt das Internet, die weitere Betreuung ein persönlicher Assistent. Käufer von Elektroautos kommen damit möglicherweise besser klar als jene klassischer Limousinen wie dem G80. Insofern passt es ja, dass sich Genesis zur Stromer-Marke wandelt.

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