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Per Elektro-Dreirad in die City

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Es könnte bald eine wirkliche Alternative zu normalen Autos werden - das von der Fachhochschule Dortmund entwickelte Dreirad. Es fährt und stößt dabei keine Schadstoffe aus.

Dortmund/Aachen/Stuttgart (dpa) - Es mutet noch recht spartanisch an, das dunkelgraue dreirädrige Gefährt. Doch es stößt keinerlei Schadstoffe aus und: Es fährt.

Doch "es" ist keine glänzende Studie eines großen Autokonzerns, sondern das eLTeC, von Experten für Leichtbau an der Fachhochschule Dortmund entwickelt. Nach ihrem Willen soll der Zweisitzer zur Alternative normaler Autos werden. "Einige Leute vergleichen den Wagen mit einer Seifenkiste", sagt Wilfried Fischer und schmunzelt. Dabei hat der Professor das Dreirad mit Diplomanden und Studenten innerhalb nur eines Jahres "auf die Räder" gestellt, zwei hinten und eines vorne. Sie stammen von einem Roller, und auch die Geschwindigkeit ist mit 45 Kilometern pro Stunde vergleichbar niedrig. "Für die Fahrt zur Arbeit oder ins Büro reicht das doch allemal", sagt Fischer.

Rund 100 Kilometer weit kommt das Dreirad bislang mit einer Ladung der vier Blei-Gel-Batterien. Sie werden an einer regulären Steckdose aufgeladen. Nun soll es vom FH-Campus raus auf die Straße gehen: "Der wichtigste Schritt ist die Straßenzulassung", sagt Fischer. Damit rechnet er im Herbst. Zudem sollen Lithium-Ionen-Batterien verwendet werden, die nur halb so schwer sind wie die bislang verwendeten Akkus, dabei aber viel leistungsfähiger.

"Spätestens bei einem Crashtest wird es dann Probleme geben", dämpft Michael Bargende, Vorstand am Stuttgarter Forschungsinstitut für Kraftfahrwesen und Fahrzeugmotoren (FKFS), die Euphorie für Elektroautos. Die Autos seien in den vergangenen Jahren wegen der Sicherheit und der gehobenen Ausstattung immer schwerer geworden. Es sei verfrüht, die Zukunft der reinen Elektroautos anzukündigen. Noch gebe es zudem das Problem mangelnder Reichweiten, aber auch fehlender Strom-Tankstellen. "Und die Batterien sind nicht leistungsfähig genug, ein Golf würde für 100 Kilometer mit einer Geschwindigkeit von 100 Kilometern pro Stunde 400 Kilogramm schwere Lithium-Ionen- Batterien brauchen", sagt er.

Nur auf dem Papier existiert bislang ein sehr optimistischer Plan am Institut für Kraftfahrwesen (IKA) der RWTH Aachen: Die dortigen Ingenieure wollen ein Elektroauto für einen Preis von 5000 Euro bauen, ebenfalls primär für den Einsatz im Stadtverkehr. Die zwei Projekte sind nur zwei Beispiele für etliche Ansätze, die außerhalb der Autowerke von München oder Wolfsburg entwickelt werden. Dabei arbeiten die Ingenieure an den Hochschulen mit viel kleinerem Budget: Der Prototyp in Dortmund hat zwischen 5000 und 10 000 Euro gekostet, sagt Fischer.

Wichtiger als der Preis ist Fischer die Leichtbautechnik, dank derer das dreieinhalb Meter lange eLTeC insgesamt nur etwa 300 Kilogramm wiegt. Auf den Leichtbau weist auch der Verband der Automobilindustrie (VDA) hin - seinen Angaben zu Folge entfallen rund 40 Prozent des Gewichtes eines Autos auf die Karosserie, 25 Prozent aufs Fahrwerk, 20 Prozent auf die Ausstattung mit der Elektrik sowie 15 Prozent auf den Antrieb. "Der Leichtbau kämpft immer gegen den Komfort", sagt Fischer, "und Klimaanlage, Airbag oder ein elektrischer Außenspiegel bringen nun mal zusätzliches Gewicht mit sich".

Bargende ist vorsichtig, was die Zukunftsprognose für Elektroautos angeht. "Für die USA ist es gut vorstellbar, dass dort in Zukunft etwa für den Weg zur Arbeit ein kleines Elektroauto benutzt wird", sagt Bargende, "dort gibt es in vielen zersiedelten Gegenden keinen gut ausgebauten öffentlichen Nahverkehr wie bei uns, auf den die Menschen bei weiter steigenden Benzinpreisen umsteigen können." Das Umsteigen bedeute jedoch nicht zwangsläufig Aussteigen: "Auf ein großes Auto wird ein Familienvater für weite Strecken nicht verzichten wollen, selbst wenn er mit dem Elektro-Dreirad zur Arbeit fährt."

Leichtbau-Technologie-Center: serv01.maschinenbau.fh-dortmund.de/~fischer/LTC.htm

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