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Der Elektro-Trend bei Neufahrzeugen und Studien flaut merklich ab. Hybride und optimierte Verbrennungsmotoren bestimmen die Szene in Genf.

Genfer Salon

Elektro-Autos kommen ins Stocken

Der Preis „Car of the year“ für den Opel Ampera markierte auf dem Genfer Salon eine Ausnahme in zweierlei Hinsicht: Eine gute Nachricht für den verlustreichen Hersteller Opel, und zur Abwechslung mal ein Elektro-Auto im Rampenlicht.

Ansonsten scheint die Aufregung um das E-Auto abzuflauen. Symptomatisch ist die Aussage des VW-Vorstandsvorsitzenden Martin Winterkorn am Rande der „Volkswagen-Nacht“ zum Autosalon: „Ich bezweifle, dass den Kunden150 Kilometer Reichweite genügen.“ Das zentrale Problem des Elektroautos bleibt bestehen: Die Autos kommen mit einer Batterieladung nicht weit und sie sind nach wie vor teuer.

Im vergangenen Jahr auf der Internationalen Automobilausstellung in Frankfurt sah es so aus, als ob die Hersteller sich lieber heute als morgen auf die Zeit ohne Verbrennungsmotor einstellen. Alle wollten ihr Modell der Zukunft präsentieren. Daimler mit seinem wasserstoffbetriebenen Konzeptfahrzeug F 125, BMW mit dem Stadtflitzer i3 oder dem Sportwagen i8 und Audi mit dem Zweisitzer „Urban Concept“.

Renault setzt noch auf Elektro

Doch bereits im Vorfeld des Autosalons meldete sich der Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer zu Wort und sagte: „Der Hype flacht ab.“ Auf dem Autosalon stellt eigentlich nur Renault als großer Hersteller Stromer in den Mittelpunkt. Da ist einmal das rein elektrisch betriebene Kompaktfahrzeug ZOE sowie der Zweisitzer Twizy, der auf der Messe von DJ David Guetta und seiner Frau Cathy vorgestellt wurde.

Ansonsten: Im Pavillon Vert, dem grünen Pavillon, stellen Nischenhersteller wie die Italiener Belumbury aus oder werden Spezialfahrzeuge wie der Mercedes Vito E-Cell gezeigt. Der Pavillon steht quasi im Abseits – vom Messegelände aus muss man erst eine Straße überqueren.

Einer, der die Straße überquerte und sich die Fahrzeuge mit den alternativen Antrieben anschaute, war Schauspieler und Ex-Gouverneur Kaliforniens, Arnold Schwarzenegger. Der Berufsoptimist in Sachen erneuerbare Energien lobte die präsentierten Modelle: „Diese Autos müssen kaum Abstriche machen, was Geschwindigkeit oder Leistung angeht. Und ganz sicher keine, wenn es um das Aussehen geht.“

Das sei noch vor Jahren ganz anders gewesen. 2003, in dem Jahr, als er Gouverneur von Kalifornien wurde, fragte er bei der Los Angeles Motor Show nach Autos mit alternativen Antrieben. Er machte eine Pressekonferenz mit gerade mal zwei Fahrzeugen, erzählt er. 2010 seien 50 Autos gezeigt worden.

Reichweite und Akku-Kapazität

Doch VW-Chef Winterkorn ist entgegen aller Loblieder auf die Elektromobilität eher skeptisch. Erst durch neue Techniken wie die Lithium-Schwefel- oder die Lithium-Sauerstoff-Batterie sehe er einen möglichen Durchbruch. Die Industrie forscht derzeit mit Hochdruck daran, hält sich aber noch bedeckt. Bis dahin setzt VW auf den Plug-In-Hybrid.

Zum anderen ist die Effizienz beim herkömmlichen Verbrennungsmotor, egal ob Diesel oder Benziner, noch lange nicht ausgereizt. Bis 2020 sieht der Präsident des Verbandes der Automobilindustrie, Matthias Wissmann, eine Einsparquote beim Kohlendioxid von noch mal 20 Prozent. VW hat sich zum Ziel gesetzt, künftig jede neue Modellgeneration um zehn bis 15 Prozent effizienter zu machen.

Mangelnde Förderung

Dadurch fehlt auch die Bereitschaft bei den Kunden. Denn Elektroautos sind schlicht teurer als solche mit Verbrennungsmotor. In anderen Ländern werden beispielsweise Boni für CO2-arme Autos gezahlt. So bekommt der Käufer eines reinen Elektroautos 5.000 Euro zurück, für einen Hybrid gibt es noch 2.000 Euro. Andersherum zahlt drauf, wer die Umwelt mit mehr als 140 Gramm CO2 pro Kilometer belastet. Ein solches System lehnt die Bundesregierung aber ab.

„Der Hype für die reine Elektromobilität ist vielleicht nicht mehr so akut“, sagt auch Opel-Chef Stracke. Beim Ampera sieht er die klassischen Probleme aber nicht. Das Fahrzeug, das baugleich mit dem Chevrolet Volt ist, fährt weitgehend elektrisch und hat einen kleinen Zusatzmotor für Langstrecken an Bord. 10.000 will Opel davon in diesem Jahr ausliefern. Wirtschaftlich unbedeutend. Aber vielleicht ein Startvorteil, wenn der Hype dann wieder größer wird. (dapd, dmn)

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