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In einer neuen Umlaufbahn

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Bei der Vorstellung war er der umstrittenste Porsche aller Zeiten. Nach viereinhalb Jahren hat der Cayenne das Unternehmen in eine neue Umlaufbahn geschossen. Jetzt kommt die zweite Generation. Fotostrecke: Der neue Porsche Cayenne

Von GÜNTHER KOCH (CáDIZ)

An den Glaubenskrieg erinnert sich Wendelin Wiedeking noch genau. Der sei, so der Porsche-Chef, schon lange entfacht gewesen, als die Zuffenhausener 1998 zum ersten Mal offiziell verkündeten, einen sportlichen Geländewagen auf den Markt zu bringen, ihren Cayenne. Die Fragen damals lauteten: Versündigt sich Porsche an der Marke? Braucht ein Hersteller reinrassiger Sportwagen wirklich so ein Auto? Und ist Porsche dann überhaupt noch Porsche?

"Nie war ein Fahrzeug unseres Hauses so umstritten", hält Wiedeking bei der Fahrvorstellung der zweiten Cayenne-Generation im südspanischen Cádiz fest. Über 150.000 Einheiten ihrer nach Elfer und Boxster dritten Baureihe haben die Schwaben inzwischen verkauft. Absatz, Umsatz und vor allem Ertrag der zu Beginn der 1990er-Jahre noch vor dem Abgrund stehenden Sportwagen-Schmiede sind seitdem deutlich gestiegen. Die Antwort nach fast viereinhalb Produktionsjahren in Leipzig ist deshalb für Porsche-Chef Wiedeking eindeutig: "Der Cayenne hat unser Unternehmen in eine neue Umlaufbahn geschossen."

Auch wenn er zuletzt geschwächelt hat. Die Neuauflage geht heute im Umfeld vor allem von BMW X5, Mercedes ML und dem baugleichen VW Touareg zu Einstiegspreisen ab knapp unter 52.000 Euro an den Start. Wobei Kunden sich vom über 108.500 Euro teuren Spitzenmodell, dem Turbo, sogar gleich zwei Basis-Cayenne plus geringe Zusatzausstattung leisten könnten ...

Äußerlich tritt der fast 4,8 Meter lange und deutlich über zwei Tonnen schwere Fünfsitzer, der über einen 540 bis 1770 Liter fassenden Kofferraum verfügt und Lasten bis 3500 Kilo an den Haken nehmen kann, noch etwas kraftvoller auf. Der Turbo unterscheidet sich dabei erneut durch seine größeren Lufteinlässe und die darin jetzt eingeschlossenen waagerechten Lichtbänder, die bei den Saugern senkrecht verlaufen. Am Heck sind neue LED-Rücklichter angebracht.

Die wichtigsten Änderungen aber fanden unter der Motorhaube statt. Erstmals spritzt Porsche bei den drei zur Wahl stehenden Triebwerken das Benzin direkt ein, was für eine wirksamere Verbrennung und damit unterm Strich auch für weniger Kraftstoffverbrauch sorgt. "Im realen Fahrbetrieb sind Einsparungen bis zu 15 Prozent möglich", rechnet Antriebsexperte Martin Kerkau vor. Wobei der Spritkonsum immer noch im Schnitt bei um die 13 bis um die 15 Liter liegt - jedenfalls laut Datenblatt. Hubräume und Drehmomente der jetzt 290, 385 und 500 PS starken 3,6- und 4,8-Liter-Aggregate sind gestiegen. Die variable Ventilsteuerung lässt nun ebenfalls die beiden Achtzylinder noch besser atmen und verspricht damit spontanere Gaswechsel. Die im doppelt aufgeladenen Cayenne serienmäßige Luftfederung erlaubt eine höhere Bodenfreiheit. Mit der Sporttaste, Standard in allen Modellen, spricht der Motor noch direkter an. Der optional erhältliche neue Wankausgleich basiert auf zwei aktiven Stabilisatoren, die die Seitenneigung in Kurven ausgleichen und so Sicherheit, Handling und Komfort erhöhen. "Bei Fahrten im Gelände", ergänzt Fahrwerksspezialist Karl Heeß, "sind so maximale Achsverschränkung und bessere Traktion möglich."

Aber, mal ehrlich, wer ist mit seinem Cayenne trotz permanentem Allrad, trotz genug Wattiefe, Böschungs- und Rampenwinkel und trotz Geländeuntersetzung schon in unwegsamem Terrain unterwegs? (K)eine Frage für Glaubenskrieger.

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