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Durchstarten mit Bio-Ethanol

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In Schweden verkauft Saab bereits 85 Prozent seiner 9-5 Limousinen mit einem Bioethanolfähigen Motor. Das Saab Zentrum Frankfurt will dieses Jahr 15 bis 20 Prozent als BioPower-Variante verkaufen.

Frankfurt - Wer sich zum ersten Mal in einen Saab setzt, wird zwangsläufig das Zündschloss suchen. Es befindet sich nicht unter dem Lenkrad, sondern neben der Handbremse. Den Ursprung dieser und anderer Eigenarten der schwedischen Fabrikate kann Rainer Wulf, Geschäftsführer im Saab Zentrum Frankfurt schnell erklären. "Das Unternehmen hat seine Wurzeln im Flugzeugbau, was sich heute noch im Namen ablesen lässt." Saab steht für Svenska Aeroplan AktieBolaget. "Als Saab sich vor 60 Jahren entschieden hat, Autos statt Flugzeuge zu bauen, gab es acht Ingenieure, allesamt Flugzeugbauer von denen nur zwei einen Führerschein hatten", berichtet Wulf.

So wurde das Auto, ähnlich dem Cockpit eines Piloten, um den Fahrer herum gebaut, erklärt Wulf. "Man kann alles Wichtige auf einen Blick sehen und bedienen." Es gibt eine Night-Panel-Funktion, mit der der Fahrer alle Lichter am Armaturenbrett bis auf die Tachobeleuchtung ausschalten kann, eine Technik, die zunächst für Flugzeuge entwickelt wurde. Das ComSense-Konzept gibt Warnmeldungen erst heraus, wenn die Fahrsituation es erlaubt und der Fahrer nicht abgelenkt wird. Und auch die ungewöhnliche Position des Zündschlosses, hat Vorteile. "Man reißt sich bei einem Unfall nicht das Knie am Schlüsselbund kaputt", sagt Wulf.

Die Marke Saab bewegt sich abseits des Mainstreams. Die rund 5300 neu zugelassenen Saab-Fahrzeuge im vergangen Jahr machen gerade mal 0,2 Prozent aller deutschen Neuzulassungen aus. "Die Fahrzeuge sind für Individualisten gebaut, die Wert auf Fahrspaß und technische Interessen legen", sagt Wulff. In dieser Nische besteht das Autohaus in Frankfurt schon seit 26 Jahren. Es ist die einzige Niederlassung des 1937 gegründeten Saab-Unternehmens in Deutschland sowie gleichzeitig der größte Saab-Händler und beschäftigt 24 Mitarbeiter.

Seit 2000 gehört die PKW-Sparte von Saab vollständig zu General Motors, die das Unternehmen von ihrer Europazentrale in der Schweiz steuern. In Folge haben sie dasr Angebot der Schweden um einen allradgetriebenen Geländewagen 9-7X erweitert, der in den USA gebaut wird. Die klassischen Saab-Reihen werden jedoch nach wie vor in Schweden produziert, nur das Cabrio rollt in Österreich vom Band.

80 Prozent weniger CO2-Ausstoß

Seit der Übernahme durch die Amerikaner hat Saabs Ruf als Innovationsführer in der öffentlichen Wahrnehmung gelitten. Mit der Vorstellung des Saab 9-5 BioPower im Frühjahr 2006 auf dem Genfer Autosalon überzeugten die Schweden jedoch als Vorreiter im Bereich Bio-Treibstoff. Die Limousine ist seit dem Herbst auf dem Markt und kann komplett mit Ethanol betrieben werden.

Diese erneuerbare Energiequelle wird aus Biomasse gewonnen, etwa Holzabfälle aus der Forstwirtschaft oder eigens angebautes Getreide. Der Kohlendioxid-Austoß wird dadurch laut Saab um 80 Prozent verringert. Und die verbliebenen 20 Prozent werden nicht wie bei mineralischen Kraftstoffen aus Millionen Jahre alten Reserven freigesetzt, sondern wurden von Pflanzen gerade erst der Atmosphäre entzogen. "Das ist ein geschlossener Kreislauf, der nur bedingt die Umwelt beeinträchtigt", sagt Wulf.

Im Gegensatz zu Schweden, wo praktisch jede Tankstelle Ethanol führt, erhält man den Biokraftstoff in Deutschland kaum. In Frankfurt gibt es zwei, in Bad Homburg einen Anbieter. "Das reicht für uns schon mal aus", sagt Wulf. "Aber bis Ende 2007 wird OIL an allen Tankstellen Bioethanol anbieten und dann werden auch weitere Ölkonzerne folgen."

Bis dahin lässt sich das BioPower-Fahrzeuge auch mit Benzin betreiben, das Motormanagement passt sich jedem Mischungsverhältnis an. Dabei leistet der Motor mit E-85 (85 Prozent Ethanol, 15 Prozent Benzin) 180 PS statt 150 PS im reinen Benzinbetrieb. Und zudem fährt er auf Überlandstrecken mit E-85 um 15 Prozent günstiger.

In Schweden verkauft Saab bereits 85 Prozent seiner 9-5 Limousinen in der BioPower-Variante. "Wir rechnen damit, dass wir dieses Jahr 15 bis 20 Prozent mit einem Ethanol-Motor verkaufen", sagt Wulf. Den Aufpreis von 1000 Euro erhalten Käufer noch bis Ende Juni sogar geschenkt.

Sebastian Weissgerber

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