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Diesel – vom günstigen zum teuersten Treibstoff: Krieg hat Mitschuld

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Von: Simon Mones

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Eigentlich war Diesel immer am günstigsten. Doch inzwischen ist es der teuerste Kraftstoff an den deutschen Tankstellen. Aber warum ist das so?

Über viele Jahre war – trotz schwankender Spritpreise – eines immer klar: Diesel kostet weniger als Benzin. Doch genau das hat sich 2022 geändert. Plötzlich herrscht an den Zapfsäulen verkehrte Welt. Doch wie konnte es dazu kommen, dass Diesel plötzlich nicht mehr der günstigste Treibstoff ist?

Ein Grund war der Tankrabatt, der zuletzt dafür sorgte, dass der Preisunterschied zwischen den beiden Treibstoffen besonders hoch ausfiel. Während die Steuersenkung Benzin um etwa 35 Cent vergünstigte, waren es bei Diesel grade einmal 17 Cent, die Autofahrer sparten. Zuvor war der Kraftstoff im Mai für einige Wochen wieder günstiger gewesen als Super E10.

Preise für Diesel und Benzin an einer Tankstelle.
Diesel kostet inzwischen deutlich mehr als Super. (Symbolbild) © Christoph Hardt/Imago

Diesel – vom günstigen zum teuersten Treibstoff: Krieg hat Mitschuld

Doch auch nach Wegfall des Tankrabatts blieb Diesel weiterhin treuerer als Benzin. Der Preisunterschied fällt dabei sogar deutlich höher aus als vor der Steuersenkung, betonte der ADAC zuletzt. Grundsätzlich wirkt sich auch der schwankende Ölpreis aus, dieser betrifft beide Kraftstoff jedoch gleichermaßen. „Zum anderen ist davon auszugehen, dass von der Industrie derzeit vermehrt Heizöl gekauft wird, welches dem Diesel sehr ähnlich ist, um auf potenzielle Gasausfälle im Herbst und Winter reagieren zu können. Dies führt dann auch zu einem Anstieg des Dieselpreises“, sagte ein ADAC-Sprecher der Stuttgarter Zeitung.

Diesel – vom günstigen zum teuersten Treibstoff: Knappheit wegen Ölembargo gegen Russland

Allerdings schlägt nicht nur die Industrie momentan beim Heizöl zu, auch die privaten Käufer haben ihr Einkaufsverhalten demnach verändert. „Normalerweise stocken die Haushalte ihre Heizölvorräte im Herbst auf. In diesem Jahr aber tun sie das bereits seit dem Frühjahr – aus Angst vor weiter steigenden Preisen aufgrund der Ukraine-Krise. Das stützt den Dieselpreis und verteuert ihn gegenüber Super E10“, betont Steffen Bock, Gründer und Geschäftsführer von Clever Tanken, einer App mit der Autofahrer Spritpreise vergleichen können.

Doch der Krieg in der Ukraine wirkt sich auch darüber hinaus auf die Spritpreise in Deutschland aus. So erklärte der Wirtschaftsverband Fuels und Energie (en2x) auf Anfrage der Stuttgarter Zeitung, dass viele Betriebe wegen der drohenden Erdgas-Knappheit auf Diesel und Heizöl umsteigen würden. Anders als beim Benzin ist man hier auf Importe angewiesen, um den Bedarf zu decken. Importe kommen dabei auch aus Russland, diese müssen Deutschland und zahlreiche andere Staaten jedoch wegen des von der EU beschlossen Öl-Embargos bis Anfang 2023 einstellen. „Das bedeutet: Es besteht eine Knappheit an Diesel an den europäischen Mineralölprodukt-Märkten“, betont ein Sprecher des Verbandes. Dieser wird zudem durch das Niedrigwasser des Rheins verstärkt, da die Schiffe nicht voll beladen werden können. Die starke Nachfrage treibt folglich auch den Spritpreis in die Höhe, den die Kunden am Ende an der Zapfsäule zahlen müssen.

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