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Auf Dienstfahrt mit dem (Chauffeur-)Maybach 62S

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Dubai, internationaler Flughafen, kurz nach Mitternacht. Der schwarze Anzug sitzt. Das weiße Hemd und die gelbe Krawatte auch. Der Lack der Schuhe glänzt.

Von GÜNTHER KOCH (DUBAI)

Dubai, internationaler Flughafen, kurz nach Mitternacht. Der schwarze Anzug sitzt. Das weiße Hemd und die gelbe Krawatte auch. Der Lack der Schuhe glänzt. Noch ehe wir den vor dem Terminal parkenden Wagen erreichen, öffnet sich wie von Geisterhand der Deckel zum Kofferraum. Marten Cassens hat auf die entsprechende Taste seiner Fernentriegelung gedrückt. Behutsam, als könnte jede Hektik und Unvorsichtigkeit die Erhabenheit des Moments und damit auch dieses Automobils stören, verstaut der Hamburger unsere Koffer in einem riesigen, über 600 Liter fassenden Gepäckabteil.

Die beiden Türen zum Fond sind geöffnet, bevor wir den Einstieg erreichen. Marten Cassens setzt sich hinter das in schwarzem, teilweise perforiertem Leder ausgeführte Volant. Unsere Dienstfahrt im Maybach 62S, der laut Hersteller "stärksten Chauffeur-Limousine der Welt", durch zwei der sieben Vereinigten Arabischen Emirate beginnt.

Der Maybach 62S ist das neue Spitzenmodell der zur Mercedes-Autogruppe gehörenden Luxusmarke. Sie wird in der Sindelfinger Manufaktur von Hand für hohe und höchste Ansprüche gebaut. Dieses Selbstverständnis, so heißt es, teilen die Maybach-Techniker mit dem Emir und Herrscher Dubais, von dem überliefert ist, dass man keine kleinen Schritte tun soll, wenn man große machen kann ...

Wir gleiten zum "Al Qasar", einer von künstlichen Wasserwegen durchzogenen Sechs-Sterne-Kombination. Gediegene Rolls-Royce oder Bentley rollen dort, very british, genauso selbstverständlich die Auffahrt mit den vergoldeten Araber-Pferdestatuen hinauf wie flache italienische Lamborghini- oder Ferrari-Flundern. Raschid ist einer von denen, die unseren Chauffeur mit seiner Limousine selbst hier bewundern. Er scheint sich für Autos zu interessieren - und will wissen, wofür das S im Namen dieses Maybach steht. "Für Spezial", erklären wir und deuten an, dass und wie viele Wünsche anspruchsvoller Kunden dadurch erfüllt werden können. "Ich denke da zunächst vor allem an die Option, ein absolutes Einzelstück zu erwerben", sagt Entwicklungsleiter Jürgen Weissinger am nächsten Morgen, ehe wir von Dubai aus auf dem von Palmen umsäumten Highway Nummer 11 am Golf entlang Richtung Süden nach Abu Dhabi starten.

Wie schon in der ersten Maybach-Ära in den 20er- und 30er-Jahren des vorigen Jahrhunderts, als in zwei Jahrzehnten lediglich 1800 Einzelstücke angefertigt worden sind, natürlich von Hand. S soll trotz äußerem Understatement aber auch die Verbindung aus absolutem Luxus mit den Fahrleistungen eines Sportwagens unterstreichen. Markenmann Patrick Marinoff spricht in diesem Zusammenhang sogar von einem "Business-Jet auf Rädern", womit er den von der Mercedes-Tochter AMG weiterentwickelten Zwölfzylinder-Biturbo mit 612 PS und 1000 Newtonmeter Drehmoment meint, aber auch an den Komfort innen denkt; bei Maybach ist deshalb gern von Highend für die in diesem Fall über 6,1 Meter lange Limousine die Rede, Motto "Darüber gibt's, wenn überhaupt, nicht mehr viel".

Platz ohne Ende

Im Fahrgastraum sind die Applikationen aus edlem Klavierlack und sportlichem Carbon sorgfältig aufeinander abgestimmt. Vollleder rundet die exklusive Eleganz ab. Es geht stilvoll zu. Platz ist - wen wundert's? - bei über 3,8 Meter Radstand in diesem Salon auf 20 Zoll großen Rädern genug vorhanden. In den an Sessel aus der First Class moderner Flugzeuge erinnernden Fauteuils können selbst größer Gewachsene sich lang machen und bequem schlafen. Oder auf Oberflächen aus Edelholz arbeiten wollen in ihrem rollenden Büro. Für Unterhaltung, Kommunikation und Genuss ist gesorgt. Licht wird zum Gestaltungselement. Genauso wie das Panoramadach, das auf Knopfdruck durchsichtig wird. Oder die Trennwand mit schaltbarer Transparenz.

Was ihn an diesem Automobil so fasziniert, das leer beinahe drei Tonnen schwer ist, dessen Kraft über eine sanft schaltenden Fünfstufen-Automatik übertragen wird, das zumindest laut Datenblatt im Mix noch unter 17 Litern verbrauchen soll und um die halbe Million Euro kostet, noch einmal gut 60 000 Euro mehr als der normale Maybach 62? "Es sind", so bringt es Marten Cassens für sich auf den Punkt, "einfach diese Erhabenheit und diese Souveränität, mit der man dieses Auto fahren kann."

In Anlehnung an die TV-Geschichte von Kommissar Derrick und seinem Mitarbeiter Harry, der als wiederkehrender Kalauer stets den viel kleineren und mit weit weniger Luxus ausgestatteten Dienstwagen herbei holen musste, fällt da Cassens unvermittelt die Variante für Dubai ein: "Raschid, hol' schon mal den Wagen!"

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