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Bremen war Mekka der Oldtimer-Fans

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Am vergangenen Wochenende trafen sich mehr als 32.000 Veteranenfreunde auf der ersten Oldtimermesse des Jahres. Die Bremen Classic Motorshow stellt Lanz-Schlepper neben Luxusschlitten.

Bremen - "In Bremen braucht man immer lange, weil die Stände so klein sind", erklärt ein Messebesucher seinem Begleiter. Er weiß, worauf er sich einlässt, wenn er die sieben Hallen der Bremen Classic Motorshow betritt: Was ihm anfangs überschaubar vorkommen mag, verliert sich drinnen in geschäftigem Gewusel. Tatsächlich haben die etwa 750 Aussteller der Bremen Classic Motorshow rund 40 000 Quadratmeter Platz für ihre blechernen Schätze. Das macht für jeden halb so viel wie bei der Techno-Classica in Essen, dafür sind viele Stände doppelt liebevoll gestaltet.

Das besorgen die Markenclubs, die in jedem Jahr mit ihren Fahrzeugen, lebensnahen Kulissen und zeitgenössisch gekleideten Akteuren historische Themen in Szene setzen. Den Einsatz belohnt das Publikum mit Lob und Beifall, die Messebetreiber prämieren die Schönsten Ideen.

Das war auch dieses Jahr so. Die originellste Idee hatten die Schrauber der IG Wartburg Trabant Barkas: "Garagengemeinschaft" hieß ihr Motto - mit dem Begriff war in der Deutschen Demokratischen Republik Autoselbsthilfe unter Nachbarn gemeint. Und wohl auch Stammtischersatz.

Die AG Alteisen Asendorf fuhr landwirtschaftliches Gerät für den Obstanbau in den 1950ern auf, und der Borgward Club Bremen ließ seine Schönheiten an einer Baustelle wie vor 40 Jahren halten.

Borgwards und Lloyds hätten auf ihrer Heimatmesse zahlreicher erscheinen dürfen. Einige waren auf der angeschlossenen Fahrzeugbörse zu finden - unter knapp 100 anderen Fabrikaten. Der private Oldtimermarkt musste in diesem Jahr erstmals aus den Messehallen ins Parkhaus umziehen. Dort standen die Schmuckstücke zwar nicht im besten Licht da, Kaufwillige hielt das jedoch nicht ab. Und einige der Bremer Produktionen dort konnten nicht unbedingt als tageslichttauglich durchgehen. Aber - dem Krötengesicht des seltenen Lloyd LT 600 Minibus stehen auch ein paar Rostwarzen und die im zerschlissenen Gewand aufgefahrene Isabella von 1960 stammt aus erster Hand. Erst 47 000 Kilometer hat der ehemalige Borgward-Werksarzt ihr zugemutet, ihr neuer Kavalier soll dafür 3000 Euro spendieren.

Auch in den Hallen konnte natürlich gekauft werden: Lang gesuchte Teile für das Winterprojekt in der heimischen Garage beispielsweise, fertig restaurierte Klassiker vom Händler, Einzelstücke von Restaurateuren wie Weinberg aus Zetel oder aufgemotztes Altmetall vom Luxusschrauber Mechatronik.

Anderes konnte nur bewundert werden: Schmuckstücke in den Sonderschauen etwa des Belgiers Yves Campion. Er sammelt Motorräder, am liebsten Raritäten der Marke Gillet-Herstal. Um seine Sammlung drehte sich die Themenschau "Belgische Motorräder" im großen AWD-Dome, der an den drei Tagen alleine den Motorradliebhabern gehörte. Über seine Lieblingsmarke hat Campion 20 000 Fabrikzeichnungen, 1000 Bilder sowie 250 Bücher und Broschüren zusammengetragen. Und er hat "endlich" selbst ein Buch dazu geschrieben, das keine Fragen offen lässt - sagt er.

Schier erschlagen wurde der staunende Besucher vom Anblick des gewaltigen T41 Royale von 1927 auf der der Bugatti-Ausstellung. 3,2 Tonnen Edelstauto verteilen sich zwischen 4,57 Metern Radstand. Nur sechs Stück des größenwahnsinnigen Modells hat Bugatti gebaut, vier davon verkauft. In Bremen stand die Leihgabe aus dem Automobilmuseum in Mulhouse direkt vor seinem kleinsten Bruder. 1911 hat Firmenvater Ettore einen Kleinwagen entworfen, den Zweisitzer Bébé (Baby). Das Autochen, das aussieht wie einem Disney-Comic entsprungen, baute dann Peugeot und landete einen Bestseller, billig und alltagstauglich.

Das ist auch der Ford B von Klaus Bahrke aus Pinneberg bei Hamburg. Der Frührentner fährt seinen Oldie seit 1968 wie andere ihren fünfjährig wechselnden Golf. Im vorigen Sommer schafften er damit nahezu problemlos die Rallye Hamburg-Shanghai. "Beim 1000. sibirischen Schlagloch war allerdings Zwangspause", lacht Bahrke. Ein Teil der Hinterradaufhängung des überladenen Wagens war gebrochen, ließ sich aber mit etwas Improvisation schweißen.

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