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Bodybuilding auf Italienisch

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In einer Rekordzeit von nur 18 Monaten wollen die Fiat-Ingenieure ihren neuen Bravo entwickelt haben. Das ist durchaus möglich, denn sie haben den Fünftürer, der in der Golf-Klasse antritt, auf die nur leicht geänderte bewährte Konzernplattform gestellt, mit der auch der Vorgänger Stilo unterwegs war. Fotostrecke: Fiat Bravo

Von BERND-WILFRIED KIEßLER

In einer Rekordzeit von nur 18 Monaten wollen die Fiat-Ingenieure ihren neuen Bravo entwickelt haben. Das ist durchaus möglich, denn sie haben den Fünftürer, der in der Golf-Klasse antritt, auf die nur leicht geänderte bewährte Konzernplattform gestellt, mit der auch der Vorgänger Stilo unterwegs war. Nach der schon lange aufgekündigten Zusammenarbeit mit Opel besinnt sich Fiat wieder auf die eigenen Werte. Die haben - soll man sagen leider? - zu einem unzeitgemäß hart abgestimmten Fahrwerk geführt. Als wolle Fiat Nachwuchs für die Kart-Bahn ausbilden.

Wer nach einem Symbol für den neuen Fiat-Schwung sucht, wird beim neuen Markenzeichen fündig. Vom vertrauenerweckenden Blau wurde es in angriffslustiges Rot umgefärbt und guckt an der Bugpartie betont über den oberen Lufteinlass heraus. Der bildet mit dem unteren, größeren Kühlergrill eine Einheit in Form eines abgerundeten Trapezes, die vom Stoßfänger samt Kennzeichen unterbrochen wird.

Die Rückseite zeigt keine besonderen Auffälligkeiten. Bestenfalls die an einen Diffusor erinnernde Einfassung des Nummernschildes. Bei der Anordnung der Heckklappe haben die Designer nicht an rückengeschädigte Büromenschen gedacht: Eine 77 Zentimeter hohe Ladekante, hinter der es innen 26 Zentimeter nach unten geht, ist rekordverdächtig. Diese Form folgt keineswegs der Funktion.

Aufs schicke Aussehen ist auch die Flanke des neuen Bravo getrimmt. Die untere Fensterkante steigt mächtig nach hinten an und endet in einer breiten hinteren Dachsäule. Ohne Parkhilfe kommen da auch geübte Fahrer nur schwerlich aus.

Der Innenraum zeigt, dass die Italiener den Sinn für schöne Formen nicht verloren und dabei auch die Praxis im Auge haben: klassische Rundinstrumente, ein elegantes Lenkrad mit Tasten zur Radiobedienung und ein Bildschirm in der Mitte der Armaturentafel, der sich nicht irgendwo unten Richtung Fußraum versteckt.

An Sicherheit darf es einer konkurrenzfähigen Neuheit in dieser Klasse heutzutage an nichts fehlen. Fiat hat alles eingebaut, was die Insassen schützt: sieben Airbags, alle gängigen Elektronikhilfen bis hin zu ESP und einer Anfahrhilfe am Berg, dazu Nebelscheinwerfer, die in Kurven einschwenken.

Der neue Fiat Bravo ist 14 Zentimeter länger als der Golf und hat mit 400 Liter Gepäckraum 50 Liter mehr als das Maß aller deutschen Dinge aus Wolfsburg. Ob der Deutsche den italienischen Schönling fürchten muss, wird die Zukunft zeigen. Der Bravo hat auf den ersten Blick nichts, was andere nicht auch schon haben.

Fünf Motoren

Die Motorenpalette umfasst drei Benziner und zwei Diesel, die aber noch nicht alle zum hiesigen Marktstart am 24. März verfügbar sein werden. Die Ottomotoren, allesamt mit 1,4 Liter Hubraum, leisten zwischen 90 und 150 PS. Die höheren Leistungen werden mit Turbotechnik herausgekitzelt. Zwei gute alte Bekannte sind hingegen die beiden Dieselmotoren, die aus 1,9 Litern Hubraum 120 und 150 PS entwickeln. Alle Motorisierungen mit Ausnahme des Einstiegsbenziners verfügen über sechs Gänge, die sich auf ersten Testfahrten flott und präzise wechseln ließen. Weniger angenehm war die Geräuschkulisse des schwächeren Diesels, der auch nach dem Warmlaufen wie ein Buntspecht hämmerte. Wenn Fiat in Deutschland in diesem Jahr wie geplant rund 14 000 Stück vom neuen Bravo absetzen will, werden die Akustikingenieure noch ein bisschen nachsitzen müssen.

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