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Alle acht Minuten verschwindet ein "Navi"

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Ermittler gehen 2007 bundesweit bereits von bis zu 60.000 Fällen von Diebstahl aus, davon mehr als die Hälfte in NRW.
Ermittler gehen 2007 bundesweit bereits von bis zu 60.000 Fällen von Diebstahl aus, davon mehr als die Hälfte in NRW. © ddp

Entwendet werden vorwiegend "Navis", die nicht fest ins Fahrzeug eingebaut wurden. Autobesitzer sollten daher Tatgelegenheiten minimieren.

Berlin/Düsseldorf (ddp) - Durchschnittlich alle eineinhalb Minuten wird in Deutschland ein Kraftfahrzeug aufgebrochen. Tendenz sinkend. Was sich zunächst wie eine gute Nachricht anhört, birgt bei näherer Betrachtung einen hässlichen Anachronismus in sich.

Obwohl die Gesamtzahl der Diebstähle aus Autos laut Polizeilicher Kriminalstatistik 2007 um 3,2 Prozent zurückging, sollten sich die Besitzer von Navigationsgeräten alles andere als sicher fühlen.

Wurden 2006 bundesweit "nur" mehr als 40.000 "Navis" gestohlen, verschwand im Vorjahr Schätzungen zufolge bereits alle achteinhalb Minuten eine solche Orientierungshilfe. Ermittler gehen 2007 bundesweit bereits von bis zu 60.000 Fällen aus, davon mehr als die Hälfte in NRW.

Der rapide Anstieg beim Diebstahl von Navigationsgeräten sei alarmierend, sagte Erwin Hetger, Vorsitzender der Projektleitung Polizeiliche Kriminalprävention der Länder und des Bundes. Entwendet werden vorwiegend "Navis", die nicht fest ins Fahrzeug eingebaut wurden. "In erster Linie gilt es, Tatgelegenheiten zu minimieren.Deshalb müssen wir Autofahrer gezielt für ein sicherheitsbewusstes Verhalten sensibilisieren", so Hetger, der zugleich Landespolizeipräsident von Baden-Württemberg ist.

Diebstahl dauert nur Sekunden

Gerade auf Großraumparkplätzen, in Parkhäusern, an Flughäfen, aber auch in Wohngebieten nutzen Diebe laut Hetger nur allzu häufig die Sorglosigkeit der Autofahrer. Routinierte Täter benötigten nur wenige Sekunden, um ein Fahrzeug zu knacken und würden auch versteckte Geräte in Handschuhfächern oder unter Sitzen schnell finden.

Auch wenn es keine offizielle Bundesstatistik gibt, zeigt das Ergebnis einer ddp-Umfrage bei den Landeskriminalämtern, dass die "Navi"-Besitzer nicht in jedem Bundesland gleich gefährlich leben.

Trauriger Spitzenreiter ist demzufolge im vergangenen Jahr mit mehr als 30.000 Fällen Nordrhein-Westfalen. Bei beinahe jedem vierten Diebstahl aus Kraftfahrzeugen wurde damit im bevölkerungsreichsten Bundesland ein Navigationsgerät gestohlen.

Hingegen können die Autofahrer etwa in Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg eher entspannt bleiben. Mit 542 beziehungsweise 993 angezeigten Fällen sind die Diebstahlzahlen dort im Vergleich zum Vorjahr nicht nur weitgehend konstant sondern auch deutlich unter den Werten in den anderen Bundesländern. Während das Bundeskriminalamt (BKA) die unterschiedlichen Zahlen entwendeter Routenplaner nicht kommentieren kann, gehen Ermittler davon aus, dass die Ursachen abseits der Bevölkerungsdichten und der Anzahl gemeldeter Fahrzeuge auch in den Vermögensverhältnissen der Bürger in den einzelnen Ländern liegen.

Navis begehrter als Handys

Rund drei Millionen Deutsche besitzen heute bereits einen der praktischen Helfer. Waren es in der Vergangenheit zumeist Radios oder Handys, die aus den Fahrzeugen gestohlen wurden, so bevorzugen Diebe heutzutage die begehrten Planer. Um dem Negativtrend entgegenzuwirken, will die Polizei die Besitzer von "Navis" mittels einer bundesweiten Initiative jetzt aufrütteln. Hierzu gehört die Verteilung von einer Millionen "Anti-Klau-Anhängern".

Diese sollen am Innenspiegel angebracht den potenziellen Dieben signalisieren: "Hier ist nichts zu holen." Auch die Weitergabe sogenannter Navi-Pässe soll den Ermittlern im Falle eines Diebstahls die Fahndung nach Tätern und die Zuordnung von gefundenem Diebesgut erleichtern.

Das wachsende Interesse von Dieben an Navigationsgeräten kann der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) bestätigen.

"Auch wenn bei uns ja nur die Diebstähle von versicherten Geräten bekannt sind, also alle Geräte, die fest mit dem Fahrzeug verbunden sind, haben wir auch den Eindruck, dass die Fallzahlen zunehmen", sagte GDV-Sprecher Stephan Schweda. "Daran kann man erkennen, dass grundsätzlich ein Markt für die gestohlenen Geräte vorhanden sein muss - etwa bei Versteigerungen im Internet." Um dem Trend entgegenzuwirken, sei es deshalb sinnvoll, die Navigationsgeräte genau wie Autoradios mit speziellen Sicherungssystemen auszustatten, weiß der Fachmann.

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