Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Ist durch die Manipulation in Schieflage geraten: der ADAC.
+
Ist durch die Manipulation in Schieflage geraten: der ADAC.

ADAC "Gelber Engel"

ADAC verspricht Aufklärung

  • Tim Szent-Ivanyi
    VonTim Szent-Ivanyi
    schließen

Wegen Manipulationen bei der Leserwahl zum Autopreis „Gelber Engel“ hat der ADAC nun ein massives Glaubwürdigkeitsproblem. Kommunikationschef und Motorwelt-Chefredakteur Michael Ramstetter räumt den Betrug ein und trat zurück. Der ADAC kündigt eine interne Prüfung an.

Wegen Manipulationen bei der Leserwahl zum Autopreis „Gelber Engel“ hat der ADAC nun ein massives Glaubwürdigkeitsproblem. Kommunikationschef und Motorwelt-Chefredakteur Michael Ramstetter räumt den Betrug ein und trat zurück. Der ADAC kündigt eine interne Prüfung an.

Tagelang hatte der ADAC dementiert. Noch vergangenen Donnerstag, am Abend der Verleihung des „Gelben Engel“, dem Preis für das beliebteste Auto der Deutschen, sprach der Verein von von Unwahrheiten und Unterstellungen. Jetzt ist klar: Die Stimmenzahlen bei der Wahl des VW-Golf zum diesjährigen Lieblingsauto wurden gefälscht. Der ADAC hat sich seine eigene Wahrheit gezimmert.

Die Rangfolge beim Autopreis „Gelber Engel“ sei aber nicht betroffen, hieß es von Seiten des Automobilclubs gestern. Nach bisher unbestätigten Berichten erhielt der Golf bei der Wahl der Leser der Verbandszeitschrift Motorwelt nicht 34 299 Stimmen, sondern nur 3409 Stimmen. Nach Angaben des ADAC gab Kommunikationschef und Motorwelt-Chefredakteur Michael Ramstetter die Manipulation zu und trat zurück. Ramstetter habe seinen persönlichen Fehler zugegeben und sich für sein Fehlverhalten entschuldigt. Weder die Geschäftsführung noch das Präsidium des ADAC seien zu irgendeinem Zeitpunkt über die „Unregelmäßigkeiten“ informiert gewesen, versicherte der ADAC am Sonntag.

Anzeigenpreise durchsetzen

Über den Manipulationsverdacht hatte die Süddeutschen Zeitung Anfang vergangener Woche erstmals berichtet. Nach einem Bericht des Blattes vom Sonntag war auch im vergangenen Jahr die Zahl der abgegebenen Stimmen deutlich zu hoch angegeben. Während offiziell 290.000 Leser teilnahmen, seien es tatsächlich nur 76.000 gewesen, hieß es.

Über die Hintergründe der Manipulation ist bisher nichts bekannt. Es kann nur vermutet werden, dass auch wirtschaftliche Gründe dahinter stecken. Die tatsächliche Teilnehmerquote ist gemessen an der Motorwelt-Auflage von 14 Millionen deutlich geringer als in der Branche bei derartigen Aktionen üblich. Das spricht für eine geringe Nutzung des Heftes. Damit wäre der ADAC aber nicht weiter in der Lage, in der Motorwelt seine vergleichsweise hohen Anzeigenpreise durchzusetzen. Der jetzt zurückgetretene Chefredakteur Ramsstetter hatte 2010 in einem Interview gesagt: „Wir müssen uns zwar nicht am Kiosk verkaufen, aber auch wir müssen unseren Anzeigenkunden immer wieder nachweisen, dass wir gelesen werden.“

Von diesen hagelte es am Sonntag erst einmal massive Kritik. Europas größter Autohersteller Volkswagen forderte den ADAC auf, die Manipulation aufzuklären. „Wir sind nach wie der Auffassung, dass der Golf das Lieblingsauto der Deutschen ist“, sagte ein Sprecher von VW. Die Frage sei jedoch, was dieser Preis bei den Begleitumständen überhaupt noch wert sei.

Beim Autobauer BMW sieht man das ähnlich. Ein Sprecher des Münchner Konzerns sagte: „Wir erwarten vom ADAC eine vollständige Aufklärung der Vorgänge.“ Beim Premiumhersteller Daimler dagegen hält man sich bedeckt: Vorgänge, die den ADAC betreffen, wolle man nicht kommentieren.

"Peinliche Farce"

Der ADAC kündigte eine lückenlose interne Prüfung an. Zudem wolle man für künftige Abstimmungen ein notariell überwachtes Verfahren entwickeln. Der Konkurrent Auto Club Europa (ACE) sprach sich allerdings mit scharfen Worten gegen Auszeichnungen in der Automobilbranche aus. Wer wirklich wissen wolle, welche Wagen am beliebtesten seien, solle lieber auf die fälschungssicheren Zulassungszahlen des Kraftfahrtbundesamtes schauen, erklärte der Verein in Stuttgart. „Demgegenüber ist alles andere offenbar nur Blendwerk und aufgeblasene Selbstinszenierung“, hieß es in der Stellungnahme. Es sei erklärungsbedürftig, warum Repräsentanten namhafter Autohersteller sich diese „peinliche Farce“ weiter antun wollen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare