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ADAC-Zentrale in München.
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ADAC-Zentrale in München.

ADAC

ADAC soll über Jahre manipuliert haben

Manipulationen beim ADAC bei der Wahl des „Lieblingautos der Deutschen“ hat es wohl nicht nur 2013 gegeben. Forderungen nach einer neuen Struktur des Automobilclubs werden laut. Wusste wirklich nur Ex-Kommunikationschef Michael Ramstetter von den Manipulationen?

Die Manipulationen beim ADAC haben wahrscheinlich größere Dimensionen als bislang angenommen. Ex-Kommunikationschef Michael Ramstetter soll über Jahre hinweg die Teilnehmerzahlen der Umfrage zum „Lieblingsauto der Deutschen“ geschönt haben. Dies habe ADAC-Geschäftsführer Karl Obermair der „Süddeutschen Zeitung“ bestätigt, berichtete das Blatt am Montag. Obermair kündigte eine umfassende Aufklärung an.

Am Sonntag hatte der Autoclub in München zunächst eingeräumt, dass die Teilnehmerzahlen für die diesjährige Wahl frisiert worden waren. Ramstetter habe – so teilte der ADAC mit – „die alleinige persönliche Verantwortung“ übernommen und alle Funktionen beim Verein niedergelegt. Er war auch Chefredakteur der Mitgliederzeitschrift „Motorwelt“. Der ADAC ist mit rund 19 Millionen Mitgliedern größter Autoclub in Europa und der größte Verein in Deutschland.

Der Automobilexperte Ferdinand Dudenhöffer hält den ADAC mit seiner derzeitigen Organisationsstruktur für gescheitert und fordert eine Aufteilung in einen Pannenservice und ein Wirtschaftsunternehmen. Der Experte warf dem Autoclub Arroganz und Selbstherrlichkeit vor. „Man schottet sich ab“, sagte er im Bayerischen Rundfunk. „Offensichtlich ist das System ein Nährboden dafür, dass sich Dinge entwickeln, die sich in Unternehmen nicht entwickeln dürfen“, sagte der Professor für Automobilwirtschaft an der Universität Duisburg-Essen.

Der Verein brauche „eine völlig neue Struktur“. Es gebe Verflechtungen, die mit der Unabhängigkeit einer Testorganisation nichts zu tun hätten. Im Inforadio des RBB kritisierte Dudenhöffer Mangel an Kontrollen. Im Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa hatte er am Sonntag eine Untersuchung der Pannen- und Tunnelstatistik gefordert.

Alles auf den Tisch

CSU-Chef Horst Seehofer ist für eine unabhängige Prüfung der Vorgänge. „Am besten ist jetzt: alles auf den Tisch, Transparenz, und nach Möglichkeit eine unabhängige, objektive Prüfung“, sagte Seehofer vor einer CSU-Vorstandssitzung in München. Er sei von den Manipulationen „nicht überrascht“, denn er habe sich auch über andere Zahlen in der Vergangenheit gewundert. „Im Zusammenhang mit der Maut hab ich mich immer gefragt, wie man zu solchen Schlussfolgerungen kommen kann“, sagte Seehofer. Die CSU habe immer andere Zahlen etwa zum voraussichtlichen Aufkommen aus der Maut gehabt.

Obermair hatte vor einigen Tagen die Manipulationsvorwürfe bei der Autowahl noch als Unterstellungen zurückgewiesen. Der Betrug soll unentdeckt geblieben sein, weil – so zitiert die „Süddeutsche Zeitung“ den Geschäftsführer – nur Ramstetter Zugang zu allen Abstimmungsauszählungen gehabt habe.

Nach einem Bericht der „Bild“-Zeitung ergaben erste interne Untersuchungen von Dokumenten beim ADAC, dass zumindest 2012 und 2013 die Zahl der Stimmen künstlich erhöht wurde. Die Prüfung stütze sich auf frühere Aufzeichnungen, die Stimmzettel (Coupons) seien laut ADAC aus datenschutzrechtlichen Gründen vernichtet worden. Nach Informationen der Zeitung sollen neben Ramstetter auch leitende Mitarbeiter der „ADAC Motorwelt“ in den Betrug eingeweiht gewesen sein.

Ramstetter habe sich für sein Fehlverhalten entschuldigt, hieß es am Sonntag in der Pressemitteilung des ADAC. Der 60-Jährige habe bedauert, der Glaubwürdigkeit des ADAC Schaden zugefügt zu haben. Ramstetter selbst wollte sich am Sonntag nicht äußern.

Dem ADAC droht nun eine massive Vertrauenskrise. Der Automobilclub bemühte sich um Schadensbegrenzung. Bei der diesjährigen Wahl des Lieblingsautos sei nur die Zahl der abgegebenen Stimmen geschönt worden, aber nicht die Rangfolge der Ergebnisse, wurde betont.

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