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"Wir haben unanfechtbare Beweise, dass die Guerilleros Provokationen unter Einsatz von Giftstoffen vorbereiten", sagt Wladimir Putin.

Giftgasangriff auf Duma

Die zynische Chemiewaffenbruderschaft

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Bei der Chlorgasattacke auf die Stadt Duma sterben mindestens 50 Menschen. Die tödliche Bombe hat wohl ein Armeehubschrauber abgeworfen. Doch Putin und Assad sehen das anders.

Wie so oft wusste Wladimir Putin alles schon vorher. „Wir haben unanfechtbare Beweise, dass die Guerilleros Provokationen unter Einsatz von Giftstoffen vorbereiten“, sagte der russische Präsident am Donnerstag.

Schon drei Tage später platzte die angekündigte Bombe, aber offenbar abgeworfen aus einem Hubschrauber der syrischen Armee. Und jetzt beschuldigt der Westen den syrischen Staatschef Baschar al-Assad und seine Schutzmacht Russland einer von jenen vehement dementierten Chlorgasattacken auf die Stadt Duma östlich von Damaskus. Ihr fielen nach Angaben syrischer Oppositionsgruppen am Samstagabend mindestens 50 Menschen zum Opfer.

General Juri Jewtuschenko, Kommandeur des Russischen Befriedungszentrums in Syrien, aber verkündete, in Duma seien keinerlei Chemiewaffen zum Einsatz gekommen. Der Westen wolle mit Falschmeldungen den freien Abzug von Oppositionskämpfern aus Duma zum Platzen bringen. Auf Antrag Frankreichs befasste sich gestern auch der UN-Sicherheitsrat mit dem Angriff, Russland beraumte noch vorher eine Sitzung zur bedrohten internationalen Sicherheit an.

Schon im April 2017, nach dem Einsatz von Sarin-Kampfstoff und 80 Toten in der ebenfalls von Rebellen gehaltenen Stadt Chan Schaichun, tagte der UN-Sicherheitsrat, Russland stoppte später die internationalen Ermittlungen per Veto. Schon damals bezeichneten Damaskus und Moskau Videos und Augenzeugenberichte als vom Westen lancierte Fake News. Sie wollten auch einen gemeinsamen Bericht der UN und der Organisation zum Verbot von Chemiewaffen (OPCW) von 2016 nicht gelten lassen. Dieser hatte drei Chemiewaffenattacken der syrischen Armee auf verschiedene Rebellenstädte zwischen 2014 und 2016 konstatiert. 

Offiziell besitzt Syrien kein Giftgas mehr: 2013 waren nach einer Reihe von Sarin-Angriffen in Ghuta bei Damaskus nach verschiedenen Berichten zwischen 280 und 1730 Menschen getötet worden. Auch damals wiegelte neben Syrien auch Russland ab. Und rettete Assad vor einem Luftschlag der USA, indem es die Vernichtung des syrischen Kampfstoffarsenals unter internationaler Aufsicht aushandelte.

Aber offenbar geht die russisch-syrische Chemiewaffenbrüderschaft weiter. „Selbstverständlich besitzt Syrien noch Kampfstoffe“, sagt der Moskauer Nahostexperte Alexander Schumilin. „UN und OPCW bestätigen ja, dass es sie auch einsetzt.“ Aber um das jetzt für die Duma zu belegen, brauche es eine Kette von Beweisen. „Es geht um Art und Herkunft des Kampfstoffes, aber auch um die Frage, wer ihn wie zum Einsatz gebracht hat.“ Theoretisch könnten sich auch die oppositionellen Islamisten Giftgas beschaffen. Aber die Aussagen, die Chlorgasbombe sei per Hubschrauber über Duma abgeworfen worden, schlössen ihre Täterschaft aus.

Zudem hat es Russland mit Donald Trump zu tun. „Die USA und Frankreich, vielleicht die Briten, werden wohl diesmal militärisch zuschlagen“, sagt Schumilin. Aber er erwartet keine direkte kriegerische Konfrontation. „Sie werden syrische Objekte angreifen, von denen sichergestellt ist, dass sich dort keine Russen befinden.“ Russland seinerseits könnte als Vergeltung auch ein paar Raketen abfeuern, vielleicht einfach nur in den Wüstensand. 

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