Irak

Zwölf Demonstrierende im Irak getötet

Sicherheitskräfte gehen landesweit mit großer Härte gegen Protestlager im Irak vor. Amnesty International warnt vor einem „Blutbad“.

Nach der Einigung der politisch führenden Kräfte im Irak auf ein entschiedenes Vorgehen gegen die Protestbewegung ist die Gewalt eskaliert: In der Hauptstadt Bagdad wurden bei Zusammenstößen mit Sicherheitskräften neun Demonstranten getötet, im südlichen Basra kamen drei Protestierende ums Leben. Amnesty International warnte vor einem „Blutbad“. Zuvor hatten sich die wichtigen politischen Akteure nach Angaben aus Verhandlungskreisen hinter den umstrittenen Ministerpräsidenten Adel Abdel Mahdi gestellt und einem Vorgehen gegen die Protestbewegung „mit allen Mitteln“ zugestimmt.

Teile Bagdads glichen am Wochenende einem Schlachtfeld. Neun Demonstranten wurden am Samstag beim zentralen Protestlager auf dem Tahrir-Platz nach Angaben von Medizinern durch Schüsse oder Tränengas-Granaten getötet. Die Sicherheitskräfte versuchten, sich Zugang zu dem Platz zu verschaffen und die Proteste aufzulösen, wie ein Demonstrant sagte.

Noch vor dem Morgengrauen hatten Sicherheitskräfte am Samstag unter massivem Einsatz von Tränengas die Kontrolle über die Tigris-Brücken Al-Sinek, Al-Schuhada und Al-Ahrar zurückerobert. Die Brücken verbanden die Protestlager am östlichen Tigrisufer mit dem westlichen Flussufer, wo Regierungsstellen und ausländische Botschaften ihren Sitz haben.

Die Al-Sinek-Brücke war bisher die wichtigste Verbindung der Demonstranten zur Botschaft des Iran. Teile der Protestbewegung werfen dem Nachbarland vor, die Regierung in Bagdad zu stützen, der sie Korruption vorwerfen. Die Brücken Al-Ahrar und Al-Schuhada führen zum Büro des Ministerpräsidenten und der Zentrale des Staatsfernsehens.

Am Sonntag lieferten sich Demonstranten und Sicherheitskräfte erneut Auseinandersetzungen, diesmal auf dem Challani-Platz im Stadtzentrum. Die Sicherheitskräfte setzten Tränengas ein, Dutzende Protestierende suchten Schutz vor den Salven.

Auch im Süden des Landes gingen Sicherheitskräfte gewaltsam gegen Demonstranten vor. In Kerbela blieb von den Zelten campierender Demonstranten nichts als Asche übrig, nachdem die Sicherheitskräfte Tränengas auf das Lager gefeuert hatten. In Basra lösten Sicherheitskräfte ein Protestlager auf. Nach Angaben von Ärzten wurden bei dem Einsatz drei Menschen getötet. Auch in Nassirija setzten Sicherheitskräfte Tränengas gegen Demonstranten ein. (afp)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion