Grüne

Zwischen Freude und Wehmut

Was für ein Rekordsprung: Mit dem stärksten hessischen Wahlergebnis in der Parteigeschichte ziehen die Grünen in den Landtag ein - und gewinnen doch keine Machtoption. Von Matthias Thieme und Vera Gaserow

Von MATTHIAS THIEME UND VERA GASEROW

Wiesbaden. Was für ein Rekordsprung: Mit dem stärksten hessischen Wahlergebnis in der Parteigeschichte ziehen die Grünen in den Wiesbadener Landtag ein. Bei der letzten Hessen-Wahl im Januar 2008 hatten die Grünen nur 7,5 Prozent bekommen.

Jetzt fahren sie sogar das beste Ergebnis ein, das die Partei jemals in einem Flächenland hatte. Als "grandiosen Wahlsieg" feiert Hessens Grünen-Chef Tarek Al-Wazir die Rekord-Prozentzahlen für seine Partei.

Ein "historisches Ergebnis" jubelt auch Bundeschefin Claudia Roth, und spürt "Rückenwind" für die Bundestagswahl, "das zeigt, dass die Grünen mit ihren Themen Klima, Bildung und soziale Gerechtigkeit punkten können". In die Freude über die großen Zuwächse mischte sich am Wahlabend allerdings auch Wehmut über die fehlende Option, in Hessen an die Regierung zu kommen.

Die grünen Inhalte wurden von den Wählern belohnt - umsetzen kann die Partei sie aber nicht. Grünen-Chef Al-Wazir, der bei Andrea Ypsilantis Versuch der Regierungsbildung um ein Haar Umweltminister geworden wäre, muss sich weitere fünf Jahre damit begnügen, seinem politischen Gegner Roland Koch eine veraltete Wirtschafts- und Umweltpolitik vorzuwerfen - von der Oppositionsbank aus.

Der rot-grüne Koalitionsvertrag - von den Grünen maßgeblich mitbestimmt - ein Dokument fürs Archiv.

Dennoch: Einen kraftstrotzenderen Start ins Superwahljahr konnten sich die Grünen auch aus Bundessicht kaum wünschen. Zweistellig - so wie jetzt in Hessen - heißt das erklärte Wahlziel auch für den 27. September im Bund.

Nur: Bei allem Jubel ahnen sie in der Berliner Grünen-Zentrale sehr wohl, dass sich das Ergebnis dieses Wahlsonntags im Herbst wiederholen könnte: Erstarkte Grüne, aber ein schwächelnder SPD-Wunschpartner, dessen Niedergang man ein Gutteil des eigenen Erfolgs verdankt.

Am Ende - wie vor vier Jahren - für die Öko-Partei ein machtpolitisches Nullsummenspiel, das allenfalls mit einem ungeliebten Dritten im Bunde an die Regierung führen könnte.

So wie die Hessen-Grünen erst im zweiten Anlauf, gehen die Bundesgrünen deshalb gleich von anfang auf Distanz zur SPD.

Erstmals ziehen sie wieder ohne Koalitionsaussage in den Bundestagswahlkampf. Das hessische Ergebnis kommt ihnen da gar nicht so ungelegen. Denn damit sind Spekulationen über ein Bündnis mit der Linken oder störende Debatten über Schwarz-Grün oder Jamaika vorerst vom Tisch.

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