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Dauerbaustelle: das Weiße Haus in Washington.

Republikaner

Zwergenaufstand gegen Trump

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Mehrere Republikaner schimpfen auf den US-Präsidenten und wollen gegen ihn kandidieren - aber er nimmt sie nicht mal wahr.

Der Mann hält sich nicht mit Höflichkeitsfloskeln auf. „Er ist verrückt. Er ist unberechenbar. Er ist gemein. Er schürt den Rassismus. Er ist inkompetent. Er weiß nicht, was er tut“, beschrieb Joe Walsh am Wochenende seinen Gegner. Bei der Präsidentschaftswahl 2020 will er Donald Trump herausfordern. Das haben auch 21 mehr oder weniger linke Demokraten vor. Doch der 57-jährige Ex-Kongressabgeordnete kommt aus der rechten Tea Party. Er will Trump die republikanische Kandidatur streitig machen.

Walsh ist nicht der einzige innerparteiliche Herausforderer des US-Präsidenten. Schon im Frühjahr hatte Bill Weld, der frühere Gouverneur von Massachusetts, seinen Hut in den Ring geworfen. Und mindestens drei weitere Republikaner erwägen laut amerikanischen Medienberichten derzeit eine Kandidatur.

Nach dem Tod von Senator John McCain und dem Ausscheiden von Jeff Flake und Bob Corker im vorigen Jahr waren die parteiinternen Trump-Kritiker verstummt. Doch mit den ersten Anzeichen einer Rezession, die den Nimbus des selbsternannten Dealmakers Trump brechen könnte, trauen sich einige Abweichler aus ihren Löchern. Öffentlich angefeuert werden sie dazu von republikanischen Anti-Trump-Strategen wie dem konservativen Publizisten Bill Kristol und schillernden Renegaten wie Trumps Kurzzeit-Kommunikationsdirektor Anthony Scaramucci, der gerade eine Kampagne zur Abwahl des Präsidenten gestartet hat. Die Zeit drängt: Im Herbst endet in den meisten Bundesstaaten die Bewerbungsfrist für die Kandidatur.

Joe Walsh hetzte einst an der Seite von Donald Trump, nun will er ihn herausfordern.

„Er ist ein Tyrann und ein Feigling“, sagt Walsh über Trump. „Jemand muss ihn jeden Tag ins Gesicht schlagen.“ Das ist auch die Strategie von Kristol. Durch Angriffe aus den eigenen Reihen soll Trump provoziert und entlarvt werden: „Die Wähler müssen sich auf die Frage konzentrieren, ob sie ihn wirklich vier weitere Jahre im Oval Office haben wollen.“

Bislang freilich segeln die Herausforderer noch unter Trumps Wahrnehmungsschwelle. Der Präsident kann sich auf stabile Zustimmungswerte von 80 Prozent im republikanischen Lager und eine prall gefüllte Wahlkampfkasse stützen.

Alleine von April bis Juni sammelte Trump 105 Millionen Dollar Spenden ein. Auch die Parteiorganisation steht hinter ihm. In South Carolina erwägen die Republikaner gar, die Vorwahlen kurzerhand abzusagen.

Tatsächlich sind die Alternativen bislang nicht wirklich überzeugend: Bill Weld ist ein aufrechter traditioneller Republikaner mit konservativen fiskalpolitischen Vorstellungen und eher liberalen Positionen in der Gesellschaftspolitik. Aber der 74-Jährige ist kein feuriger Redner.

Seine Vizepräsidenten-Kandidatur als Libertärer 2016 hinterließ kaum einen Eindruck. Während Weld den Präsidenten aus der Mitte kritisiert, attackiert der Radio-Moderator Walsh deutlich feuriger von rechts. Sein Problem: Er hat die Trump-Propaganda einst selbst unterstützt, die Staatsbürgerschaft von Ex-Präsident Barack Obama angezweifelt und kräftig gegen Schwarze und Moslems gehetzt. „Ich hatte meinen Anteil an der Kontroverse“, schrieb Walsh nun verschämt in der „New York Times“: „Und ich bedaure das.“

Um Trump gefährlich zu werden, müsste nach Meinung vieler Beobachter gleichwohl ein glaubwürdigerer und prominenterer Kandidat antreten – zum Beispiel der Ex-Präsidentschaftskandidat Mitt Romney. Doch der Senator winkt angesichts der Mehrheitsverhältnisse ab: „Mein Stück vom republikanischen Kuchen ist derzeit so groß“, sagte er kürzlich. Dabei hielt er beide Hände eng zusammen.

Boris Johnson alleine

Der britische Premierminister blieb beim G7-Gipfel seiner Strategie treu, alle möglichen negativen Folgen des Brexit Ende Oktober vorab den Europäern in die Schuhe zu schieben. Konkrete Alternativen zum bestehenden Austrittsvertrag präsentierte er trotz europäischer gesprächsbereitschaft nicht. Ein Gespräch mit dem scheidenden EU-Ratspräsidenten Donald Tusk zeitigte keienrlei Ergebnis. Johnsons kaum verhohlener Nötigungsversuch, ohne Deal müsste sein Land auch keine 43 Milliarden Euro an ausstehenden Verpflichtungen zahlen, fand in Biarritz wie in Brüssel kein Gehör.

Cricket war da eine schönere Alternative für Johnson: Er schaute sich den Sieg der Engländer über die Australier bei der „Ashes“-Serie in London an, verhöhnte dann seinen bei G7 anwesenden australischen Amtskollegen Scott Morrison und ließ ansonsten Donald Trump wieder ein „sehr großartiges Handelsabkommen“ der USA mit dem Königreich versprechen.

Immerhin: Johnson will den Kampf zur Rettung Amazonines mit rund elf Millionen Euro unterstützen. (rut)

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