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Eine Haftbombe hat zwei Polizisten auf Mallorca getötet. Der beliebte Badeort Palmanova ist damit der erste Ort auf Mallorca an dem die ETA ein tödliches Attentat begeht. Um die "Terroristen" zu fangen, hat die Polizei die Insel abgesperrt.
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Eine Haftbombe hat zwei Polizisten auf Mallorca getötet. Der beliebte Badeort Palmanova ist damit der erste Ort auf Mallorca an dem die ETA ein tödliches Attentat begeht. Um die "Terroristen" zu fangen, hat die Polizei die Insel abgesperrt.

Terroranschlag auf Mallorca

Zweite Bombe entschärft

Kurz nach der Öffnung des Flughafens wird eine zweite Bombe gefunden. Die erste tötet zwei Polizisten, verletzt mehrere Menschen - Mallorca wird zunächst von der Außenwelt abgeriegelt. Flugreisende müssen Verspätungen in Kauf nehmen.

Madrid. Eine Bombe war nicht genug: Erst sterben zwei Polizisten auf der spanischen Ferieninsel durch die Explosion einer Autobombe. Mehrere Menschen werden in Palmanova verletzt. Jetzt findet die Polizei noch eine zweite Bombe unter einem parkenden Militärfahrzeug - sie kann entschärft werden.

Der Sprengsatz wird ganz in der Nähe des ersten Anschlagsortes entdeckt. Wie der staatliche Rundfunk RNE berichtet, war das Fahrzeug vor einer Polizeikaserne in Palmanova abgestellt. Sprengstoffexperten machten die Bombe mit einer "kontrollierten Sprengung" unschädlich. Dazu mussten mehrere Gebäude in der Umgebung geräumt werden.

Nach Angaben der Behörden bestand kein Zweifel daran, dass die baskische Untergrundorganisation ETA hinter dem Attentat stand. Zu beiden Terroranschlägen gab es keine Vorwarnung.

Um ein Entkommen der Terroristen zu verhindern, leiteten die Sicherheitskräfte die "Operation Käfig" ein und ordneten zwei Stundennach dem Anschlag die vorübergehende Schließung des Flughafens und der Seehäfen an. Mallorca ist damit von der Außenwelt praktisch abgeriegelt.

In Palmanova durften zahlreiche Urlauber in unmittelbarer Nähe des Tatorts ihre Hotels vorübergehend nicht verlassen. Die Polizei hatte um den Ort der Explosion eine Sicherheitszone eingerichtet und das Betreten und Verlassen des Gebiets untersagt. Palmanova und der Nachbarort Magalluf werden traditionell überwiegend von Engländern besucht, während die Deutschen vorzugsweise an die Playa de Palma reisen. Das deutsche Auswärtige Amt geht von rund 60 Verletzten aus.

Der Flughafen in Palma sollte nach Auskunft der deutschen Flugsicherung bis mindestens 22 Uhr gesperrt bleiben - tatsächlich wird er bereits um 17.45 Uhr nach rund 100 Minuten Sperrung wieder geöffnet.

Die Flughafenschließung führt dennoch europaweit zu Verspätungen im Luftverkehr. In Düsseldorf mussten Passagiere die Maschinen wieder verlassen. Viele Flugzeuge, die in Richtung Mallorca starten sollten, blieben in den Heimatländern zunächst am Boden. Andere Maschinen, die bereits in der Luft waren, wurden umgeleitet.

Der Flughafen von Son Sant Joan gehört zu den am meisten frequentierten in Europa. Allein am Donnerstag sollten insgesamt 660 Flugzeuge mit knapp 87.000 Passagieren starten. Nach Schätzungen des Deutschen Reiseverbandes halten sich gegenwärtig auf Mallorca zwischen 150.000 und 200.000 Deutsche auf. Die Bundesregierung verurteilt den Terroranschlag auf Mallorca scharf. "Deutschland steht in dieser schweren Stunde an der Seite Spaniens", erklärt Außenminister Frank- Walter Steinmeier in Berlin.

Auf dem Flughafen klagen während der Wartezeit vereinzelt Touristen über angeblich schlechte Informationspolitik."Wir erfahren nichts. Weder Polizei noch Fluggesellschaft geben irgendeinen Hinweis, wie es weitergehen könnte", sagt ein Tourist aus Frankfurt der dpa.

"Unseren Anschlussflug werden wir wohl nicht mehr kriegen, wir wissen aber auch nicht, ob wir noch einmal übernachten müssen oder ob es vielleicht gleich weitergeht. Null Durchsagen, man lässt die Touristen allein", sagt der Reisende.

In der ersten Stunde nach Schließung des Flughafens sei die Stimmung jedoch nicht schlecht gewesen: "Die Leute versuchen sich zu arrangieren, unterhalten sich und gucken neugierig auf die ganzen Kamerateams, die zum Flughafen kommen. Wenn man die ungemütliche Lage und den ernsten Hintergrund bedenkt, ist die Stimmung eigentlich recht entspannt."

Bei Deutschlands zweitgrößter Fluggesellschaft Air Berlin waren rund 27 Maschinen betroffen, beim Ferienflieger Condor waren es einer Sprecherin zufolge fünf Maschinen von und nach Mallorca.

Tod per Fernzündung

Palmanova gilt als beliebter Badeort. Der Anschlag auf Mallorca war gegen die Besatzung eines Streifenwagens der paramilitärischen Guardia Civil (Zivilgarde) gerichtet. Wie der Präfekt auf den Balearen, Ramon Socías, mitteilte, hatten die Terroristen an dem Polizeifahrzeug eine Haftbombe angebracht und mit einer Fernzündung zur Explosion gebracht. Die beiden Beamten an Bord des Fahrzeugs waren auf der Stelle tot.

Das spanische Königspaar verbringt den Sommer regelmäßig in seinem Palast Marivent auf Mallorca. An diesem Wochenende wurden der spanische König Juan Carlos und Königin Sofia auf der Balearen-Insel erwartet. Im Jahr 1995 war die ETA auf der Insel mit dem Vorhaben gescheitert, den spanischen König Juan Carlos mit einem Präzisionsgewehr zu erschießen. Der jetzige Anschlag auf die Polizisten ereignete sich nur etwa acht Kilometer vom Marivent-Palast entfernt. Mit der Anwesenheit der Monarchen wird auf der Ferieninsel auch die Polizeipräsenz verstärkt.

Urlauber haben keine Anspruch auf Schadenersatz

Urlauber, die auf Mallorca festsitzen, weil dort der Flughafen gesperrt ist, haben keine Ansprüche auf Schadensersatz. "Es handelt sich in diesem Fall um höhere Gewalt", sagte Gabriele Franke, die Geschäftsführerin der Verbraucherzentrale Berlin. "Die Fluggesellschaften und die Reiseveranstalter können nichts dafür, dass die spanische Regierungen den Flughafen gesperrt hat." Das sei vergleichbar mit Fällen, in denen es wegen einer Naturkatastrophe zu Flugausfällen und Verspätungen kommt.

Die Fluggäste, die auf dem Flughafen Mallorca auf die nächste Rückflugmöglichkeit warten, haben aber Anspruch auf Essen, Trinken und einen Telefonanruf nach Hause, erläutert Maja Kressin, Reiserechtsexpertin der Verbraucherzentrale Hamburg. "Das gilt auch im Fall von höherer Gewalt." Allerdings dürften sich Urlauber nicht einfach etwas zu essen kaufen und die Kosten dafür nachträglich zurückverlangen. "Das wäre schon der erste Fehler." Stattdessen sollten die Betreffenden sich direkt an den Schalter ihrer Fluggesellschaft wenden. "Häufig gibt es dort dann Gutscheine."

Ein Anspruch besteht außerdem darauf, baldmöglichst nach Hause fliegen zu können, sobald die Sperrung des Flughafens aufgehoben wurde.

Bomben zum Jubiläum

Erst am Mittwoch waren durch eine Autobombe vor einer Kaserne im nordspanischen Burgos 64 Menschen verletzt worden. Die Regierung schrieb den Anschlag der baskischen Untergrundorganisation ETA zu, die am Freitag den 50. Jahrestag ihrer Gründung begeht. Seit Jahrzehnten kämpft die Gruppe gewaltsam für die Unabhängigkeit des Baskenlandes im Norden von Spanien sowie im Süden Frankreichs.

Die ETA hatte im laufenden Jahr bisher einen Menschen getötet: ebenfalls einen Guardia-Civil-Polizisten bei einem Bombenattentat am 19. Juni in der Nähe der baskischen Stadt Bilbao. Sollte sich die ETA-Täterschaft für das gestrige Attentat auf Mallorca bestätigen, wäre es ihr erster Mordanschlag auf den Balearen. Allerdings gab es vor 18 Jahren bereits zwei ETA-Bombenanschläge ohne Todesopfer.(afp/dpa/rtr/fr)

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