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Eine Woche nach der Ermordung des russischen Oppositionspolitikers Boris Nemzow sind zwei Verdächtige festgenommen worden.
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Eine Woche nach der Ermordung des russischen Oppositionspolitikers Boris Nemzow sind zwei Verdächtige festgenommen worden.

Mordfall Boris Nemzow

Zweifel an "kaukasischer Spur"

Nach der Festnahme von zwei Verdächtigen im Mordfall des Kremlkritikers Boris Nemzow zeigen sich die russischen Ermittler überzeugt von einer Beteiligung der Männer an der Bluttat. Führt die Spur tatsächlich in den Kaukasus? Nemzows frühere Weggefährten sehen das mit Skepsis.

Es herrscht noch immer Fassungslosigkeit auf der Brücke beim Kreml in Moskau, wo der russische Oppositionelle Boris Nemzow erschossen wurde. "Satschem?" - Weshalb? - steht auf einem Zettel am Blumenberg, der noch eine Woche nach dem Mord den Schock der Menschen wegen der Bluttat ausdrückt.

Erste Antworten könnten sich durch die Festnahme von zwei Verdächtigen ergeben, die von der Polizei in der Nacht zum Samstag gefasst wurden. Von einer «heißen Spur» berichtet das kremlnahe Staatsfernsehen. Doch die Opposition erwartet keinen raschen Durchbruch in den Ermittlungen.

Ein erster Coup

Ein Unbekannter hatte den 55-jährigen Nemzow, einen der schärfsten Kritiker von Präsident Wladimir Putin, in der Nacht zum 28. Februar auf offener Straße in Sichtweite der roten Kremlmauer erschossen. Wegen der großen internationalen Aufmerksamkeit in dem Fall stehen die Ermittler unter Druck, schnell Ergebnisse zu präsentieren. Mit der Festnahme von Verdächtigen gelingt ihnen ein erster Coup. Sie stammten aus dem Kaukasus, sagt Geheimdienstchef Alexander Bortnikow.

Damit könnte sich die Theorie der Behörden erhärten, wonach ein islamisch-extremistischer Hintergrund bei der Tat nicht ausgeschlossen ist. Im russischen Nordkaukasus kämpfen Islamisten seit Jahren mit Terroranschlägen für die Gründung eines unabhängigen Kalifats. Nemzow soll Berichten zufolge Drohungen erhalten haben, weil er sich nach dem Anschlag auf die Pariser Satirezeitung «Charlie Hebdo» im Januar solidarisch mit den Opfern gezeigt hatte.

Auch eine nationalistisch motivierte Tat hält die Polizei für möglich. Andere vermuten eine Verbindung zum Ukrainekonflikt. Nemzow war ein scharfer Kritiker der russischen Ukrainepolitik. Nach Informationen der Opposition arbeitete er an einem Enthüllungsbericht über Russlands Unterstützung für moskautreue Separatisten im Donbass.

Kritiker glauben indes nicht an diese Versionen der Behörden. Sie vermuten die Hintermänner des Verbrechens im Umfeld des Kremls. Dahinter steht die These, dass Nemzow getötet wurde, um die prowestliche Opposition zu schwächen.

Die «kaukasische Spur» der Ermittler sehen Nemzows frühere Weggefährten mit Skepsis. «Offen gesagt, der Ablauf der Ermittlungen gibt keinen Anlass zu Optimismus», sagt der Oppositionspolitiker Ilja Jaschin. Vor überstürzten Schlüssen warnt auch der Politologe Alexej Makarkin. «Allein ein kaukasischer Name der Verdächtigen sagt noch gar nichts aus», meint der Experte vom Moskauer Zentrum für Polittechnologie. Auch im Fall der 2006 ermordeten Journalistin Anna Politkowskaja habe es eine Spur in den Kaukasus gegeben, doch die Tat sei noch immer nicht abschließend aufgeklärt, erinnert er.

«Von effektiven Ermittlungen kann erst gesprochen werden, wenn nicht nur klar ist, wer geschossen hat, (...) sondern auch, wer weshalb all das organisiert hat», sagte Makarkin der Agentur Interfax zufolge. Auch der Vorsitzende des Menschenrechtsrates beim Kreml, Michail Fedotow, fordert, die Auftraggeber des «unverschämten und zynischen» Mordes zu suchen.

Anteilnahme immer noch groß

Wie tief die Trauer um Nemzow mehr als eine Woche nach dessen Tod sitzt, spüren Besucher am Ort des Verbrechens. Noch immer pilgern täglich schockierte Moskauer zu der Brücke über der Moskwa beim Kreml. Manche bekreuzigen sich, andere legen frische Blumen auf den Berg der alten Blumensträuße, die Trauernde in den vergangenen Tagen mitgebracht hatten.

Eine von ihnen ist Lena (35). "Es war ein sehr lauter Mord, der viel Aufmerksamkeit erregt hat", sagt sie ergriffen. Bei der Arbeit werde noch immer viel darüber gesprochen. Zugleich versteht sie das große Gewicht nicht, das der Fall in der Berichterstattung westlicher Medien einnimmt.

"Nemzow hatte seine große Zeit vor Jahren, zuletzt spielte er in der russischen Öffentlichkeit eine eher unbedeutende Rolle", meint sie. Dennoch strömen die Menschen weiter zum Tatort. "Es ist eine menschliche Anteilnahme an einem schlimmen Verbrechen", erklärt Lena. (dpa)

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